Osnabrück Metaller wollen sieben bis acht Prozent mehr Geld: Ist das überzogen?
Die Inflation zehrt an den Einkommen, weshalb die IG Metall mit einer wuchtig erscheinenden Forderung in die Tarifrunde im Herbst gehen will. Ist die Forderung überzogen?
Sieben bis acht Prozent mehr Geld? Da wird mancher denken: Hätte ich auch gerne! Längst nicht in jeder Branche sind solche Forderungen auch nur denkbar: Wohl aber in der Metall- und Elektroindustrie, in der viele Unternehmen allen Krisen zum Trotz hohe Gewinne machen und wo es um die erste tabellenwirksame (also dauerhafte) Erhöhung der Tarife seit 2018 geht. Solange haben die Beschäftigten in Deutschlands Schlüsselbranche mehr oder weniger stillgehalten.
Jetzt, da die Inflation auf gut acht Prozent gestiegen ist, merken aber selbst die gut bezahlten Industriebeschäftigten, wie die Teuerung an ihren Einkommen zehrt. Träte die Gewerkschaft allzu zögerlich auf - die Mitglieder würden es zu recht nicht verstehen. Sie erwarten, dass der Verlust an Wohlstand wenigstens begrenzt wird.
Ein völliger Inflationsausgleich ist sowieso nicht absehbar. Selbst wenn die IG Metall acht Prozent durchsetzen könnte, muss man das Ergebnis immer noch auf zwei Jahren verteilen. Denn es geht um Nachbesserungen für das nicht ausverhandelte und für die Arbeitnehmer eher enttäuschende Jahr 2022 und um die Tarife im kommenden Jahr.
Auch klaffen zwischen Forderungen und Abschlüssen stets große Lücken. So hat die IG Metall unlängst für die Stahlindustrie 8,2 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten gefordert. Herausgekommen sind ordentliche 6,5 Prozent. Aber die Gewerkschaft musste den Arbeitgebern eine Laufzeit von 18 Monaten zugestehen..
Unterm Strich sind in der Metall- und Elektroindustrie mithin deutliche, aber keine überragenden Abschlüsse wahrscheinlich. Aus Sicht der Beschäftigten bleibt deshalb wichtig, dass die Politik weitere Entlastungspakete schnürt. Und aus Sicht der Arbeitgeber ist von Bedeutung, dass die Gewerkschaften sich anpassungsfähig zeigen, wenn die Krisen sich verschärfen sollten. Bisher haben sie sich darauf verlassen können. Dass sich das ändert, ist nicht zu erkennen.
Wichtig auch: Eine Lohn-Preis-Spirale ist unverändert nicht zu befürchten. Der größte Inflationsdruck geht nach wie vor von den Eruptionen bei den Energiepreisen infolge von Ukraine-Krieg und Spekulation aus. Auch sind viele Lieferketten immer noch schwach, was die Produktion bremst und die Preise treibt.