Sylt „Rüsten Sie das Ordnungsamt auf!“: Was Sylt gegen die Punks tun will
Sinkende Umsätze, ängstliche Touristen und jede Menge Dreck: Die Punks auf Sylt entwickeln sich immer mehr zum Problem. Im Hauptausschuss wurden nun mit Anliegern Lösungen diskutiert. Es wurde deutlich: Etwas muss passieren, aber niemand weiß so richtig, was.
Die Punks in Westerland sind und bleiben ein zentrales Thema auf Sylt. Dies wurde auch in der Sitzung des Hauptausschusses am Dienstagabend, 14. Juni, deutlich.
Bürgermeister Nikolas Häckel machte gleich zu Beginn deutlich: „Wir haben es mit einer großen Herausforderung im Bereich der Fußgängerzone und an den Stränden zu tun.“ Gleichzeitig könne nicht viel getan werden: „Wir haben wenig Rechte, die wir umsetzen können, unsere Möglichkeiten sind beschränkt.“ So sei ein Alkoholverbot rechtlich nicht zulässig, auch der Aufenthalt im öffentlichen Raum könne nicht verboten werden und das Schlafen in den Hauseingängen könne nur von den Eigentümern der Gebäude gemeldet werden.
Mögliche Optionen gegen die Dauergäste im Stadtbild seien bereits in einer Arbeitsgruppe gesammelt worden: Diese reichen vom Ablassen des Wassers im Wilhelminenbrunnen über mobile Toiletten, zusätzliche Mülleimer bis zum Einsatz der Bauhofmitarbeitenden, welche die Wilhelmine regelmäßig mit Wasser reinigen könnten, um so die Punks zur Bewegung zu bringen. „Mir ist es wichtig, heute Ihre Meinung mitzunehmen“, übergab Häckel das Wort an die rund 15 Sitzungsgäste.
Dass sich auch der Strand als Problemfeld erweist, machte Peter Douven vom Insel Sylt Tourismus-Service deutlich: „Jeder, der runter zum Strand geht, kann ein, positiv dargestellt, buntes Bild sehen. Ich kann es nicht mehr als positiv sehen. Wir haben täglich sehr viel zu tun, alles wieder so herzurichten, wie es war. Dazu kommen negative Rückmeldungen der Stammgäste.“ Weiter könne der ISTS zwar am Strand von seinem Hausrecht Gebrauch machen, jedoch nur theoretisch: Hinweise des Personals an Wildcamper oder Gruppen mit lauter Musik, würden häufig ignoriert und teilweise würde mit Prügel gedroht. Douven appellierte im Hinblick auf den Rest des Sommers.
Eindringlich, emotional und mit klarer Wortwahl schilderten anschließend ansässige Gewerbebetreibende an der Wilhelmine ihre Lage. Der Tenor: Sie alle sind massiv betroffen, wissen nicht weiter und fordern die Gemeinde, aktiv zu werden, durch mehr Verbote und Sicherheitspersonal. So stellte Micky Schreiber, Betreiber des Croque-Ladens Cropino, in den Raum: „Was sollen die [zwei Polizeibeamte] auch gegen die Meute machen, die da am vergangenen Wochenende am Brunnen sitzt, pisst, kotzt und die Leute anpöbelt?“
Verena Liedelt, Inhaberin der Buchhandlung an der Wilhelmine, sagte: „Ich denke, es wird dringend Verstärkung benötigt. Polizei und Ordnungsamt müssen Präsenz zeigen und gemeldeten Delikten nachkommen.“ Zudem merkt sie an: „Alle Übernachtungsgäste müssen eine Kurtaxe bezahlen. Personen, die hier wild campieren, müssten das doch eigentlich auch.“ Weiter könnten doch auch die Anlieger ihren Tisch und Stuhlbereich ausweiten, um deutlich zu machen, dass die Wilhelmine ein Ort zum Essen und Ausruhen sei.
Peter Biallas vom anliegenden Edeka-Laden sagte resignierend: „Die besetzen den Platz und werden nicht gehen. Wir haben jetzt zwei Wochen 9-Euro-Ticket und es kommen noch zehn und ich muss sagen, ich sehe schwarz.“ Aktuell würde die Insel nur nachgeben und es den Punks überlassen, das Außenbild der Insel zu prägen.
„Die Wilhelmine war immer Treffpunkt für Familien, aber jetzt müssen sie einen großen Bogen machen, weil die Kinder Angst haben“, fügte Dominique Goltz, die die Boutique La Casa betreibt und selbst eine kleine Tochter hat, hinzu. Nun Dixiklos aufzustellen, sei ein No Go. Auch habe sie bereits von ersten Urlaubern gehört, die ihren Sylt-Aufenthalt storniert hätten. Ihre Idee: Kameras aufstellen und mehr Präsenz zeigen. „Wenn die Polizei kommt, reißen sich nämlich alle zusammen, machen die Musik aus und hören auf zu betteln“, teilte sie ihre Eindrücke.
Die Forderung nach mehr Präsenz von Polizei und Ordnungsamt sowie eine schnelle Reaktion kam auch aus den Reihen der Politiker.
Oliver Ewald von der CDU forderte zudem: „Die Gemeinde muss das aktuelle Problem dem Land schildern und um Hilfe bitten.“ Auch Carsten Kerkamm betonte: „Wir müssen eine Lösung finden. Das Ziel ist doch, die dort lagernden Personen, irgendwie rauszubekommen.“ Sein Vorschlag: Umleiten in den Stadtpark. „Mir ist klar, dass das nicht das Gelbe vom Ei ist, aber ich habe auch keine andere Lösung“, gab er zu. Auch er hoffe auf einen Maßnahmenkatalog von Polizei und Ordnungsamt und mahnte an, dass noch viele Wochen vor der Insel lägen.
Bürgermeister Nikolas Häckel fasste die Lage zusammen: „Wir haben aktuell das Problem einer Großstadt und sind ausgestattet wie ein Dorf. Das Ordnungsamt und die Stadtlotsen leisten mit ihren Möglichkeiten Großes, um deeskalierend zu arbeiten, aber das halten wir nicht zwölf Wochen durch.“
Dennoch stellte Gabriele Gotthardt, Leiterin des Ordnungsamtes, klar, dass mehr Personal für sie keine Lösung sei: „Weil unsere Eingriffsmöglichkeiten sehr beschränkt sind.“ So dürften sie keine Personen festhalten oder Personalien aufnehmen, geschweige denn Fotos von Widrigkeiten machen. Vielmehr fordere sie kreative Maßnahmen, um den Raum zurückzuerobern.
„Die richtige Lösung hat glaube ich keiner“, stellte Peter Erichsen vom SSW darauf hin trocken fest und Gerd Nielsen, SPD, forderte: „Offensichtlich ist ja was in Vorbereitung. Dann bitte auch mal umsetzen. Immer dieses Zögern, sondern einfach auch mal machen und es den Leuten hier ungemütlich machen.“ Dafür bekam er lauten Applaus von den Sitzungsgästen.