Ärger am Deich  Schafskot erhitzt die Gemüter

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 27.06.2022 15:15 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Es ist schon lange ein Thema: Einige Fahrradfahrer ärgern sich über Schafsköttel auf dem Radweg. Foto: Archiv
Es ist schon lange ein Thema: Einige Fahrradfahrer ärgern sich über Schafsköttel auf dem Radweg. Foto: Archiv
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Gerade wenn es regnet, kann eine Radtour am Deich unschöne Folgen haben. Der Schafskot besudelt Klamotten und Räder. Immer wieder kommt das Thema auf. Was will man machen?

Jemgum - Der blaue Himmel, der grüne Deich, die weißen Schäfchen – was für ein schönes Bild. Nicht ganz so schön ist es, wenn die Hinterlassenschaften der Tiere an den Fahrrädern und Klamotten der Radler spritzen. „Es ist unmöglich. Ich habe ewig gebraucht, um meinen Anhänger wieder sauber zu bekommen. Und das an einem Tag ohne Regen. Wenn es nass wird, geht gar nichts mehr. Man möchte, dass die Leute aufs Rad steigen und dann sowas“, mit diesen Worten machte sich der Leeraner Heiko Diekmann Luft. Er meldete sich im Nachgang zu den Geisterradler-Berichten an die Redaktion – machte aber auch seinen Ärger über den Schafkot deutlich. Er war einer der Radfahrer, die das Thema anschnitten.

Was und warum

Darum geht es: An der Hose, am Fahrrad – Gerade wenn es regnet, sind die Hinterlassenschaften der Schafe am Deich eine unschöne Geschichte. Was wird dagegen unternommen?

Vor allem interessant für: Die, die gerne am Deich entlangfahren.

Deshalb berichten wir: Das Thema wurde von Lesern angesprochen, die sich bei der Redaktion gemeldet haben.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Der Zündstoff ist nicht neu. Gerade in der Gemeinde Jemgum setzt man sich schon lange damit auseinander. „Zunächst einmal möchte ich, wie schon mehrfach geschehen, darauf hinweisen, dass es sich bei der Internationalen-Dollard-Route um einen Deichverteidigungsweg handelt und nicht vorrangig um einen Radweg. Die Beweidung der Deiche entlang der Ems und der Küste ist für den Küstenschutz zwingend notwendig“, sagt Jemgums Bürgermeister Hans-Peter Heikens. Das bedeute auch, dass man sich als Radfahrer ein Stück weit darauf einstellen muss, dass Schafe auf der Straße laufen und dabei ihren Kot hinterlassen. „Wer dem aus dem Weg gehen möchte, kann alternativ auf den Radweg entlang der Landesstraße ausweichen“, sagt er. Und so wie es immer mal wieder negative Stimmen zum Thema Schafkot gebe, gebe es auch viele Stimmen, die sich über die Hinterlassenschaften nicht aufregen und sich im Gegenteil über die unmittelbare Nähe zu den Schafen freuten.

Eine Tour am Deich ist beliebt: An manchen Strecken gibt es Zäune. Foto: Archiv
Eine Tour am Deich ist beliebt: An manchen Strecken gibt es Zäune. Foto: Archiv

Nicht tatenlos

Nur, weil zum Beispiel eine Zaunlösung, die im Raum stand, noch nicht umgesetzt werden konnte, heißt das nicht, dass man tatenlos sei: „Damit es mit dem Dreck auf der Internationalen-Dollard-Route nicht zu schlimm wird, wird der Weg von den Kollegen des Bauhofes mindestens einmal die Woche maschinell gereinigt.“ Maschinell heißt, dass mit einem Schlepper mit einer Kehreinrichtung der Weg abgebürstet wird. Dies habe sich bewährt. „Das kostet uns als Kommune allerdings auch Geld, zum einen in Form von Arbeitszeit, zum anderen in Form von Kraftstoff und Verschleiß an den eingesetzten Maschinen.“ Etwa alle vier bis fünf Jahre zum Beispiel eine neue Kehreinrichtung. Das Geld könnte man mit einer Zaunlösung sparen. Gleichzeitig müsse man die verschiedenen Interessenlagen verstehen: Das Aufstellen der Zäune werfe Fragen auf, die man noch nicht klären konnte.

