Politik in Barßel Ausschuss schiebt die Seeterrasse hin und her
355.000 Euro kann Barßel aus dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“ bekommen. Und die Politik hat Pläne: Beim Bootshafen soll eine Terrasse und ein Pavillion hin. Strittig ist nur, wohin genau?
Barßel - Mit einer Seeterrasse und einem Marina-Pavillon möchte die Gemeinde Barßel den Uferbereich südlich vom Traumspielpark beim Bootshafen in Barßel für Besucher und Urlauber attraktiver machen. Dafür gibt es 355.000 Euro aus dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“. Das Land will damit Ortszentren neues Leben einhauchen. Die Kommune selbst muss zusätzlich Geld in Höhe von zehn Prozent dieser Summe bereitstellen. Das Programm richtet sich an Kommunen, die erheblich durch Corona betroffen sind.
Sorgte die geplante Seeterrasse im Ausschuss für Kultur-, Sport- und Tourismus schon im Februar für heftige Diskussionen, so schieden sich erneut die Geister auf einer Sitzung am Mittwochabend im Pfarrheim Barßel. Dabei ging es um die Feinplanung, damit der Bauantrag schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden kann. Die Zeit drängt, denn spätestens Ende Februar 2023 muss das Projekt fertiggestellt sein. Sonst verliert die Gemeinde den Zuschuss. Das war den Mitgliedern bewußt, doch es hagelte erneut Kritik aus allen Fraktion über die Lage der Terrasse.
Weiter nördlich oder nicht?
Die hatte Diplom-Ingenieur Carsten Zippel vom Planungsbüro P 3 aus Oldenburg im nördlichen Bereich in Höhe der Zuwegung zum Traumspielpark positioniert. „Das ist für mich der beste Standort wegen der Flächenverfügbarkeit mit dem Pavillon in unmittelbarer Nähe, den Laufwegen zum Spielplatz und den Toiletten sowie wegen der Sonnenausrichtung. Zudem ist hier eine wunderbare Sichtachse auf den Hafen gegeben“, führte er aus.
„Das Konzept sieht schlüssig aus, aber die Seeterrasse im geplanten Uferbereich anzulegen, macht keinen Sinn. Denn die dort am Steg liegenden Boote verschließen den Besucher den freien Blick auf den Hafen“, kritisierte Ratsherr Hannes Coners (Grüne). Zudem kritisierte er den Rettungsweg.
Offener Blick zum Hafen?
„Die Seeterrasse sollte noch weiter nördlich gebaut werden, um den offenen Blick zum Hafen zu haben“, meinte auch Ratsherr Hubert Niemeyer (Bürgerfraktion). Ratsfrau Neele Venekamp (CDU) war auch dieser Meinung. „Wir hatten doch darum gebeten, einen neuen Plan zu erstellen, wo die Seeterrasse weiter nördlich, sozusagen in der Kurve zur Landzunge angelegt ist. Da hätten wir einen Vergleich gehabt. Das verstehe ich nicht“, sagte Venekamp. „Wir wurden gebeten , ein Konzept über den bestmöglichen Standort aus fachlicher Sicht zu erstellen. Das haben wir gemacht“, entgegnete Zippel.
So ging es hin und her. Zum Schluß wusste niemand mehr, wo die Seeterrasse eigentlich hin soll: Der eine wollte sie 20 Meter, der andere zwölf Meter weiter nördlich angelegen. Und der dritte wollte auch noch den Pavillion versetzen. Besucher der Sitzung schüttelten den Kopf über diese Sternstunde der Kommunalpolitik.
Weiter nördlich? Schlecht
„Da Eile geboten ist, sollten wir einfach den Bauantrag stellen und uns später über die Lage noch einmal unterhalten“, schlug Hubert Niemeyer (Bürgerfraktion) vor. „Nein, das geht nicht. Beim Bauantrag muss der genaue Standort benannt werden“, widersprach der Sachbearbeiter im Bauamt Andreas Freesemann und fügte hinzu: „Ich halte den vom Planungsbüro erarbeiteten Standort für ideal. Eine weitere Verlegung in nördlicher Richtung ist für mich die schlechteste Lage. Die Ausführungen des Büros sind überzeugend.“
„Es stellt sich eigentlich nur die Frage, ob Sie das Vorhaben wollen oder nicht“, stellte Carsten Zippel noch mal klar. „Man kann die Terrasse auch weiter nördlich anlegen. Aber auch dort haben Sie keinen freien Blick auf den Hafen. Wir haben den möglichst besten Standort der Seeterrasse gewählt. Aber es ist kein Problem - auch aus finanzieller Hinsicht nicht - die Seeterrasse zu verlegen. Die Kombination aus Seeterrasse, Pavillon und Spielplatz bietet verschiedenen Zielgruppe ein Angebot mit vielfältigen Funktionen.“ Das sollte man nicht aus den Augen verlieren.
Michael Sope, Barßels Erste Gemeinderat, fand die Argumente des Ingenieurs schlüssig. Letztendlich müsse der Verwaltungsausschuss, das höchste Gremium nach dem Rat, entscheiden. „Wir sollten eine Entscheidung treffen, sonst ist der Fertigstellungstermin nicht einzuhalten. Es wird jetzt schon eng“, mahnte Ratsherr Hartmut Schoone (CDU). Schließlich kam es zur Abstimmung. Der Ausschuss für Kultur-, Sport- und Tourismus empfahl mehrheitlich, dass die Terrasse 20 Meter in nördliche Richtung verlegt werden soll, der Pavillion aber nicht. Nur Christdemokratin Venekamp (CDU) enthielt sich.