Berlin  Saison geht zu Ende: Grünen-Abgeordnete will Spargel-Anbau begrenzen

Torben Kessen
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Von Torben Kessen
| 23.06.2022 14:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In diesem Jahr mussten die Spargelbauern in Deutschland Umsatzeinbußen hinnehmen. Foto: imago images/ITAR-TASS
In diesem Jahr mussten die Spargelbauern in Deutschland Umsatzeinbußen hinnehmen. Foto: imago images/ITAR-TASS
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Die Bauern ziehen ihr Fazit zur diesjährigen Spargelernte. Demnach gab es deutlich geringere Umsätze als im vergangenen Jahr. Unterdessen möchte die Europaabgeordnete Jutta Paulus die Anbauflächen für Spargel begrenzen.

Traditionell geht mit dem Johannistag (24. Juni) die Spargel-Saison zu Ende. Geht es nach der Europaabgeordneten Jutta Paulus (Grüne), soll es im nächsten Jahr zumindest weniger Spargel geben als bisher. Sie fordert, ab sofort die Anbauflächen für das Luxusgemüse zu begrenzen.

Hintergrund des Vorstoßes ist, dass wegen des russischen Angriffkrieges auf die Ukraine die dortige Agrarproduktion stark eingeschränkt ist. Die Ukraine ist beispielsweise ein großer Produzent von Weizen, der derzeit aufgrund des Krieges nicht in die Welt exportiert werden kann.

Paulus regt an, deshalb auf deutschen Flächen anderes Gemüse als Spargel anzubauen: „Man könnte auf diesen Böden auch wunderbar Nahrungsmittel anbauen, die vielleicht einer größeren Schicht der Bevölkerung zur Verfügung stehen“, sagte die Europaabgeordnete laut dem „Focus“ kürzlich in einer Videokonferenz.

Dass die weißen Stangen ein beliebtes Gemüse für die Deutschen ist, zeigt ein Blick auf die Daten des Bundeszentrums für Ernährung: 18 Prozent der Freilandanbau-Fläche für Gemüse sind für die weißen Stangen reserviert. Spargel benötigt nach der Vorbereitung eines geeigneten Standortes in der Regel drei Jahre, um eine volle Ernte abzuwerfen.

Grafik: Spargelland Deutschland

Wenn man der Einschätzung des Agrarexperten Martin Häusling (Grüne) folgt, darf die Sinnhaftigkeit einer Begrenzung von Spargel-Anbauflächen hierzulande zumindest bezweifelt werden. „Wir müssen nicht fürchten, dass wir nichts zu essen bekommen“, sagt der Europaabgeordnete über die Versorgungslage in Deutschland.

Nicht wegen der Versorgungslage, sondern wegen der sinkenden Nachfrage ist auch bei den deutschen Spargelbauern selbst eine Verknappung der Anbauflächen im Gespräch. Ob das tatsächlich passiert, bleibt laut der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein abzuwarten. „Wahrscheinlich werden Altanlagen, die schon lange genutzt wurden jetzt eher umgebrochen zu Gunsten anderer Kulturen“, heißt es in einer Mitteilung. Mit einer deutlich reduzierten Anbaufläche im Norden werde nicht gerechnet.

Die Spargelbauern in Schleswig-Holstein verzeichnen zum Ende der Spargelsaison deutlich weniger Umsatz gegenüber den beiden guten Vorjahren. Dies teilte die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein am Mittwoch mit. Trotz des frühen Saisonstarts, der guten Spargelqualitäten und einer stabilen Anbaufläche werde von Umsatzeinbußen von rund 15 bis 20 Prozent berichtet.

Insbesondere die verstärkten günstigen Angebote des Einzelhandels mit ausländischem Spargel hätten die Lage der hiesigen Erzeuger erschwert. „Die extremen Billigangebote der Supermärkte und der nicht mehr so locker sitzende Geldbeutel vieler Konsumenten, haben dazu geführt, dass diesmal Verbraucher auch entgegen den Erfahrungen der Vorjahre auf diese Produkte zurückgegriffen haben“, berichtet die Kammer.

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