„Es sind viele Gruppen beteiligt“, erklärt auch Annegret Bommelmann vom Verkehrsverein Ems-Dollart. „Schäfer, Deichacht, Dollard-Route, Gemeinde.“ Fest stehe, dass sich manche Touristen über den Schafkot beschwerten. „Einige Vermieter stellen Hochdruckreiniger oder ihre Gartenschläuche zur Verfügung“, sagt sie. Viele Menschen kämen aber gerade wegen der Natur nach Ostfriesland – und die habe eben nicht nur schöne Seiten.

Trotzdem der Hit

„Das Thema mit den Kötteln ist so alt wie die Dollard-Route selbst“, sagt Kurt Radtke, Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Südliches Ostfriesland, die die Radstrecke vermarktet. Und trotzdem sei der Deichverteidigungsweg die beliebteste Strecke. Im vergangenen Jahr wurden laut Radtke vom automatischen Zählsystem in Soltborg 90.800 Radfahrer registriert. „Im ersten Coronajahr wurde sogar ein Spitzenwert von 93.500 Fahrradfahrern erreicht.“ Man arbeite weiterhin daran, das Problem in den Griff zu kriegen. „Vielleicht kann man etwas bei Abstimmung verbessern. Dass man als Radfahrer bei den Kommunen melden kann, wenn es akut ist“, so Radtke. Der Arbeitsaufwand dürfe aber nicht unterschätzt werden, gerade in der Urlaubszeit.

Seit Jahren wird immer mal wieder das Problem mit dem Schafskot thematisiert. Foto: Archiv
Seit Jahren wird immer mal wieder das Problem mit dem Schafskot thematisiert. Foto: Archiv

Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren und bis jetzt auch in diesem Jahr seien bei der Gemeinde Jemgum keine Beschwerden eingegangen. „Das liegt sicherlich auch daran, dass wir insgesamt gesehen eher trockene Sommer hatten. Und in solchen Zeiten ist der Schafkot auch kaum ein Problem“, so Heikens.

Viehsperren wichtiger als Schafkot-Problem

Die Balance zu finden, zwischen dem Nutzen für Radfahrer und der Deichschäferei sei seit Mitte der 1990er Jahre ein Thema: „Da wurden die Viehsperren installiert, die Radfahrer passieren können. Sonst wären die Wege mit Zäunen dicht“, sagt er. Jüngst hatten die drei Rheiderlandkommunen sich um eine Förderung zur Erneuerung der Viehsperren bemüht. Eine Idee war, dass man die mobilen Zäune in die Förderung mitaufnehmen lassen könnte. Die von der N-Bank genehmigten Fördergelder aus dem Programm „Verbesserung der regionalen Infrastruktur“ beinhalten die Anschaffung von mobilen Zäunen oder das Aufstellen von festen Zäunen allerdings nicht, so Heikens. Die Absage habe es gerade auch deshalb gegeben, „weil es bezüglich einer Zaunlösung immer noch keine Einigung zwischen den beteiligten Behörden und Organisationen gibt.“

Das Augenmerk liege auf den Viehsperren, nicht den Zäunen, sind sich Heikens und Radtke einig. Bei den Viehsperren ist eine Förderung noch in der Schwebe. Der Zuschuss fließt nämlich nur, wenn die Internationale-Dollard-Route durch aufwändige bauliche Maßnahmen barrierefrei gestaltet und zertifiziert wird – was Millionen kosten würde. Nun hoffe man, dass man die Zertifizierung nur auf die Viehsperren begrenzen könne, so Heikens. Solange das nicht endgültig entschieden sei, „macht es keinen Sinn, nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen, mal ganz davon abgesehen, dass ich diese derzeit nicht sehe.“

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