Filmfest Emden/Norderney Zum ersten Mal stehen Filme zur Nachhaltigkeit im Fokus
Nachhaltigkeit ist ein „Mega-Trend“, sagt Tjark Goldenstein. Seine Auricher Firma Ökorenta stiftet den neuen Preis für das Filmfest. Die vier nominierten Filme könnten unterschiedlicher nicht sein.
Emden - Filme verbinden. Sie wühlen auf. Sie trösten. Sie regen zum Nachdenken an. Und sie verändern sogar den Hormonspiegel. Studien zufolge beeinflussen Dramen beispielsweise das Glückshormon Serotonin, unsere Schmerzgrenze und unser Zusammengehörigkeitsgefühl, fasst der Verein Nahaufnahme zusammen. Wenn wir Filme schauen, die bei uns Emotionen auslösen, schüttet der Körper unter anderem auch das Stresshormon Cortisol aus, wodurch man konzentrierter hinschaut. Spiegelneuronen im Gehirn werden ausgelöst, wir empfinden Empathie, wenn jemand auf der Leinwand traurig ist oder sich freut.
Was und warum
Darum geht es: Filme bewegen die Zuschauer - auch bei den Themen Nachhaltigkeit.
Vor allem interessant für: Film-Fans, Umweltbewusste
Deshalb berichten wir: In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal den „Focus Future Award“ beim Internationalen Filmfest Emden/Norderney. Wir haben uns angeschaut, was Filme bewirken können. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Kritische Filme können zum Umdenken animieren. Der Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ von dem US-Amerikaner Al Gore zum Klimawandel, der 2006 erschien, rüttelte viele wach. Der Film wurde und wird in Schulen weltweit gezeigt. Ein aktuelles Beispiel: „Don‘t look up“, eine Verfilmung, die auf dem Streaming-Portal Netflix gezeigt wird und millionenfach geklickt wurde. Darin geht es um die Bedrohung eines Kometen auf Kollisionskurs mit der Erde und eine Regierung, die diese nicht ernst nimmt. Es ist als Allegorie sowohl zur Untätigkeit gegenüber der Klimakrise als auch zur Leugnung der Corona-Pandemie verstanden worden.
Neuer Filmfest-Zukunftspreis in Emden
Auch in Emden wird das Thema Klima und Zukunft filmisch in den Fokus gestellt. Gleich mehrere Aufführungen beim diesjährigen Internationalen Filmfest Emden/Norderney beschäftigen sich mit dem Klimawandel. Und: Zum ersten Mal werden Filme speziell berücksichtigt, die sich insbesondere mit „zukunftsorientierten Problemszenarien, Visionen und Utopien“ auseinandersetzen. Vier sind für den neuen „Focus Future Award“ nominiert.
Gestiftet wird der Award, der mit 5000 Euro dotiert ist, von der Ökorenta Gruppe aus Aurich. Das Filmfest-Team sei auf sie zugekommen mit der Idee des Zukunfts- und Nachhaltigkeitspreises, sagt Tjark Goldenstein im Gespräch mit dieser Zeitung. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, das sich seit rund 23 Jahren mit Investitions-Möglichkeiten in erneuerbaren Energien beschäftigt. „Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt uns seit Anbeginn“, sagt er. Film sei ein „tolles Medium“ für Denkanstöße. „Es ist wohl das beste Instrument dafür“, meint er. Ihm gefalle, dass die vier nominierten Filme „sehr weit im Spektrum“ gefasst seien. Einige seien eher fesselnd, andere eher berührend. Seinem Eindruck nach ist Nachhaltigkeit ein „Mega-Trend“ mittlerweile. Vor 23 Jahren habe man Interessierten das Thema noch ausführlich erklären müssen. Viele Kunden seien aus der „Anti-AKW-Bewegung“ gekommen. Jetzt interessierten sich alle dafür. Die Nachfrage übersteige bei ihnen das Angebot. Dennoch müsse in Sachen Umdenken noch vieles passieren, sagt er.
Das sind die vier Filme
Dazu gehört „Finite: The Climate of Change“, der in Emden seine Uraufführung feiert. Der Dokumentarfilm folgt dem Protest junger Menschen im Hambacher Forst nahe Köln, in dem trotz Klimakrise immer noch neue Kohleminen in Betrieb genommen und erweitert werden. In dem britischen Sci-Fi-Noir-Thriller „Deus“ geht es indes um eine mysteriöse schwarze Kugel, die sich in der Umlaufbahn des Mars befindet. Eine Raumschiff-Besatzung soll mehr darüber in Erfahrung bringen, doch nichts läuft nach Plan.
Auch der deutsche Film „Everything Will Change“ spielt in der Zukunft. Im Jahr 2054 ist die Erde eine sterile, betonierte Welt. Drei junge Menschen machen sich auf die Reise, um von der verlorenen Schönheit des Planeten zu erfahren. In dem deutschen Dokumentarfilm „Rise Up“, eine Uraufführung in Emden, dreht sich alles um fünf junge Menschen, die sich in ihren jeweiligen Ländern am Umbruch beteiligen - am feministischen Kampf in Südamerika, dem Einsatz für Gerechtigkeit in Deutschland oder der ökonomischen Emanzipation der afroamerikanischen US-Bürger.
→ Zu diesen Zeiten laufen die Filme in Emden und Norderney: „Deus“ wird am Freitag ab 21.30 Uhr sowie am Sonntag ab 11.10 Uhr im Cinestar in Emden gezeigt und am Samstag ab 21.15 Uhr im Kurtheater auf Norderney. „Everything Will Change“ läuft Freitag ab 16.20 Uhr im Cinestar und Samstag ab 16.30 Uhr im Kurtheater. „Rise Up“ wird am Freitag ab 16.30 Uhr im Kurtheater gezeigt und am Samstag ab 21.10 Uhr im Cinestar. „Finite: The Climate of Change“ kann am Freitag ab 18.50 Uhr in der Emder Volkshochschule sowie am Samstag ab 16.10 Uhr im Cinestar geschaut werden.