Tipps zur Hühnerhaltung Während der Pandemie legten sich viele Ostfriesen Hühner zu
Viele Ostfriesinnen und Ostfriesen schafften sich in der Corona-Zeit Hühner an. Eine Neu-Hühnerhalterin und ein Experte vom Rassegeflügelverein geben Tipps, worauf man achten muss.
Ostfriesland - Sie scharren vor sich, blicken kurz auf, wenn jemand am Zaun vorbei geht und vertiefen sich dann wieder ins Picken auf dem Boden vor ihnen: Die Hühner von Janine Schiffer sind gemütliche Wesen. Seit gut einem Jahr leben sie bei der Leeranerin und ihrer Familie. „Ich habe ein großes Grundstück mit vielen Brombeersträuchern an den Rändern. Ich habe mir die Hühner angeschafft, damit sie das Unkraut in Schach halten“, sagt Schiffer. Außerdem habe sie eine Großtagespflege und da sei es schön, wenn die Kinder das Leben der Tiere verfolgen könnten.
Was und warum
Darum geht es: Immer mehr Ostfriesinnen und Ostfriesen halten sich Hühner im Garten. Vor der Anschaffung gibt es einiges zu beachten. Die Haltung ist aber wenig aufwendig.
Vor allem interessant für: Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich Hühner anzuschaffen.
Deshalb berichten wir: Die Rassegeflügelzüchtervereine in Ostfriesland haben in der Corona-Zeit viele Anfragen von Neu-Hühnerhaltern bekommen. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Als sie Informationen zur Impfung der Tiere brauchte, stieß Schiffer auf den Rassegeflügelzüchterverein. Dort war sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht die einzige Ostfriesin, die Fragen zur Hühnerhaltung hatte. „Wir haben in der Corona-Zeit viele Anfragen erhalten“, sagt Harald Akkermann, stellvertretender Vorsitzender des Rassegeflügelzüchtervereins Leer. Diese Erfahrung hätten auch viele seiner Vereinskollegen in anderen Teilen Ostfrieslands gemacht. Erklären kann sich Akkermann das nicht, vielleicht liege es daran, dass die Menschen mehr zu Hause waren und Zeit hatten, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Es geht auch nicht regionaler, als ein Ei aus dem eigenen Garten“, sagt er. Die Haltung sei wenig aufwendig. Allerdings müsse man sich bewusst sein, dass man Verantwortung für die Tiere habe. Man müsse sich täglich kümmern und auch eine zuverlässige Vertretung haben, wenn man mal länger unterwegs sei. „Das nimmt nicht so viel Zeit in Anspruch, muss aber gemacht werden“, so Akkermann.
Worauf Neu-Hühnerhalter noch achten müssen, haben die beiden Hühnerhalter mit dieser Zeitung besprochen und ein paar Tipps zusammengestellt.
Bürokratisches
Bevor man sich Hühner anschafft, empfiehlt sich ein Gespräch mit den Nachbarn. Denn Hühner können auch laut sein, spätestens, wenn man der Hühnerschar einen Hahn an die Seite stellen möchte. Da die Vögel als Kleintiere gelten, ist die Haltung ohne Genehmigung möglich. Angemeldet werden müssen die Tiere lediglich beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse. „Das ist online möglich. Das war sehr einfach“, erinnert sich Schiffer. Außerdem unterliegen Hühner einer Impfpflicht: Sie müssen gegen die Newcastle-Krankheit geimpft werden. Bei den Ortsverbänden der Rassegeflügelzüchter werden regelmäßig Impftermine angeboten, erklärt Akkermann. Hühnerhalter in Ostfriesland müssen zudem die Geflügelpest-Verordnung kennen und Anweisungen der Veterinärämter im Auge behalten. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder eine Aufstallpflicht zur Eindämmung der Geflügelpest. „Die gilt auch für Hobby-Hühner-Halter“, betont Akkermann. Die Tiere dürfen dann nur in geschlossenen Räumen oder unter Zeltplanen ins Freie.
