Bildung Niedersachsen will neue Lehrer mit Prämie anlocken
Bis zu 400 Euro im Monat extra sollen neue Lehrer bekommen. Das ist aber trotzdem noch weniger, als Lehrkräfte in anderen Bundesländern verdienen. Auch in Ostfriesland besteht Bedarf.
Ostfriesland - Niedersachsen will mit einem Maßnahmenpaket Hunderte dringend benötigte neue Lehrerinnen und Lehrer anwerben. So wird die Zahl der zum neuen Schuljahr zu besetzenden Stellen um weitere 730 auf rund 2300 Vollzeiteinheiten angehoben. Damit sei das Land „erstmal vollumfänglich handlungsfähig“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Montag in Hannover. Die Bewerber in der aktuellen Einstellungsrunde werden dabei mit einer Prämie von 150 bis 400 Euro monatlich angelockt, die zwei Jahre lang gezahlt werden soll.
Für GEW-Landeschef Stefan Störmer ist das kein Maßnahmen-, sondern „ein Notfallplan“. „Die Situation zeigt das Versagen der Landesregierung in den letzten 20 Jahren“, sagt der Leeraner, der auch Lehrer am Teletta-Groß-Gymnasium in Leer ist. „Die Prämie mag ein Anreiz sein, aber die Not ist in allen Bundesländern groß“, sagt er und gibt zu Bedenken, dass etwa in Bremen und NRW Lehrer an allen Schulformen nach A13 bezahlt werden, nicht nur an den Gymnasien. „Das macht rund 500 Euro Unterschied im Monat aus – da ist eine Prämie von 400 Euro, die nach zwei Jahren ausläuft, vermutlich nicht attraktiver.“ Das Kultusministerium stehe „vor einem Scherbenhaufen“.
Auch in Ostfriesland gibt es Bedarf
Die Schulen sollen laut Land auch vermehrt Quereinsteiger einstellen und auch Studierenden und Pensionären die Unterrichtserteilung auf freiwilliger Basis und das Hinausschieben des Ruhestands gegen Zahlung eines Zuschlags anbieten können. Insgesamt ist die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen in diesem Schuljahr so niedrig wie zuletzt vor 19 Jahren. Gleichzeitig werden im kommenden Schuljahr rund 32.000 Schüler zusätzlich erwartet. Auch in Ostfriesland hofft man auf zusätzliche Lehrer. „Es ist natürlich immer gut, wenn im Bildungsbereich Personal eingestellt wird“, sagt Jan-Henning Paul, Schulleiter der Möörkenschule in Leer. Eine unbesetzte Stelle gibt es an der Realschule zwar nicht. Bedarf gibt es trotzdem. Die Schule kümmere sich um 16 ukrainische Schüler. „Die müssen jetzt gerade viel Deutsch lernen und dafür braucht es qualifiziertes Personal“, so Paul.
Ähnlich sieht es am Johannes-Althusius-Gymansium in Emden aus. Dort mussten bereits im vergangenen Jahr Lehrkräfte, die ihr Referendariat noch nicht fertiggestellt hatten, herangezogen werden. „Nur so konnten wir den Unterricht sicherstellen“, sagt Schulleiter Oliver Damm. „Alles was hilft, den Unterricht zu gewährleisten, ist immer gut“, betont er.
Mit Material von dpa