Osnabrück  Schlampampen: Alte Wörter für das Speisen und Spachteln

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 07.06.2022 18:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Grüne Woche Foto: dpa
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Alte Wörter: In der Sprachkolumne „Wortklauber“ geht es um Sprachschätze, die in Gefahr sind, verloren zu gehen uns aber noch viel zu sagen haben. Das Wort heute: Schlampampen.

Man kann speisen, löffeln, futtern, mampfen, verzehren, sich die Backen vollschlagen, man kann schlicht essen oder - schlampampen. Ja, ganz richtig gehört: schlampampen. Saftiger als in Heinrich Heines Spottgedicht "Deutschland, ein Wintermärchen" lässt sich nicht sagen, worum es geht: "Es war ein schöner Abend, als ich / Mich hinbegab mit Campen; / Wir wollten mit einander dort / In Rheinwein und Austern schlampampen". Man hört sie geradezu schlürfen und schmatzen, den Dichter und seinen Verleger Julius Campe. Auch wenn sie sich über Manuskripte zerstreiten wie die Kesselflicker, beim Schlampampen sind sie ein Herz und eine Seele, wie sonst nur als Sturmduo des freien Wortes im Kampf mit der Zensur.

Slampen, so hieß es früher, das laute, schmatzende Essen. Flugs das Wort gedehnt und aus Slampen wird Schlampampen, eine Orgie aus verschlürften und verschmatzten Konsonanten und Vokalen. Nicht nur Heine hatte ein feines Ohr für dieses Verb und seine fast unanständige Sinnlichkeit. Ist es ein Zufall, dass gleich mehrere alte Wörter, die das Essen bezeichnen, mit dem zischenden Es-Zeh-Ha beginnen? Wer diese Verben aussprechen will, muss die Zunge kräftig bewegen: Schmausen, schnabulieren, schnuckern. Immer geht es dabei mehr als um beiläufige Nahrungsaufnahme. Die Schmauser und Schnabulierer lassen es sich gut gehen, sie langen munter zu - und achten dabei auf keinen Body Mass Index.

Schmausen, schnabulieren, schlampampen: Läuft einem da nicht allein schon beim Aussprechen das Wasser im Munde zusammen? Kurios genug ist es ja, dass diese alten Wörter für das Essen und Speisen allesamt mit dem gleichen, sinnlichen Laut beginnen. Das kann kein Zufall sein. Alte, fast verschwundene Wörter haben ihre eigene Weisheit, ihren Witz und Charme. Und ihre sinnliche Kraft. Schlampampen, das klingt nach Überfluss und Hemmungslosigkeit, nach Genuss pur - ohne die mindeste Reue danach. Ohne Sinn für feine Speisen geht solcher Luxus übrigens nicht. Schlampampen in der Burger-Barterei, das geht einfach nicht. Heinrich Heine, lebte er heute, hätte sich schon bei der bloßen Vorstellung der Magen herumgedreht. Julius Campe wohl auch. Darauf noch einmal Rheinwein und Austern!

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