Extremismus Viele Bürger fühlen sich von der Politik nicht gehört
Der aktuelle Verfassungsschutzbericht bietet wenig Anlass für Optimismus. Manchmal liegt der Grund dafür auf der Hand.
Wen kann es verwundern, dass von Jahr zu Jahr mehr politisch motivierte Straftaten verübt werden? Sieht man sich die Gründe an, warum Menschen extremistisch werden, so liegt die Antwort auf der Hand. Es sind häufig (junge) Männer, die sich im Leben schwertun und Sinn suchen. Da bietet ihnen eine extremistische Gruppierung Halt.
Das passiert übrigens vor allem dann, wenn traditionelle gesellschaftliche Instanzen wie Familie, Schule, Kirche oder eben auch der Staat bei diesen Problemen keinen Rückhalt bieten. Das Abbröckeln dieser Instanzen ist seit Jahren zu beobachten, die Entwicklung wurde durch die Corona-Pandemie verschärft. So ist die Querdenker-Bewegung dadurch entstanden, dass der Staat die Corona-Krise schlecht gemanagt hat.
Der Verfassungsschutzbericht ist ein Beleg dafür, dass sich immer mehr Bürger von der Politik nicht gehört fühlen. Experten raten: Um Extremismus zu verhindern, müssen Demokraten bessere Antworten finden auf die Fragen, die die Bürger stellen, als es Extremisten tun. Etwa darauf, welchen Sinn Menschen in der heutigen Gesellschaft finden und wann und in welcher Form Widerstand legitim ist. Schaffen das die Politiker in Deutschland? Was wir brauchen, ist eine bürgernahe Politik, die den Menschen wirklich zuhört und die auf deren Sorgen – wie derzeit die Inflation – jederzeit und direkt reagiert.
Die Autorin erreichen Sie unter mantel@zgo.de