Fahrradtourismus im Rheiderland Verpufft Fördergeld für barrierefreien Fahrradweg?
Die Förderzusage für den Bau neuer Viehsperren entlang der Dollard Route haben die Rheiderlandkommunen zwar in der Tasche, trotzdem ist derzeit völlig offen, ob das Projekt umgesetzt werden kann.
Rheiderland - Eigentlich hätten die drei Rheiderlandkommunen allen Grund zur Freude gehabt: Sie haben einen positiven Bescheid für Fördermittel bekommen, mit denen insgesamt 63 Viehsperren entlang des Deichverteidigungswegs erneuert werden können. Ob tatsächlich etwas draus wird, ist aber fraglich. Der Zuschuss fließt nämlich nur, wenn die Internationale Dollard Route durch aufwändige bauliche Maßnahmen barrierefrei gestaltet und zertifiziert wird. „Das würde Millionen kosten“, macht der Jemgumer Bürgermeister Hans-Peter Heikens das Problem deutlich.
Was und warum
Darum geht es: Fördergeld gibt es für die Erneuerung der Viehsperren nur, wenn die Internationale Dollard Route zertifiziert wird.
Vor allem interessant für: Einheimische und Urlauber, die gerne mit dem Fahrrad an den Deichen im Rheiderland unterwegs sind.
Deshalb berichten wir: Ohne Fördergeld kann die Sanierung der Viehsperren mit eigenen Mitteln nur in kleinen Schritten umgesetzt werden. Das wirkt sich negativ auf die Attraktivität der Strecke aus. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
„Reisen für Alle“ ist die bundesweit gültige Kennzeichnung im Bereich Barrierefreiheit. Allein um für die Viehsperren diese Zertifizierung erhalten zu können, muss laut Heikens beispielsweise der Ein- und Ausfahrtswinkel wesentlich flacher gestaltet sein als es jetzt der Fall ist. „Auch die Metallstäbe müssten enger zusammen liegen und die Geländer eine bestimmte Breite einhalten“, so der Jemgums Bürgermeister weiter. Um die Internationale Dollard Route komplett zertifizieren zu lassen, wie es die NBank derzeit vorsieht, müsste Heikens zufolge der gesamte Radweg auf einer Breite von 2,5 Metern ausgebaut werden und es dürften keinerlei beziehungswiese nur sehr wenige Unebenheiten vorhanden sein. Die an die Zertifizierung geknüpften Voraussetzungen sind zum Teil nur schwer umsetzbar. Im Bereich von Kirchborgum bis Ferstenborgum müsste beispielsweise ein komplett neuer Radweg gebaut werden, weil dort die Radfahrer zusammen mit Autofahrern auf der Straße fahren. „Das darf nach den Zertifizierungsgrundsätzen nicht sein.“
Komfortable Querungshilfen
Die Lösung sollte nach Vorstellung von Heikens und seinen Kollegen Heiko Abbas (Weener) und Uwe Sap (Bunde) so aussehen, dass nur die Viehsperren an sich zertifiziert werden. Dafür haben die drei Kommunen bereits die Zusage vom Deutschen Seminar für Tourismus (DSFT), das die Zertifizierungen vornimmt. „Gespräche mit der NBank laufen“, so Heikens. Sollte sich dort jedoch der Standpunkt nicht ändern, werde es keinen Plan B geben, da die Haushalte der drei Rheiderlandkommunen eine Gesamtinvestition von mehr als 600.000 Euro nicht abdecken können. „Dann müssten die Viehsperren sukzessive in den nächsten Jahren durch eigene Kräfte und Mittel saniert werden“, macht Heikens die Alternative deutlich, „dies würde aber Jahre in Anspruch nehmen.“
Kurt Radtke, Geschäftsführer des Feriengebiets Südliches Ostfriesland, hofft darauf, dass mit der NBank noch eine Lösung gefunden wird. „Von der Erneuerung der Viehsperren sollen nicht nur Menschen mit Bewegungseinschränkungen profitieren“, macht er deutlich. Das Überqueren der Viehsperren soll für alle Fahrradfahrer komfortabler werden, die auf der Internationalen Dollard Route unterwegs sind. Die Route im Rheiderland gehört zu den bedeutendsten in der Region. Im vergangenen Jahr wurden laut Radtke vom automatischen Zählsystem in Soltborg 90.800 Radfahrer registriert. „Im ersten Coronajahr wurde sogar ein Spitzenwert von 93.500 Fahrradfahrern erreicht.“
Ideal wäre es, wenn auch mobile Zäune aufgestellt werden könnten, die die Schafe in den beweideten Streckenabschnitten vom Deichverteidigungsweg fernhalten und somit eine Verschmutzung durch die Hinterlassenschaften verhindern. Bei Fahrradfahrern wird immer mal wieder Kritik über Schafsköttel auf dem Weg laut. Für diese mobilen Zäune gab es allerdings keine Fördermittelzusage. Wenn das Gespräch mit der NBank nicht fruchten sollte, müsse man sich über Alternativen Gedanken machen. „Beispielsweise könnte man versuchen, das Projekt durch andere Fördertöpfe zu realisieren.“