Senioren um Schmuck und Geld betrogen  Falsche Polizisten stehen in Oldenburg vor Gericht

Franz-Josef Höffmann
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Von Franz-Josef Höffmann
| 27.06.2022 15:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Verhandelt wird am Landgericht Oldenburg. Foto: Dittrich/DPA
Verhandelt wird am Landgericht Oldenburg. Foto: Dittrich/DPA
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Zwei Nordenhamer sollen in der Region als falsche Polizisten unterwegs gewesen sein, um Senioren zu betrügen. Offenbar gehören sie zu einer international agierenden Bande.

Oldenburg - Mit einer beispiellosen Abzocke von älteren Menschen durch falsche Polizisten muss sich seit Montag das Oldenburger Landgericht beschäftigen. Angeklagt wegen gewerbsmäßigen bandenmäßigen Betruges in bis zu 53 Fällen sind zwei 23 und 24 Jahre alte Männer aus Nordenham. Die Angeklagten gehörten den Ermittlungen zufolge einer international agierenden Betrügerbande an, die im Jahr 2020 von einem Callcenter in der Türkei aus ältere Menschen mit Horrorgeschichten in Angst und Schrecken versetzte, so dass die Opfer ihr gesamtes Vermögen herausgaben. Es geht um mehrere 100.000 Euro.

Die Hintermänner wurden noch nicht erwischt. Auf der Anklagebank sitzen die Männer, die von der Staatsanwaltschaft die Abholer genannt werden. Die Geschädigten sollen ihnen ihre Wertsachen ausgehändigt haben. Betroffen sind in den angeklagten Fällen 80- und 90-Jährige aus Nordenham, Varel, Meppen, Oldenburg, Wilhelmshaven, Elsfleth, Bremerhaven und Cuxhaven.

80-Jährige unter Druck gesetzt

Die Masche der Betrüger ist stets die gleiche. Rund um die Uhr werden Senioren telefonisch kontaktiert und von falschen Polizisten auf angebliche Einbrecher hingewiesen. Die alten Menschen werden aufgefordert, ihr Geld, ihren Schmuck und ihre EC-Karten mit PIN-Nummern vor die Tür zu legen, damit die Polizei alles abholen und vor den Dieben in Sicherheit bringen kann.

Gleiches gilt für Bankguthaben, das abgehoben werden soll, um das Geld vor korrupten Bankmitarbeitern zu schützen. Die Betrüger machen das Versprechen, dass die Opfer ihre Wertgegenstände zurückbekommen – das Geld sogar inklusive Zinsen – und zudem eine Urkunde der Bundesregierung. Viele Senioren fallen darauf herein. Allein in diesem Fall haben einzelne Opfer bis zu 34.000 Euro verloren.

Eine 80-Jährige aus Wilhelmshaven, die den Dienstausweis eines Abholers sehen wollte, erhielt als Reaktion sofort einen Anruf. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie die Ermittlungsarbeit der Polizei störe. Daraufhin gab die Frau dem Mann ihr Geld, ohne dass er sich ausweisen musste. Im Mai 2020 riefen die Betrüger in Varel aus Versehen einen echten Polizisten an. Der ging zum Schein auf die Horrorgeschichten der Betrüger ein. Damit flog die Sache auf.

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