Eklat auf der Documenta In Kassel regiert nun der Verdacht
Jetzt hat die Documenta ihn doch – ihren Skandal um antisemitische Bilder. Aber wie soll es weitergehen mit einem Kunstformat unter Generalverdacht? Diese Documenta braucht einen Neustart.
Schon wenige Tage nach der Eröffnung der Documenta 15 ist klar, dass sie mit dem hässlichsten aller Begriffe verbunden bleiben wird: Antisemitismus. Dieses Wort wird an dieser Ausgabe, an denen, die sie verantworten, kleben bleiben, ob sie es wollen oder nicht. Das ist schon jetzt ein Desaster für dieses Kulturformat, das seit seiner Gründung 1955 für ein weltoffenes und pluralistisches Deutschland steht.
Seit die antisemitischen Bildklischees entdeckt wurden, regiert auf dieser Documenta der Verdacht, nicht die Offenheit. Die Werke werden ängstlich abgesucht werden nach Anzeichen versteckter Aggression, die letztlich allen Menschen gilt. Den Schaden trägt jetzt nicht nur die Documenta, den Schaden tragen gerade die vielen anderen Künstlerinnen und Künstler, die mit Werken nach Kassel gekommen sind. Diese Documenta sollte den Blick öffnen, für den globalen Süden, für neue Formen der Kooperation. Grundlage für all das aber ist Vertrauen. Stattdessen gibt es Bilder voll plumper Rassismen, überhaupt viel Propagandakram, der ohne Umstände seinen Weg in die Documenta gefunden hat.
Es rächt sich nun, dass die Documenta-Leitung das Thema Antisemitismus kleingeredet hat, statt es anzugehen. Wie geht es jetzt weiter? Mit Rücktritten, mit gründlicher Selbstprüfung? Bloße Verhüllungskosmetik reicht nicht aus, um Vertrauen zurückzugewinnen.