Stall
Hühner sind nicht gern allein, daher sollte man mindestens drei bis vier Tiere halten. „Die brauchen ausreichend Platz im Stall“, sagt Akkermann. Eine Kennzahl sei schwer zu sagen, denn bei der Stallgröße käme es auch auf die Größe des Huhnes an. Der Stall sollte Stangen in verschiedenen Höhen haben, auf denen die Hühner gerne schlafen. „Die ranghöchste Henne sitzt oben“, erklärt der Geflügelexperte. Der Stall sollte an einem schattigen Platz im Garten stehen, damit er nicht zu sehr aufheizt. Zum Schutz vor Fuchs und Marder sollte er auch sicher verschließbar sein. Außerdem sollte das Trinkwasser darin gut erreichbar sein. Der Stallboden kann mit Stroh oder anderer Einstreu ausgelegt werden und muss regelmäßig gereinigt werden. „Ich habe gute Erfahrung mit Katzenstreu gemacht“, sagt Schiffer. Seitdem habe sie auch seltener das Problem, dass die Hühner von Milben befallen werden. Um Milben vorzubeugen muss der Stall regelmäßig ausgiebig gereinigt werden. In einem Sandbad reinigen die Tiere ihr Gefieder selbständig. Da Hühner scharren, sollten sich Gartenbesitzer überlegen, ob sie die Tiere überall laufen lassen. „Sie sind immer da, wo sie nicht hingehören“, sagt Akkermann lachend. Ein eingezäunter Stallbereich sei für Gartenliebhaber daher besser. Dabei sollte man beachtet: „Einige Hühnerrassen können gut fliegen“, sagt der Fachmann. Daher ist ein hoher Zaun sinnvoll. Ein Zusatztipp von Janine Schiffer: Eine automatische Tür mit Dämmerungssensor öffnet und schließt die Hühnerstallklappe automatisch.
Hahn oder kein Hahn?
Ein Hahn kräht – und das nicht nur einmal am Tag. Selbst wenn man es selbst irgendwann überhört, die Nachbarn könnten davon gestört werden. Das ist der Nachteil eines Hahnes in der Truppe. Doch so ein Herr im Hühnerstall hat auch seine Vorteile, denn er hält die Truppe zusammen. „Er beschützt seine Hühner und warnt vor Gefahren“, sagt Akkermann. Schiffer hatte sich nach anfänglichem Zögern auch für einen Hahn entschieden. „Es gibt Rassen, deren Hähne krähen seltener und sind leiser“, sagt sie. Darauf sollte man bei der Anschaffung achten.
Rasse
Viele Eier, gutes Fleisch, schlechte Flieger, bunte Eier - Hühnerrasse ist nicht gleich Hühnerrasse. „Ich habe mich für Seidenhühner entschieden, weil sie keine guten Flieger sind und ich deswegen nur einen niedrigen Zaun brauchte“, sagt Janine Schiffer. Man sollte genau überlegen, was man will und braucht. „Beim Rassegeflügelzuchtverein gibt es Experten, die bei der Auswahl helfen und wissen, wo man gesunde Tiere bekommt“, sagt Akkermann.
Futter
Hühner picken eigentlich alles. Gesund für sie ist Körnerfutter, das im Landhandel erhältlich ist. Harald Akkermann empfiehlt auch einen Blick in die örtlichen Mühlen: „In vielen Mühlen werden ebenfalls Futtermischungen für Hühner angeboten“, sagt er. Außerdem fressen Hühner von Kuchen über Nudeln bis zu Eiweiß eigentlich alles. „Sie futtern bei mir sogar den Buchsbaumzünßler“, sagt Schiffer. Gefüttert werden sollten die Tiere am besten abends, damit sie nachts das Futter in Ruhe verarbeiten können. Die Kosten für Hühnerfutter liegen bei rund 20 Euro im Monat bei zehn Tieren.
Einzug
Wenn die Hühner einziehen, sollten sie mindestens zehn Wochen alt sein. „Anfängern rate ich allerdings Jungtiere anzuschaffen. Die sind schon etwas robuster“, sagt Akkermann. In den ersten Tagen sollten die Hühner dann im Stall bleiben, damit sie sich an die neue Umgebung gewöhnen und abends in der Dämmerung ihren Stall auch selbstständig wieder aufsuchen. Neu-Hühnerbesitzer brauchen dann ein bisschen Geduld. „Wenn die Hühner sich sicher fühlen, beginnen sie auch mit dem Eierlegen. Das kann aber einige Wochen dauern“, sagt Akkermann.
Weitere Informationen
Fragen rund um die Geflügelhaltung beantworten auch die Rassegeflügelzuchtvereine in Ostfriesland. „Unsere Mitglieder müssen keine Züchter sein oder ihre Tiere auf Ausstellungen präsentieren“, sagt Akkermann. Bei den Züchterschulungen des Vereins gehe es ebenfalls um die richtige Haltung bei von Geflügel. Weitere Informationen gibt es hier.