Vorfall in Steenfelde Mäher tötet Rehe, Hasen und Igel
Die Jagdpächter sind erschüttert, als sie entdecken, wie viele Tiere getötet wurden. Die Gemeinde Westoverledingen weist die Vorwürfe von sich.
Steenfelde - So etwas hat Toni Boyken in seinen rund fünf Jahrzehnten als Jäger noch nicht erlebt. Auf der Streuobstwiese hinter der Kinderkrippe Steenfelde wurde am Freitag gemäht. Doch der Mäher kürzte nicht nur das Gras, sondern tötete wahrscheinlich auch zwei Rehkitze und andere Wildtiere wie Igel und Hasen. „Ich verstehe nicht, warum man in der Brut- und Setzzeit hier mähen muss“, sagt er und zeigt auf die Wiese, auf der das abgemähte Gras liegt.
Toni Boyken und Jagdkollege Enno Coners waren von Anwohnern kontaktiert worden. Ihnen bot sich ein trauriges Bild. Auf seinem Mobiltelefon zeigt Boyken die Bilder, die er gemacht hat. Zu sehen sind teils blutige Überreste von Igeln, Hasen und zwei Kitzen. „Unter dem Zaun zur Kita lagen noch die Läufe des einen Kitzes“, sagt Coners. Die hätten sie lieber weggeräumt, damit die Kinder sie nicht beim Spielen finden. Trotzdem: Wer genau hinschaut, findet noch Fellreste auf der Wiese. Die Ricke, also die Mutter der Rehkitze, würden sie derzeit im Umkreis der Wiese oft sehen. „Sie sucht nach den Kitzen“, so Coners.
Gemeinde bedauert Tod einer Igelfamilie
Die Jäger ärgern sich, dass niemand ihnen vor den Arbeiten Bescheid gesagt hat. „Wir hätten die Wiese im Vorfeld abgesucht“, sagt Boyken. Denn das Problem bei Rehkitzen ist: Sie fliehen nicht. „Wenn Gefahr kommt, dann drücken sie sich immer tiefer ins Gras hinein“, erläutert Coners. Auf Mähmaschinen sind sie kaum sichtbar. Werden die Tiere doch entdeckt, ist es meist zu spät. Deshalb suchen Landwirte, Jäger und private Initiativen normalerweise vor dem Mähen Wiesen, in denen sich Wild befinden könnte, ab. Werden Tiere gefunden, werden diese gesichert und nach dem Mähen wieder freigelassen.
Vonseiten der Gemeinde Westoverledingen teilte Pressesprecherin Kirsten Beening auf Anfrage mit, dass bei einer Fläche wie der Streuobstwiese eine Absprache mit der Jägerschaft nicht erforderlich sei. „Der Mitarbeiter des Bauhofes ist die Fläche vorab, wie inzwischen üblich, abgelaufen. Leider wurden nicht alle Tiere gesehen beziehungsweise aufgeschreckt, sodass beim Mähvorgang bedauerlicherweise die sich im tiefen Gras befindliche Igelfamilie getötet wurde.“ Das tue Bürgermeister Theo Douwes leid. Leider könne der Vorfall nicht rückgängig gemacht werden. „Die Gemeinde verwehrt sich allerdings dagegen, dass das dargestellte Rehkitz lebend in den Mulcher geraten wäre. Das Tier, und das dürften auch die Fotos belegen, lag offensichtlich schon länger verendet in einer Mulde, sodass es bei Ablaufen der Fläche weder gesehen wurde noch hochgeschreckt ist“, so Beening.
Terminierung war nicht abgesprochen
Am meisten ärgert Boyken und Coners, dass die Wiese aus ihrer Sicht nicht hätte gemäht werden müssen. Die Wiese sei gemulcht worden, das heißt, dass das abgemähte Gras liegengeblieben ist. Das macht aus ihrer Sicht den Zeitpunkt des Mähens noch unnötiger. „Hätte man nicht bis zum Ende der Brut- und Setzzeit am 15. Juli warten können?“, fragt Boyken. Laut Gemeindesprecherin Beening werde die Wiese ein- bis zweimal im Jahr gemulcht. „Dies sollte eigentlich immer außerhalb der Brut- und Setzzeit passieren“, teilt sie auf Anfrage mit. Ein Rathausmitarbeiter hätte in der vergangenen Woche einen entsprechenden Auftrag an den Bauhof gegeben. „Ein Fehler war, dass es dann wohl keine Kommunikation mehr bezüglich der konkreten Terminierung gab und die Streuobstwiese dann relativ zeitnah bearbeitet wurde“, so Beening. Für zukünftige Mähaktionen könne sie sich vorstellen, dass die Jägerschaft unmittelbar einbezogen wird.
Wie Polizeisprecherin Frauke Bruhns auf Anfrage mitteilte, wurde der Polizei der Vorfall gemeldet. Ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wurde eingeleitet.