Berlin  Bürohund gegen Burn-out: Warum Vierbeiner gut für das Gehirn sind

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 27.06.2022 15:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hunde sind nicht nur süß, sie fördern sogar die Produktivität im Beruf. Foto: dpa/Uwe Anspach
Hunde sind nicht nur süß, sie fördern sogar die Produktivität im Beruf. Foto: dpa/Uwe Anspach
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Viele Arbeitgeber erlauben es ihren Angestellten nicht, ihren Hund mit zur Arbeit zu bringen. Dabei beweisen Studien: Die lieben Vierbeiner sind im Job sogar förderlich – und das in vielen verschiedenen Bereichen.

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Es ist längst wissenschaftlich bewiesen: Hunde sind gut für die Psyche. Das haben auch viele während der Pandemie gemerkt, die sich in der Zeit einen eigenen Hund zugelegt haben. Die ständigen Kontaktbeschränkungen und das Verharren in Quarantäne hat bei einigen zu Einsamkeit geführt – und mit der plötzlichen Möglichkeit zur flexiblen Zeitgestaltung durch das Homeoffice haben viele den Schritt gewagt, ihren Wunsch von einem eigenen Hund zu erfüllen.

So hat sich die Zahl der neu registrierten Hunde während der Pandemie verändert (Statista):

Doch jetzt sind alle Corona-Beschränkungen wieder aufgehoben und viele Arbeitgeber wollen, dass ihre Mitarbeiter wieder Vollzeit ins Büro zurückkehren. Aber was soll dann aus dem Hund werden, wenn man keinen Partner oder keine Familie in der Nähe hat, die sich um ihn kümmern können?

Der beste Fall für Hund und Arbeitnehmer wäre es, wenn der Vierbeiner mit ins Büro dürfte. Ein genereller, gesetzlicher Anspruch auf einen Bürohund besteht allerdings nicht, außer es handelt sich beispielsweise um einen Blindenhund. Ansonsten liegt die Entscheidung ganz im Ermessen des Vorgesetzten.

Es ist klar, dass ein Hund nicht überall mit hin kann: In einem Krankenhaus, wo stark auf Hygiene geachtet wird, ist der haarige Vierbeiner beispielsweise nicht gut aufgehoben. Auch in der Restaurantküche ist es nicht gerade hilfreich, wenn der Hund ständig um Essen bettelt oder plötzlich ein Hundehaar in der Suppe landet. Aber bei einem Bürojob spricht bezüglich der verrichteten Arbeit nichts gegen einen Hund, der neben dem Schreibtisch in seinem Körbchen liegt.

Auch die erste Sorge von Arbeitgebern, dass ein Hund mehr Ärger als Entspannung ins Büro bringt, ist verständlich: Lenkt der Hund die Mitarbeiter vielleicht von der Arbeit ab? Haben die Angestellten möglicherweise Angst vor Hunden oder reagiert jemand allergisch auf Fellhaare? Und wenn es für einen Mitarbeiter erlaubt wird, dann muss es fairerweise für alle Mitarbeiter möglich gemacht werden. Wird der Arbeitsplatz dann zum Streichelzoo?

Wissenschaftliche Studien können viele dieser Sorgen entkräften. Was die Produktivität betrifft, haben Studien gezeigt, dass sich ein Hund durchaus positiv auswirkt. Randolph Barker von der Virginia Commonwealth University hat zum Beispiel herausgefunden, dass sich Mitarbeiter mit einem Hund weniger gestresst fühlen als ihre Kollegen. „Beim Streicheln eines Hundes werden Hormone freigesetzt, die Stress vermindern. Auch die kurze Unterbrechung der Arbeit tut unserem Gehirn gut. Insgesamt sind Mitarbeiter in Firmen mit Bürohunden deutlich weniger Burnout-gefährdet“, sagte auch Markus Beyer, Gründer und Vorsitzender des Bundesverband Bürohund, dem stern.

Dr. Linda Handlin von der Swedish University of Agricultural Sciences, Faculty of Veterinary Medicine and Animal Science kam in ihrer Untersuchung zu dem gleichen Schluss: Sie hat festgestellt, dass regelmäßiges Hundestreicheln das Bindungshormon Oxytocin auslöst und gleichzeitig das Stresshormon Cortisol abbaut. 

Matt Christensen von der Central Michigan University hat zudem feststellen können, dass ein Bürohund die Interaktion im Team und so den Gruppenzusammenhalt fördern kann. Und nicht nur das: Eine kleine Hundepause steigert auch das Energielevel, wie eine Studie der University of British Columbia herausfand. Hunde lenken also nicht ab – sie helfen sogar, noch besser im Job zu sein.

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Wenn es die Berufsrichtung und die Bürokapazitäten es also hergeben, wenn die Kollegen einheitlich dafür sind und keine Allergiker dabei sind, und wenn gewährleistet ist, dass man seinen Hund stets unter Kontrolle hat und dieser auch nicht Menschen oder andere Tiere gefährdet (bspw. durch Vorzeigen eines freiwilligen Hundeführerscheins), kann ein Vierbeiner am Schreibtisch gewinnbringend sein.

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