Meister-Jubiläum  Theodor Busboom beherrscht noch alte Techniken

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 16.06.2022 16:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Malermeister Theodor Busboom demonstriert die Anwendung von Musterrollen. Fotos: Scherzer
Malermeister Theodor Busboom demonstriert die Anwendung von Musterrollen. Fotos: Scherzer
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In seiner Lehre lernte der Holter noch, Maserungen mit dem Pinsel aufzutragen. Sogar Leckbier wurde gebraucht. Was das ist, erfährt man hier.

Holte - In Theodor Busbooms Haus in Holte hängen sie im Flur bei der Eingangstür hinter Glas: Gesellenbrief, Meisterbrief, Ehrenurkunde, Ehrenmeisterbrief und Anerkennung guter Leistungen. Das älteste Schriftstück, der Gesellenbrief, ist aus dem Jahr 1956, das jüngste, die Anerkennung der Malerarbeit, ist von 1986: Sie sind bedeutende Marksteine im Leben des Malermeisters. Anfang Juni feierte er Jubiläum: Vor 60 Jahren machte Theodor Busboom seinen Meister. Er blickt zurück auf eine Zeit, in der Farbtöne von Hand gemischt, Holzmaserungen per Pinsel aufgetragen und Lehrlinge für Leckbier zu Gaststätten geschickt wurden. Als Leckbier wird das Übergeschäumte beim gezapften Bier bezeichnet, das in einer mit einer Gitterplatte abgedeckten Wanne unter dem Zapfhahn aufgefangen wird.

Diese Wandmalerei mit Schablonentechnik hat Theodor Busboom angefertigt.
Diese Wandmalerei mit Schablonentechnik hat Theodor Busboom angefertigt.

Denn das Leckbier wurde gebraucht: „Auf die Tür kam Grundierung drauf. Dann die Lasur aus Trockenfarbe und Wasser, danach das Bindemittel mit Essig oder Leckbier, anschließend kam das Dörenklören. Dabei wurde die Maserung mit einem Pinsel aufgetragen wie Eiche oder Kiefer oder was der Kunde wollte. Zum Schluss kam Lack drauf“, zählt der Malermeister die Schritte auf.

Ausbildung mit 14 Jahren

Mit 14 Jahren ging Busboom beim Malermeister Janssen in Collinghorst für drei Jahre in die Lehre. Der Malerberuf sei damals interessanter gewesen. Es gab viel zu tun: Wände, Holzdecken, Fußböden, Fenster und Innentüren zu streichen, war die Aufgabe des Malers. Das sei noch echte Kunst gewesen, meint Busboom. Er eignete sich das Wissen dafür an. „Ich habe noch viele alte Techniken gelernt, Farben gemischt und mit Schablonen gearbeitet. Die ersten Tapeten waren aus dünnem Papier, da mussten noch die Ränder abgeschnitten werden“, erinnert er sich. Der Rentner bewahrt viele Arbeitsmaterialien von damals auf. Eine Schelle und das Messer zum Abtrennen von Tapetenrändern, Spezialpinsel mit Pferde- und Dachshaar, Motivrollen zum Verzieren der Wände, Schablonen zum Auftragen von Blumen, Ornamenten oder ganzer Naturlandschaften inklusive rastender Rehe.

Der Malermeister hat noch altes Handwerkszeug.
Der Malermeister hat noch altes Handwerkszeug.

Verzierungen mit alten Malertechniken sind neben modernen Tapeten in seinem Haus zu finden. Rote Blüten, aufgetragen mit Motivrolle, flächige Farbmuster per Wickeltechnik und eine aus mehreren Schablonen gemalte Naturlandschaft. Die alten Techniken zum Malen von Maserungen interessierten ihn. In der Lehrzeit sei vieles davon weggefallen, so Busboom.

2,30 DM – doppelt so viel wie üblich

Bis zu seiner Gesellenprüfung 1956 arbeitete er zwei Jahre lang auf Juist. „Als Junggeselle bekam ich 2,30 DM Stundenlohn. Das war mehr als doppelt so viel, wie üblich. Es war eine schöne Zeit. Wir haben viel in Hotels und Privatwohnungen gearbeitet,“ berichtet der Jubilar.

Zwei Jahre besuchte Busboom die Meisterschule fürs Malerhandwerk in Leer. 1962 bestand er bei der Auricher Handwerkskammer die Meisterprüfung und machte sich ein Jahr später selbstständig. Er bildete zahlreiche Lehrlinge aus. Auch sein Sohn ging bei ihm in die Lehre. Die Auftragslage sei gut gewesen. „Arbeit hatten wir von Anfang an genug. Viel in Privathäusern, aber auch Großprojekte in Schulen und Krankenhäusern. Es lief immer gut.“ Nachdem sein Sohn Uwe Busboom die Meisterprüfung absolvierte, übergab er ihm und seiner Schwiegertochter im Jahr 2000 den Malerbetrieb. Seitdem genießt der Senior seinen Ruhestand und verbringt viel Zeit in seinem Garten. „Hier baue ich alte Gemüse- und Obstsorten an. Und Kartoffeln, Zuckererbsen und Bohnen. Das macht mir Spaß.“

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