Hamburg/Berlin  Gemeinsames Konto als Paar: Selbstverständlich oder das Ende der Freiheit?

Julia Wadle
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Von Julia Wadle
| 17.06.2022 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein gemeinsames Konto verbindet – wollt ihr das? Foto: Unsplash/Pablo Heimplatz (Symbolbild)
Ein gemeinsames Konto verbindet – wollt ihr das? Foto: Unsplash/Pablo Heimplatz (Symbolbild)
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Gemeinsam essen, schlafen, leben – und zahlen? Wie Paare Streit um Finanzen vermeiden, ob ein gemeinsames Konto für Euch funktionieren könnte und warum Vertrauen alleine nichts wert ist.

In diesem Artikel erfährst Du:

Am Anfang, als alles rosarot war, hat es Dich gar nicht gestört, dass immer Du derjenige warst, der in der Bar die nächste Runde für Euch geholt habt. Oder den Einkauf bezahlt hat. Oder zum anderen gependelt bist. Ohne Murren hast Du für Deinen Partner den teureren Markenkäse gekauft, obwohl Du den günstigen genauso gerne magst. Doch jetzt stört es Dich: Du fühlst Dich finanziell ausgenutzt – oder bist genervt von der Knausrigkeit Deines Lieblingsmenschen. Wie verhindert man Finanzfrust als Paar?

Das wissen Anja Ciechowski und Anika Görner. Die beiden Journalistinnen arbeiten bei „Finanztip“, einem von einer gemeinnützigen Stiftung getragenen und dadurch unabhängigen Finanzportal. In ihrem Podcast „Auf Geldreise – der Finanztip-Podcast für Frauen“ klären sie darüber auf, wie Frauen finanziell unabhängig werden und bleiben.

Während der ersten Monate des Datings ist es wichtig, dass sich keine Routinen einschleichen, dass einer immer zahlt. Sonst könne es leicht passieren, dass einer nach ein paar Monaten merkt, dass er oder sie den Großteil der Finanzen stemmt und angefressen sei, das aber so lange in sich reinfrisst, bis es zum Streit kommt. „Nur wenn man sich über Finanzen austauscht, kann man Konflikte vermeiden und auf lange Sicht gemeinsame Lösungen finden“, erklärt Anika Gröner.

Einen Königsweg, wie man seinen Finanzen regelt, gibt es nicht.

Wie ist das bei Euch?

Wer keine Lust auf ein Haushaltsbuch oder eine Exceltabelle für die Ausgaben hat, kann auch mit einem digitalen Haushaltsbuch per App seine Finanzen regeln. Zu den bekanntesten zählen die Apps „Splitwise“ oder „Spid“, bei denen Du mit Deinem Partner oder Deiner WG Ausgaben managen kannst.

Wir würden gerne von Euch wissen: Wie findet Ihr eigentlich #neo? Die Umfrage ist ganz, ganz kurz, versprochen! Wenn Ihr mitmacht, helft Ihr uns aber sehr.

Ein gemeinsames Konto empfehlen die Expertinnen erst, wenn man zusammenzieht und gemeinsame Ausgaben wie Miete, Strom und Internet hat. „Es vereinfacht einfach vieles, man spart sich Diskussionen, wer was zahlt und muss die Beiträge nicht mehr untereinander ausgleichen, was ja durchaus mit Arbeit verbunden ist, wenn man das oldschool mit einem Haushaltsbuch macht und am Monatsende abrechnet“, meint Anja Ciechowski.

Doch was bedeutet das überhaupt: Gemeinschaftskonto? Ein Konto für alles? Das kann funktionieren – ist aber mit großen Risiken und Konfliktpotential verbunden. Ein Gemeinschaftskonto, bei dem beide alle Einkünfte auf ein Konto einzahlen, könne zwar prinzipiell funktionieren, so Anja Ciechowski. Aber:

Auch steuerlich kann ein Alles-auf-ein-Konto-Modell zu Problemen führen: Überweist einer der beiden Partner deutlich mehr Geld auf ein Gemeinschaftskonto, könnte das als Schenkung angesehen werden.

Die beiden „Finanztip“-Expertinnen empfehlen deswegen das Drei-Konten-Modell. Davon gibt es verschiedene Varianten:

Mehr zu dem Thema erfährst Du in diesem Instagram-Post des Podcasts:

Wie denkst Du darüber?

Doch gerade wenn einer von beiden sehr viel mehr verdient, stellt sich die Frage, was Gerechtigkeit bedeutet – eine Frage, die jedes Paar nur für sich beantworten kann.

Nur wer die finanzielle Situation des Anderes kennt und darauf Rücksicht nimmt, kann finanziell als Paar glücklich werden – ob mit oder ohne ein gemeinsames Konto.

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