Internationales Filmfest  Animationsabenteuer bekommt den Emder Drehbuchpreis

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 10.06.2022 20:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hörbar gerührt nahm Angelika Hacker den Preis für das Gewinnerdrehbuch entgegen, das sie gemeinsam mit Ulrich E. Krenkler verfasst hatte. Foto: Hanssen
Hörbar gerührt nahm Angelika Hacker den Preis für das Gewinnerdrehbuch entgegen, das sie gemeinsam mit Ulrich E. Krenkler verfasst hatte. Foto: Hanssen
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Am Freitagabend wurde in Emden der Drehbuchpreis verliehen. Ein Animationsabenteuer hat das Rennen gemacht. Dessen Botschaft ist eine ernste. Prominenz las vor.

Emden - Das Drehbuch für den Animationsfilm „Rohrpost Reloaded“ von Angelika Hacker und Ulrich E. Krenkler ist beim 32. Internationalen Filmfest Emden-Norderney mit dem Emder Drehbuchpreis ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand am Freitagabend in der Johannes-a-Lasco-Bibliothek mit Live-Lesungen aus den Gewinner-Drehbüchern von Weltstar Tom Wlaschiha (bekannt aus „Game of Thrones“ und „Stranger Things“) und Anjorka Strechel („Morden im Norden“) statt.

Die vom Grimme-Institut in Marl berufene Fachjury kürte mit „Rohrpost Reloaded“ die Abenteuergeschichte einer Ratten-Familie in der Berliner Kanalisation, die vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise in den 1920er-Jahren ums Überleben kämpft und in der Rohrpost ein neues Geschäftsmodell entdeckt, zum besten Drehbuch der insgesamt 65 Einreichungen. Der Emder Drehbuchpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von der Spedition Weets gestiftet.

Interessanter Perspektivwechsel

In der Begründung der Jury heißt es, dass das Buch für „Rohrpost Reloaded“ ein Plädoyer für Empowerment, Vielfalt und Toleranz, mit liebenswürdigen Figuren, wahrhaften Dialogen, feinem Humor und liebevollen Details sei. „Der Autorin und dem Autor gelingt ein interessanter Perspektivwechsel: Wir erleben die Goldenen Zwanziger - die auch unterirdisch ziemlich wild sind - und einen Alltag, in dem wir Menschen die Eindringlinge sind. Ein Abenteuer, gleichermaßen unterhaltsam für Kinder und Erwachsene“, heißt es weiter.

Auch zwei weitere Drehbücher sind nicht komplett leer ausgegangen. Mit einem Preisgeld von jeweils 1.000 Euro wurden die nominierten Drehbücher „Smaragd“ von Jovan Arsenic und „Bis hierhin und nicht weiter“ von Niklas Pollmann ausgezeichnet. Mit „Smaragd“ erzählt Jovan Arsenic von den Versuchen zweier Immigranten aus Afghanistan, sich in deutschen Familien- und Ehekonventionen einzufinden, ohne dabei menschlich vereinnahmt zu werden. „Dem Autor gelingt eine emotionale und berührende Auseinandersetzung mit großen Themen und elementaren Fragen: Was ist Heimat? Wie kann ein Neuanfang in einem fremden Land gelingen? Was bedeutet dies für die eigene Herkunft und Identität? Das Buch stellt die richtigen Fragen, ohne es uns mit simplen oder abschließenden Antworten leicht zu machen“, heißt es in der Jurybegründung.

Ein ausgezeichnetes Drehbuch wurde zu hochgelobtem Film

Niklas Pollmann stellt mit „Bis hierhin und nicht weiter“ die Jugendliche Hamiyet in den Mittelpunkt, die mit einer Internet-Bekanntschaft anbändelt und dabei Anspruch und Wirklichkeit miteinander vereinen muss. „Der Autor beschreibt die Welt der jungen Protagonistin und die sich zart entspinnende Liebesgeschichte in eindrücklichen, lebensnahen Szenen und Dialogen. Man fühlt sich an die eigenen Ängste, Zweifel und das Sich-nicht-zugehörig-Fühlen in diesem Lebensabschnitt erinnert und möchte der Hauptfigur zurufen: Du bist gut so wie du bist!“, urteilt die Jury.

Unter anderem ein in Emden ausgezeichnetes Drehbuch hat es weit geschafft: Der daraus entstandene Film „Systemsprenger“ von 2019 wurde national und international gelobt. Das Sozialdrama erhielt 2020 acht Deutsche Filmpreise. In der Hauptrolle ist die Berliner Schauspielerin Helena Zengel zu sehen, heute 13 Jahre alt, die mittlerweile international bekannt ist und auch schon neben US-Schauspieler Tom Hanks glänzte.

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