Verdacht auf Betrug  Autokauf brachte Ostrhauderfehner viel Ärger ein

Elke Wieking
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Von Elke Wieking
| 14.06.2022 19:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Philippe Olsson auf Ostrhauderfehn hat viel Ärger nach dem Kauf seines Gebrauchtwagens. Fotos: Wieking
Philippe Olsson auf Ostrhauderfehn hat viel Ärger nach dem Kauf seines Gebrauchtwagens. Fotos: Wieking
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Philippe Olsson aus Ostrhauderfehn kaufte im Herbst 2021 einen Renault, mit dem er nur Probleme hat. Laut Vertrag ist der gebrauchte Wagen unfallfrei gewesen. Die Vorbesitzer sagen was anderes.

Ostrhauderfehn - Am Sonnabend, 4. Juni, hatte Philippe Olsson die Faxen dicke. Er fuhr nach Leer zur Polizeiinspektion und stellte Anzeige wegen Betrugs. Das bestätigt Pressesprecherin Frauke Bruhns auf Nachfrage. Olssons Anzeige richtet sich gegen einen Autohändler aus dem Oberledingerland. Von ihm hatte der 30-Jährige am 11. September 2021 einen gebrauchten Renault Megane Grandtour für 7000 Euro gekauft. Er habe wegen seiner Arbeit dringend einen Wagen gebraucht, sagt Olsson. Als Kundenmonteur sei er viel unterwegs, und seine Firma sitze in Bad Zwischenahn.

Also sah sich der 30-Jährige in der Nähe um und machte mit dem Renault Megane eine Probefahrt. Die sei „1 a“ verlaufen, erinnert er sich. Der Händler ließ noch mal 900 Euro vom Preis ab, Olsson zahlte 7000 Euro. Laut Kaufvertrag, der dieser Zeitung vorliegt, ist der Gebrauchtwagen von 2014 unfallfrei und hat auch „keine sonstigen Beschädigungen“. Außerdem wurde schriftlich „ein Jahr Händlergewährleistung“ festgehalten. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Demnach müssen gewerbliche Autohändler Sachmängel an verkauften Autos beheben.

Dann kamen die Pannen

Sechs Tage später leuchtete laut Olsson im Display seines Wagens der Satz „Motor kann zerstört werden“ auf. Renault übertreibe immer, weiß Philippe Olsson. Trotzdem fuhr er langsam nach Hause und meldete sich bei dem Verkäufer. Der versprach, den Schaden - eine Einspritzdüse in einem Zylinder war kaputt - zu beheben. Nach einigen Tagen bekam Olsson den Renault zurück.

Doch die Pannen hörten nicht auf: Mal blieb Olsson auf dem Weg nach Hause in Jümme liegen, mal auf einer Fahrt nach Hannover in Delmenhorst. Das sei am 5. Dezember gewesen, sagt der Ostrhauderfehner. Wieder sei eine Einspritzdüse kaputt gewesen, der Wagen wurde bei einer Renault-Werkstatt untergestellt.

Es dauerte und dauerte

Bis Weihnachten habe er seinen Wagen wieder, versprach der Autohändler Olsson per Handy - der hat alle Nachrichten gespeichert. Zähneknirschend lieh er sich einen Bulli von seinem Arbeitgeber. Doch trotz seiner Nachfragen sei er immer wieder vertröstet worden, so der Ostrhauderfehner. Schlussendlich bekam er den Renault am 13. Januar zurück - mehr als einen Monat nach der Panne in Delmenhorst. Richtig wütend sei er geworden, als der Autohändler vorgeschlagen habe, sich die Überführungsgebühren von Delmenhorst ins Oberledingerland über 460 Euro zu teilen . . .

Zwei Tage später ploppte im Display erneut eine Schadensmeldung auf. Diesmal war es der Startknopf, es fehlte ein Code. Weil er den Händler und das Auto „nur noch loswerden wollte“, inserierte Olsson den Renault im Februar in Internet. Er bot ihn unfallfrei an, wie es in seinem Kaufvertrag stand. Ein Autohändler im Osten Deutschlands schlug zu.

Verkauf klappt nicht

Keine Woche später erhielt Olsson ein langes Schreiben vom Käufer. Überschrift: „Rückabwicklung Renault Megane Grandtour Energy dCi 110 vom 24. Februar“. Darin bemängelte der Autohändler, dass der Wagen einen „nicht reparierten, noch bestehenden Unfallschaden“ habe.

Der Renault ist doch ein Unfallauto. Im Kaufvertrag war dagegen "keinen Unfallschaden" und "keine sonstigen Beschädigungen" angekreuzt.
Der Renault ist doch ein Unfallauto. Im Kaufvertrag war dagegen "keinen Unfallschaden" und "keine sonstigen Beschädigungen" angekreuzt.

Der Kauf musste rückabgewickelt werden, und Philippe Olsson hatte den Megane wieder an der Backe. Inzwischen hatte er den Anwalt Thomas von der Heide aus Papenburg eingeschaltet. Dieser teilte dem hiesigen Autohändler mit, dass sein Mandant vom Kaufvertrag zurücktreten wolle, weil der Renault, anders als behauptet, doch ein Unfallwagen sei.

Vorbesitzer hatte Wildunfall

Das ließ sich der Ostrhauderfehner von dem Mann der Vorbesitzerin bestätigen. Auch gegenüber dem GA sagte der Emsländer, er habe mit dem Renault einen Wildunfall gehabt, und danach den Wagen an einen Autohändler in Westoverledingen verkauft. Wie der Wagen dann zu dem Gebrauchtwagenhändler kam, der Olsson den Renault für 7000 Euro verkaufte, ist unklar.

Klar ist aber, dass Olssons Anwalt eine Klage vor dem Landgericht Aurich wegen der Rückabwicklung vorbereitet hat. Der Entwurf ging dem Beklagten Ende März zu. Sobald der Antrag auf Prozesskostenhilfe für Olsson durch sei, gehe sie raus, teilte Anwalt von der Heide mit.

Summe verschlug ihm die Sprache

Schließlich brachte Philippe Olsson seinen Wagen in eine Werkstatt in Leer. Weil er den Renault nicht los wird, aber braucht, wollte er wissen, wie teuer eine Reparatur würde, um alle Mängel zu beseitigen. Der Kostenvoranschlag vom 30. Mai verschlug ihm die Sprache: Er summierte sich auf 4865,35 Euro. Derweil bot ihm der Verkäufer an, den Renault für 3000 Euro zurückzunehmen . . .

Doch dann ging alles sehr schnell: Eine Woche nach der Anzeige bei der Polizei und einen Tag nach dem Besuch dieser Zeitung tauchte der Händler bei dem Ostrhauderfehner auf und zahlte diesem anstandslos 7000 Euro und seine Ausgaben für den Rechtsanwalt. Das teilte Philippe Olsson am Montag mit.

Augen auf beim Autokauf

Nach diesen turbulenten Monaten möchte der 30-Jährige aber andere davor warnen, selbst aus der Not heraus schnell und gutgläubig ein Auto zu kaufen. Eine Probefahrt zu einem Fachmann oder zu einer Werkstatt, um einen gebrauchten Wagen auf mögliche Schäden untersuchen zu lassen, hätte ihm viel Ärger erspart, weiß Olsson heute. Auch der Tüv bietet, Gebrauchtwagen vor dem Kauf durchzuchecken - sogar online. Kosten: zwischen 79 und 89 Euro, heißt es auf der Homepage des Tüv Nord.

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