Münster  Münsteraner Bischof geht Reformen an: mutig und offensiv!

Stefanie Witte
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Von Stefanie Witte
| 17.06.2022 16:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bischof Genn spricht in Münster zur Studie sexuellen Missbrauchs im Bistum Osnabrück. Foto: Guido Kirchner/dpa
Bischof Genn spricht in Münster zur Studie sexuellen Missbrauchs im Bistum Osnabrück. Foto: Guido Kirchner/dpa
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Der Münsteraner Bischof Felix Genn reagiert auf das Gutachten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in seinem Bistum. Seine weiteren Pläne lassen aufhorchen.

Wieder ein Bischof, der Schuld einräumt, aber nicht zurücktritt? Mit diesem Urteil wird man der Reaktion des Münsteraner Bischofs nicht gerecht, denn Felix Genn hat Schritte angekündigt, an denen sich andere Bistümer ein Beispiel nehmen sollten.

So will er sich schriftlich verpflichten, Macht zu teilen, indem er sich an die Entscheidungen von Gremien bindet. Er will eine kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit schaffen, notfalls erstmal nur für sein Bistum, wenn es nicht zeitnah auf Bundesebene klappt. Wichtig wären aber auch Strafgerichte, damit kriminelle Priester nicht erst über den Vatikan verurteilt werden müssen, was lange dauert und der Situation vor Ort selten gerecht wird. Aber Genn geht immerhin einen ersten, wichtigen Schritt.

Auch seine Entscheidung zur Personalkonferenz hat es in sich. Der Bischof benennt die männerbündischen Strukturen in diesem wichtigen Gremium. Genn will sie aufbrechen, für Transparenz sorgen und explizit Frauen hinzuziehen. Ein Fallmanager für übergriffige Priester soll künftig sicherstellen, dass Auflagen eingehalten werden. In der Zukunft will Genn weiterhin scharfe Kritiker und Betroffene einbeziehen.

Diese Pläne wirken mutig und durchdacht. Bei gleichzeitiger Demut gegenüber den Opfern schafft es der Münsteraner Bischof, aus der Defensive in offensives Handeln und zu überzeugenden Reformen zu kommen. Genn setzt damit Maßstäbe innerhalb der deutschen Bischofskonferenz.

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