Osnabrück  Ein Oratorium für Anne Frank

Jan Kampmeier
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Von Jan Kampmeier
| 09.06.2022 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Osnabrücker Jugendchor erfüllt wieder den Dom mit seinem Gesang. Foto: Thomas Osterfeld
Der Osnabrücker Jugendchor erfüllt wieder den Dom mit seinem Gesang. Foto: Thomas Osterfeld
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Der Osnabrücker Jugendchor singt am Sonntag im Dom ein Anne Frank-Oratorium des britischen Komponisten James Whitbourn.

Eigentlich hätte das Konzert schon zur Woche der Brüderlichkeit stattfinden sollen, wurde aber wegen Corona verschoben und passt nun an Anne Franks 93. Geburtstag mindestens genau so gut. „Annelies“ heißt ein Oratorium des Briten James Whitbourn, nach ihrem vergleichsweise wenig bekannten vollem Namen Anneliese Marie Frank. Es wird am Sonntag vom Osnabrücker Jugendchor, der Sopranistin Anna Sophie Brosig und einem Ensemble um den Osnabrücker Konzertmeister Michal Majersky im Dom aufgeführt.

Domchordirektor Clemens Breitschaft habe das Stück schon länger einmal machen wollen, wie er im Gespräch erzählt. „Ich bin wirklich sehr begeistert davon. Das ist Musik, die einen sofort erreicht, die auch die Emotionen, die Anne Frank in ihrem Tagebuch schildert, sehr gut aufgreift.“

James Whitbourn hat nämlich wörtliche Auszüge aus Anne Franks Tagebuch als Grundlage seines Oratoriums genommen, allerdings in englischer Übersetzung und ergänzt um wenige andere Texte. Sein Werk entstand zunächst für großes Orchester, 2009 erstellte er dann jene Fassung mit Klavier, Violine, Klarinette und Cello, die am Sonntag auch im Dom erklingt.

Eine fortlaufende Handlung werde in dem Stück nicht erzählt, obwohl es auch dramatische Szenen gebe. „Es geht aber auch viel um Gefühlswelten und Träume der Anne Frank.“ Sogar am Ende des Werkes stehe eine hoffnungsvolle Vision.

Die Musiksprache sei sehr vielfältig, so Clemens Breitschaft: „Es gibt Stellen, die sind sehr innig, auch sehr melodiös. Es gibt immer wieder Anklänge, wo man denkt, das kenne ich doch irgendwoher. Dahinter steht wohl die Idee, dass Anne Frank in ihrem Versteck immer mal auch ein Radio aus einer anderen Wohnung gehört hat. Teilweise gibt es aber auch Stellen, die wirklich hart zu hören sind.“

Den Osnabrücker Jugendchor hat das Stück durch die Coronazeit begleitet. In der Anfangsphase habe sein Chor sich die Töne in digitalen Proben erarbeitet, so Clemens Breitschaft, man durfte sich ja nicht treffen. Das Stück sei recht schwer umzusetzen, dennoch seien seine jungen Sänger besonders eifrig dabei. „Anne Frank war ungefähr so alt wie viele derjenigen, die jetzt im Chor mitsingen. Das merkt man dem Chor auch an. Alle sind voll dabei und sehr engagiert, das berührt sie anders als irgendeine Messvertonung auf Latein.“

Das Konzert beginnt am Sonntag, 16.00 Uhr im Dom. Karten gibt es im Vorverkauf im Forum am Dom und online unter www.dommusik-os.de

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