Jugendarbeit  Streetworker geht dort hin, wo die Jugendlichen sind

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 16.06.2022 17:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wollen gemeinsam die Jugendarbeit in Weener „rocken“: Jugendpfleger Kim Kanschat und Angelika Janßen-Harms, die bei der Stadt unter anderem auch für Kinder und Jugendliche zuständig ist. Foto: Gettkowski
Wollen gemeinsam die Jugendarbeit in Weener „rocken“: Jugendpfleger Kim Kanschat und Angelika Janßen-Harms, die bei der Stadt unter anderem auch für Kinder und Jugendliche zuständig ist. Foto: Gettkowski
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Kim Kanschat ist neuer Jugendpfleger in Weener. Der 50-Jährige glaubt, dass man mit klassischen Angeboten Jugendliche nicht mehr locken kann. Er will daher neue Wege in der Jugendarbeit beschreiten.

Weener - 1,90 Meter, breite Schultern, roter Vollbart und ein strahlendes Lächeln: Mit seiner markanten Erscheinung ist Kim Kanschat der Inbegriff eines „coolen Typen“. Wirkungskreis des 50-Jährigen ist seit Beginn des Monats das Jugendzentrum Wasserturm (JUZ). Kanschat ist neuer Jugendpfleger der Stadt Weener. Mit klassischen Angeboten wie Bastelnachmittagen und Pizzabacken braucht man Jugendlichen nach seinen Worten heute nicht mehr zu kommen. Er will daher neue Wege in der Jugendarbeit beschreiten.

Was und warum

Darum geht es: In der Stadt Weener will man neue Wege in der Jugendarbeit gehen. Der neue Jugendpfleger möchte verstärkt als Streetworker arbeiten und dort aktiv werden, wo die Jugendlichen sind.

Vor allem interessant für: Weeneraner und alle, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben.

Deshalb berichten wir: Seit Anfang des Monats hat das JUZ Wasserturm wieder einen Jugendsozialarbeiter: Kim Kanschat.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Der Sozialarbeiter setzt dabei auf das gute Netzwerk in Weener und auf seine Lebens- und Berufserfahrung. „Mein Leben ist sehr bunt. Ich komme aus einer Multikulti-Familie“, sagt er. Sein Vater stammt aus Danzig, seine Mutter ist Norwegerin. „Ich bin zwar in Papenburg geboren, aber in Oslo getauft.“ Dass er sich gerne mit einem Wikinger vergleicht, kommt also nicht ganz von ungefähr. Musikalisch ist Kanschat auch. Er habe 30 Jahre lang im Blasorchester gespielt und einst sogar seine Diplomarbeit über das „Blasmusikwesen“ geschrieben. Heute steht er als Bassist der Cover-Band „Happy Tones“ auf der Bühne, wenn er nicht gerade mit seiner Spürhündin für die Landesmeisterschaft trainiert. Kanschat, der verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter ist, ist eben vielseitig.

„Mein Leben ist sehr bunt“

„Eigentlich wollte ich mal zur Polizei, wurde aber wegen Probleme mit dem Rücken abgelehnt.“ Kim Kanschat studierte daher soziale Arbeit. Mehr als 20 Jahre arbeitete er bei der Johannesburg in Papenburg in der Kinder- und Jugendhilfe, war als Traumaberater tätig. Zuletzt arbeitete er bei der Caritas-Werkstatt für psychisch Kranke. „Ich freue mich, dass ich nach dieser erzieherischen Arbeit hier kreativer und flexibler sein kann.“ Kümmern will er sich schwerpunktmäßig um auffällige Kinder und Jugendliche.

Einen Backofen gibt es zwar im JUZ Wasserturm, aber Kim Kanschat, dass hier noch klassische Angebote wie gemeinsames Pizzabacken gefragt sind. Foto: Gettkowski
Einen Backofen gibt es zwar im JUZ Wasserturm, aber Kim Kanschat, dass hier noch klassische Angebote wie gemeinsames Pizzabacken gefragt sind. Foto: Gettkowski

„Im Stadtgebiet gibt es 1800 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren“, erzählt Weeners Bürgermeister Heiko Abbas. Der Großteil komme aus intakten Familien. „Es gibt aber auch nicht wenige, die auffällig werden und kein soziales Netz haben, nicht integriert sind und auch nicht durch Angebote von Schulen, Vereinen oder Kirchengemeinden aufgefangen werden.“ Kanschat ist überzeugt, dass er mit seiner Persönlichkeit und Authentizität auch in schwierigen Situationen auf Problemfälle einwirken kann. „Das kenne ich durch meine Arbeit im Heimbereich.“

Wollen das JUZ Wasserturm zu einem offenen Treffpunkt nicht nur für Jugendliche entwickeln: Angelika Janßen-Harms, Kim Kanschat und Bürgermeister Heiko Abbas. Foto: Gettkowski
Wollen das JUZ Wasserturm zu einem offenen Treffpunkt nicht nur für Jugendliche entwickeln: Angelika Janßen-Harms, Kim Kanschat und Bürgermeister Heiko Abbas. Foto: Gettkowski

In den nächsten Tagen will sich Kanschat zunächst an den Schulen bekannt machen. Ab Montag, 4. Juli, öffnet das Jugendzentrum Wasserturm wieder montags bis mittwochs sowie freitags von 14 bis 20 Uhr. Ein Wochentag ist für bedarfsorientierte Brennpunktarbeit vorgesehen – auch bekannt als Streetwork. Feste Angebote im JUZ gibt es noch nicht. „Das muss sich am Bedarf entwickeln“, sagt er, „wenn es gelingt, Jugendliche zu aktivieren, hat das für sie einen positiven Effekt.“ Das JUZ soll sich nach seiner Vorstellung zu einem offenen Treffpunkt entwickeln, an dem sich Jung und Alt begegnen und idealerweise gegenseitig unterstützen. Das Senioren-Internetcafé trifft sich dort regelmäßig und auch der Damenstammtisch 50plus wird dort zusammenkommen, sobald das JUZ wieder regelmäßig geöffnet hat. „Wenn Jugendliche den Senioren einige Kniffe zeigen könnten, würden davon beide Seiten profitieren.“

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