Keine Einigung gefunden Beschicker lassen Wochenmarkt in Leer ausfallen
Wegen des Stadtfestes kann der Leeraner Wochenmarkt am Samstag kommender Woche nicht auf dem Ernst-Reuter-Platz stattfinden. Auf ein Ausweichstellplatz konnten Beschicker und Stadt sich nicht einigen.
Leer - Wer für das Wochenende kommender Woche gerne Waren vom Leeraner Wochenmarkt haben will, sollte sich schon am Mittwoch eindecken. Der Markt am Samstag findet nämlich nicht statt. Er hätte dem Stadtfest weichen und statt auf dem Ernst-Reuter-Platz auf dem Platz vor dem Zollhaus stattfinden sollen. Doch da spielen die Beschicker nicht mit. „Wir haben uns alle gemeinsam entschieden, dass wir den Wochenmarkt ausfallen lassen“, sagt Norbert Habben, der auf dem Leeraner Wochenmarkt Obst und Gemüse verkauft.
Was und warum
Darum geht es: Am Samstag kommender Woche gibt es keinen Wochenmarkt, weil die Beschicker nicht vor das Zollhaus ausweichen wollen. Das wäre aber wegen des Stadtfestes nötig gewesen.
Vor allem interessant für: alle, die samstags auf den Markt gehen, und diejenigen, die sich auf das Stadtfest freuen
Deshalb berichten wir: In der Stadt ging das Gerücht um, dass die Marktbeschicker den Wochenmarkt am Samstag kommender Woche ausfallen lassen wollen. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Für sie sei unkalkulierbar, mit wie vielen Kunden man überhaupt am Zollhaus rechnen könne. „Uns haben schon mehrere Kunden gesagt, dass sie dorthin nicht kommen würden. Wir handeln aber mit frischer Ware, die wir nicht einfach wieder ins Regal legen können, wenn wir sie nicht verkauft haben. Und in großem Stil Lebensmittel wegzuschmeißen, verbietet sich von selbst – gerade in der heutigen Zeit.“ Im Übrigen mache es einen Unterschied, ob man Nahrungsmittel in einem relativ geschützten und autofreien Rahmen verkaufe oder in unmittelbarer Nähe zum vielbefahrenen Bahnhofskreisel und damit mit viel Abgasen in der Luft.
Kunden haben Verständnis
So sieht es auch Stephanie Dierkes von Pleiter Frischedienst. Sie verkauft unter anderem Frischfleisch und Hühnerprodukte. „Unser Kundenstamm ist im Schnitt schon älter und kommt zu einem großen Teil aus der direkten Umgebung des Ernst-Reuter-Platzes. Für diese Kunden ist der Weg zum Zollhaus zu weit.“ An ihrem Wagen weist sie schon am Mittwoch auf den Ausfall des Wochenmarktes am 18. Juni hin. „Die meisten Kunden haben dafür Verständnis“, erzählt sie.
Holger Schmidt ist mit seinem Käsestand nicht darauf angewiesen, seine Ware am Tag abzuverkaufen. „Klar könnte ich mich theoretisch vor das Zollhaus stellen“, sagt er. Aber zum einen sei er solidarisch mit seinen Kollegen und zum anderen sei das auch eine atmosphärische Frage. „Wenn ich da alleine rumstehe, ist das doch kein Wochenmarkt.“
Information schon vor drei Wochen
Bei früheren Stadtfesten habe man es hinbekommen, dass Bühne und der Markt beide auf dem Platz stehen konnten und die Bierwagen oder andere Stände erst aufgebaut worden seien, wenn der Markt um 14 Uhr beendet gewesen sei. In diesem Jahr sei das offenbar nicht möglich, weil anders geplant werde, so Schmidt.
Die Stadtverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass die Marktbeschicker vor etwa drei Wochen über die notwendige Verlegung des Wochenmarktes am 18. Juni und auch den geplanten Alternativstandort am Zollhaus informiert worden seien, ohne dass es zu diesem Zeitpunkt Einwände gegeben hätte. Die und auch die Ankündigung, den Markt absagen zu wollen, seien erst am Dienstag geäußert worden.
Zukünftig soll Ledastraße eine Alternative sein
Mit einem anderen Standort beispielsweise am Denkmalsplatz oder in einem anderen Bereich der Fußgängerzone hätte man sich auch anfreunden können, sagt Habben. „Aber der Platz vor dem Zollhaus ist aus unserer Sicht wirklich ungeeignet.“
Der Stadt sei diese Problematik bewusst, schreibt Stadtsprecherin Sabine Dannen. Deshalb werde das bei der Umgestaltung der Ledastraße berücksichtigt werden, „so dass dann zukünftig Ausweichmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt zur Verfügung stehen werden“. Die Stadt Leer ist in das Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ des Landes aufgenommen worden. In den kommenden Jahren sollen mit der zugesagten Summe unter anderem die Ledastraße und der Bereich der Mühlenstraße zwischen Wörde und Bünting-Platz aufgewertet werden. Wenn die Stadt außerdem noch von dem Geld, das andere Kommunen nicht abrufen, etwas mehr abbekommt, soll auch der Ernst-Reuter-Platz umgestaltet werden.