Energieversorgung in der Region EWE alarmiert – Gaspreise könnten von Woche zu Woche steigen
Nach der Verringerung der Gaslieferungen durch Russland hat die Bundesregierung die Alarmstufe ausgerufen. Das betrifft auch die Ostfriesen – nur eine Stadt hat Glück.
Ostfriesland/Oldenburg - EWE-Chef Stefan Dohler hat die Gas-Kunden der Region am Donnerstag auf weiter drastisch steigende Preise vorbereitet. Das betrifft allein in Ostfriesland Tausende Haushalte, die bereits zum April (durchschnittlich 40 Prozent mehr) und zum Juli (plus 30 Prozent) tiefer in die Tasche greifen mussten. Hintergrund sind die gedrosselten Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1, die Russlands Präsident Wladimir Putin im Krieg als Druckmittel gegen Deutschland einsetzt.
Es gilt mittlerweile als möglich, dass die EWE die Gaspreise nicht mehr nur von Quartal zu Quartal erhöht, sondern sogar von Woche zu Woche. „Absehbar ist, dass sich Energiekunden in ganz Deutschland auf weiter steigende Preise einstellen müssen, insbesondere, wenn die kurzfristigen Preisanpassungsmechanismen in den nächsten Wochen tatsächlich zur Anwendung kommen sollten“, sagte Dohler am Donnerstag in einem Pressegespräch.
Dreistufiger Eskalationsplan
Was der EWE-Chef meint: Die Bundesregierung hatte am Donnerstagmorgen die sogenannte Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Das ist der zweite Schritt eines dreistufigen Eskalationsplans. Laut dem Plan liegt bei der Alarmstufe eine Störung der Gasversorgung oder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage vor, die zu einer erheblichen Verschlechterung der Versorgungslage führt. Der Markt ist aber noch in der Lage, diese Störung oder Nachfrage zu bewältigen.
Teil der jetzt ausgerufenen Alarmstufe ist auch der §24 des Energiesicherungsgesetzes. Würde diese Regelung aktiviert, könnten die Versorger ihre Mehrkosten innerhalb einer Woche an ihre Kunden weitergeben. Alte Verträge wären damit hinfällig, auch bei einer Preisgarantie. Robert Habecks (Grüne) Wirtschaftsministerium hat bislang aber darauf verzichtet, diesen Mechanismus einzusetzen.
Noch muss niemand kalt duschen
Ohnehin ist laut EWE die Versorgungslage im Nordwesten noch gesichert. Kein Unternehmen muss die Produktion drosseln, kein Verbraucher kalt duschen. Ob das so bleibt, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab. „Der Füllstand aller Erdgasspeicher in Deutschland beträgt aktuell durchschnittlich 58,7 Prozent“, sagte Dohler. Es käme zurzeit auch mehr Gas an, als verbraucht werde. Dohler: „Die von EWE betriebenen Gasspeicher sind im Vergleich dazu sogar mit 73 Prozent gefüllt.“ Im Falle einer akuten Gasmangellage würden Erdgasmengen jedoch innerhalb Deutschlands verteilt, so dass der vergleichsweise hohe Füllstand der EWE-Speicher keine Entwarnung für die EWE-Versorgungsgebiete im Nordwesten bedeute. „Es kann also gut sein, dass wir im Falle eines Falles Erdgas von Jemgum nach Baden-Württemberg liefern müssen“, so Dohler.
Die drohenden wöchentlichen Preiserhöhungen erklärte die EWE folgendermaßen: Wenn nicht genügend Gas aus Russland komme, müssten große Importeure, bei denen auch die EWE einkaufe, ihr Gas woanders besorgen – natürlich zu höheren Preisen. Sollten diese Großimporteure nicht in der Lage sein, die Preissteigerung rasch an Kunden wie die EWE weiterzugeben, seien sie in ihrer Existenz gefährdet. Man darf also davon ausgehen, dass das Bundeswirtschaftsministerium dies verhindern wird.
Emder haben Glück – noch
Hinzu kommt noch ein anderes Problem. Laut Dohler wird Nord Stream 1 vom 11. bis 21. Juli gewartet. In dieser Zeit dürfte gar kein russisches Gas über die Leitung kommen. Dohler: „Wenn es danach nicht besser wird, wird es hier kritisch.“
Glück hat zurzeit, wer in Emden wohnt. Die Gas-Kunden der Stadtwerke Emden müssen für dieses Jahr nicht mehr mit einer Preiserhöhung rechnen, wie ein Sprecher versicherte. Grund dafür sei, dass die Stadtwerke immer zwei Jahre im Voraus einkauften. Für nächstes Jahr dürfte es dann aber auch in Emden zu drastischen „Anpassungen“ kommen.