Beerdigung online  Leeraner Bestatterin bringt ihr Geschäft ins Netz

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 13.06.2022 16:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Anja Christians ist seit 30 Jahren Bestatterin. Nun ist ihr Unternehmen auch digital unterwegs. Foto: Ortgies
Anja Christians ist seit 30 Jahren Bestatterin. Nun ist ihr Unternehmen auch digital unterwegs. Foto: Ortgies
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Anja Christians ist seit mehr als 30 Jahren Bestatterin. Jetzt hat sie ihr Unternehmen verkauft – an eine Onlinefirma.

Leer - Der Gang zu Anja Christians ist für die meisten Menschen ein schwerer. Die Leeranerin ist Bestatterin und wenn Trauernde sie anrufen, ist ein ihnen lieber Mensch gerade verstorben. Keine einfache Zeit für alle Beteiligten. Eigentlich bleibt für einen Moment die Zeit in der Trauer für die Angehörigen stehen.

Bei der Bestatterin ist das anders. Die Zeit läuft für sie weiter und mit der Zeit auch der Wandel, den sogar ihre Branche erreicht hat. „Wir haben heute farbige Traueranzeigen oder verschiedene Arten von Särgen und Urnen“, sagt Christians. In den vergangenen 30 Jahren in denen die Leeranerin im Bestattungswesen tätig ist, hat sich vieles getan.

Was und warum

Darum geht es: Feldmann Bestattungen aus Leer gehört jetzt zum Online-Bestattungshaus Mymoria. Beisetzungen können somit nun auch online geplant werden.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich für kreative, digitale Lösungen interessieren.

Deshalb berichten wir: Die Fusion war am 1. Juni. Den Zusammenschluss eines Traditionsunternehmens und einer Digitalfirma fanden wir spannend.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Bestattung online planen

Seit 25 Jahren führt sie das Unternehmen Feldmann Bestattungen in Leer-Loga. Mit ihrem Unternehmen geht sie jetzt einen großen Schritt: Sie hat ihr Bestattungshaus an das Online-Unternehmen Mymoria aus Berlin verkauft. Christians wird weiter als Bestatterin vor Ort tätig sein, das Team soll sogar noch vergrößert werden. „Ich kann mich wieder mehr um die Arbeit mit den Menschen kümmern“, sagt Christians.

Angefangen hat das Digitalunternehmen Mymoria aus Berlin als reines Online-Geschäft. Kundinnen und Kunden können über eine Website die Bestattung planen. Sie entscheiden online, ob sie eine Erd- oder eine Feuerbestattung wünschen, suchen Särge, Urnen und Blumenschmuck aus. Ein Bestatter vor Ort, der beauftragt wird oder wie Feldmann Teil der Mymoria-Unternehmensfamilie ist, setzt die Wünsche dann um und regelt alles vor Ort. Christians sieht darin vor allem einen Vorteil für Ostfriesinnen und Ostfriesen, die nicht mehr in der Region leben. „Sie können von Berlin, München oder sonst wo die Beisetzung planen“, sagt sie. Hans Hendrik Falk, Pressesprecher von Mymoria, sieht noch einen anderen Vorteil: „Die Menschen können in ihrer geschützten Umgebung, zum Beispiel zu Hause, die Beisetzung planen“, sagt er.

Zusammenstellen wie bei Blumensträußen

Dabei stellt man sich, ähnlich wie bei einem Blumenstrauß, die gewünschte Beisetzung zusammen und bekommt auch direkt den Preis angezeigt. „Die Menschen sind ohnehin in einer emotionalen Ausnahmesituation“, sagt Falk, da sei ein transparentes Angebot und die Auflistung aller Kosten wichtig. Preisvergleiche kenne auch Christians aus ihrer Arbeit. Früher habe man den Bestatter nicht nach einem Preis gefragt. „Das hat es nicht gegeben, aber jetzt wird es immer mehr“, sagt sie. Die Beantwortung solcher Preisanfragen finde sie immer schwierig. „Ich finde, man kann eine Dienstleistung schlecht vergleichen.“ Schließlich lege jeder Bestatter seine Schwerpunkte anders.

Jetzt ein Team: Mymoria-Geschäftsführer Björn Wolff (von links) mit Anja Christians, Jonas Sickau und André Huhsmann am Firmensitz in Berlin. Foto: Unternehmen
Jetzt ein Team: Mymoria-Geschäftsführer Björn Wolff (von links) mit Anja Christians, Jonas Sickau und André Huhsmann am Firmensitz in Berlin. Foto: Unternehmen

Christians beobachtet seit Jahren, dass die Bindung an einen Bestatter in der Familie der Anonymität weiche. „Für viele Familien bin ich Anja und habe schon Oma, Opa und Onkel bestattet“, sagt sie. In der Region zähle ein Name noch etwas. „Ich kenne viele Menschen seit 20 Jahren“, sagt die 55-Jährige. Daher wisse sie auch bei den Angeboten, was drin ist und was nicht. „Ich besuche die Menschen gern zu Hause, da kann ich sehen, wie der Tote gelebt hat“, sagt sie.

Nicht nur die Vorlieben für Blumen und Farben könne sie schnell entdecken, auch die Kostenfrage ließe sich schneller klären. Das fällt digital weg. Bereits Corona habe gezeigt, dass der Trend zu mehr Distanz gehe, sagt Christians. „Es wird in die Richtung gehen, dass die Enge und die Nähe auch beim Thema Bestattung verloren geht“, sagt sie. „Das Angebot vor Ort ergänzt sich zum Online-Angebot“, sagt Falk. Deswegen werde Anja Christians wie gewohnt erreichbar für die Trauernden sein. „Für die Angehörigen ändert sich nichts“, sagt Falk. Die vier Mitarbeiterinnen und zehn Aushilfen bleiben im Unternehmen, und der in Leer und Umgebung bekannte Name Feldmann Bestattungen bleibt bestehen.

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