Aufreger im Straßenverkehr Geisterradeln: „Was soll ich meinem Sohn beibringen?“
Das Problem mit dem Geisterradeln bewegt die Menschen: Ein Vater sagt, dass er seinen Sohn gefährdet, wenn er ihm das Rechtsfahrgebot beibringt. Andere Leser finden bestimmte Stellen unmöglich.
Rheiderland/Ostfriesland - Radfahrer gehören wie auch Autofahrer auf die rechte Seite. Sonst werden sie zu Geisterradlern. Das passiert recht häufig, wie die Polizei bei einer Kontrolle in Weener feststellte – Fast alle Verstöße, die sie ahndeten, waren Geisterfahrten.
Was und warum
Darum geht es: Das Thema Gesiterradler geht vielen unter die Haut. Wir haben die Bedenken und Fragen von Lesern an die Polizei und den ADFC weitergegeben und wollten wissen, was sie dazu sagen.
Vor allem interessant für: Jeden, der am Verkehr teilnimmt
Deshalb berichten wir: Es kamen einige Rückmeldungen zum letzten Artikel. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Der Bericht zu diesem Phänomen trat einige Reaktionen los. Es meldeten sich einige Leser, die Probleme, Gründe und Fragen hatten. Wir haben ihre Anregungen an die Polizei und den Fahrradclub ADFC weitergegeben.
Vater: Eltern sollen ihre Kinder gefährden
Einer der Leser, der sich zum Thema Geisterradeln an die Redaktion wandte, wählte starke Worte: „Wer von Eltern verlangt, dass sie ihren Kindern vorschriftsgemäßes Fahrverhalten beibringen, verlangt in einigen Fällen, dass die Eltern ihre Kinder in Lebensgefahr bringen.“ Der Leeraner Heiko Diekmann nannte auch einige Stellen, bei denen er die Gefahren sieht: Die Deichstraße in Leer stadteinwärts, die Papenburger Straße Richtung Ledabrücke, „gerne liefere ich noch Dutzende weitere Beispiele, wo ich meinen Sohn nicht das Rechtsfahrgebot beibringen werde“, sagt er.
Polizei: Kindern Flexibilität beibringen
Die Verkehrssicherheit von Kindern sei ein unglaublich wichtiges Thema, sagt Polizeisprecherin Svenia Temmen. Die Aussage, dass Eltern ihre Kinder in Gefahr bringen sollen, möchte sie so nicht stehenlassen. „Genau da liegt die Krux. Oft wird sich auf die Schule verlassen, was die Verkehrserziehung der Kinder angeht, es sind aber hauptsächlich die Eltern in der Pflicht.“ Wenn Eltern eine gefährliche Stelle kennen, sollten sie sich mit den Kindern damit auseinandersetzen. „Und wenn es gefährlich ist, die Straße zu überqueren, muss es darum gehen, den sicheren Weg zu finden“, sagt sie.
„Vielleicht eine Verkehrsinsel, eine Ampel, einen gut einsehbaren Abschnitt oder einen Zebrastreifen. Und das geht manchmal eben nur zu Fuß“, so Temmen. Man müsse sich fragen: „Welche Möglichkeiten habe ich?“ Diese Flexibilität müssten Eltern ihren Kindern beibringen. Die Bedenken wolle sie aber nicht wegwischen. „Natürlich gibt es kribbelige Stellen.“ Aber: „Auf der falschen Seite bin ich genauso in Gefahr“, sagt Hans-Hermann Joachim, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes Leer. Es sei meist Bequemlichkeit oder Unwissenheit, wenn die Radler auf der falschen Seite fahren, so Joachim.
Forderung: Kontrollen gegen Manöver
Derzeit staut es sich häufiger: In Leer ist beispielsweise der Stadtring gesperrt, durch Arbeiten an den Autobahnabfahrten staut es sich ebenso auf der B436 nach Weener – und in der Ortsdurchfahrt in Bingum. In Leer führt das dazu, so schreibt ein Leser, dass Radfahrer im Berufsverkehr eine gefährliche Fahrweise an den Tag legten. „Es wird allerhöchste Zeit, dass hier mal Ordnung geschaffen wird. Fahrradfahrer fahren unkontrolliert und waghalsig rechts und links durch den dichten Verkehr, auch kleinere Schulkinder. Es ist lebensgefährlich“, so Uwe Slowick aus Remels. Keiner kontrolliere dort.
ADFC: Eher Appell als Kontrollen
Die Verkehrsüberwachung werde durchweg neben dem Alltagsgeschäft noch durchgeführt, versichert Polizistin Temmen. Gerade wenn die Verkehrslage, wie derzeit, angespannt sei. Das gelte nicht nur für den Logaer Weg. „Manchmal sind es Standkontrollen, es gibt aber auch die Variante, dass Streifenbesatzungen genau an solchen Stellen unterwegs sind und nach dem Rechten schauen.“
„Es ist tatsächlich relativ viel Verkehr“, sagt Radexperte Joachim. „Ich kann an solchen Stellen nur an Autofahrer appellieren, Sicherheitsabstand zu halten und bei Gegenverkehr einzusehen, dass man mal nicht vorbeikommt“. Über Polizeikontrollen bekomme man das Problem allerdings kaum in den Griff.
Geisterfahrten: Durch Schilder provoziert
„Dass das Thema Geisterradeln aufgenommen wird, ist längst überfällig“, schrieb Andreas Vogt. Er kommt aus der Krummhörn. Ein Aspekt fehle ihm aber: „Manchmal ist das ‚Geisterfahren‘ sogar durch Schilder legalisiert, die die Städte und Gemeinden ohne nachvollziehbare Gründe aufstellen, offenbar politisch motiviert entgegen der Verkehrssicherheit“, so Vogt.
Als Beispiel nennt er den Kreisel in Norden. „Dort dürfen Radfahrer am Kreisverkehr am Markt wild durcheinander in alle Richtungen fahren. Das ist äußerst gefährlich, zumal andere Verkehrsteilnehmer nur durch ein winziges Schild auf die besondere Gefahr aufmerksam gemacht werden.“ Das Schild übersehe fast jeder, und niemand rechne damit, dass beim Einbiegen in den Kreisverkehr Radfahrer aus der falschen Richtung kommen – „viele in atemberaubendem Tempo. Diese Situationen müssen dringend entschärft werden.“
Kreisel: Eine besondere Situation
Ab und an gibt es auch im Kreisgebiet Leer widersprüchliche Beschilderung, sagt Joachim vom ADFC. Einige Schilder – gerade im Zusammenhang mit den Gehwegen, die für Radfahrer freigegeben seien – widersprächen den Vorschriften.
Kreisel seien eine Geschichte für sich: „Innerorts haben Radfahrer Vorfahrt wie die Autos im Kreisel“, sagt er. Außerorts sei das nicht so. „Zum Beispiel am Kreisel an der B70 Ihrhove sind zusätzlich Vorfahrt-achten-Schilder für Radfahrer angebracht, um sie zu sensibilisieren“, erklärt Temmen. Es müsse eine gegenseitige Rücksicht geben.
Geisterradler fallen besonders häufig auf
Dann gilt für Radfahrer Schritttempo
Hier wird es für Radfahrer in Leer brenzlig
Achtung, Kreisverkehr!