Osnabrück Europa-League-Sieger Knauff schwärmt von Qualität in U21
Vor einem Jahr spielte Ansgar Knauff noch in der Fußball-Regionalliga. Nun darf er sich Europa-League-Sieger mit Eintracht Frankfurt nennen. Vor dem EM-Qualifikationsspiel mit der deutschen U21 gegen Ungarn am Freitag, 3. Juni, um 18.15 Uhr in Osnabrück spricht der 20-Jährige über seinen rasanten Aufstieg, über seine Ziele mit Eintracht Frankfurt und über die Qualität der U21.
Frage: Herr Knauff, Sie sind im Januar per Leihe nach Frankfurt gewechselt, haben mit der Eintracht den Europapokal gewonnen und sind zum besten Nachwuchsspieler der Europa League gekürt worden. Wie sortieren Sie die vergangene Rückserie für sich ein?
Antwort: Das war unglaublich. Ich habe mit dem Wechsel extrem viel erlebt. Es hat mich aber nicht groß verändert. Ich bin immer noch jung und bin immer noch am Anfang meiner Karriere. Ich bin im Moment – nach diesem halben Jahr – auf einem sehr guten Weg. Aber der Weg soll ja auch weitergehen. Deswegen werde ich alles daransetzen, mich weiter so gut zu entwickeln, Erfolge zu erreichen und sie feiern zu können. Das ist das Schönste.
Frage: Was war der größte Lernfortschritt für Sie?
Antwort: Es ist ein laufender Prozess, der fängt ja nicht erst jetzt an. Man muss immer an seinen Schwächen und an seinen Stärken arbeiten. Man muss alles ausbauen, sein Spiel ständig weiterentwickeln und darauf hören, was die Trainer einem mitgeben. Man muss sich aber auch selbst reflektieren und analysieren, was man noch besser machen kann. Dieser Prozess hört nicht auf und geht immer weiter.
Frage: Gibt es Ausnahmen?
Antwort: Es gibt Phasen wie jetzt, wenn man am Ende der Saison einen Titel gewonnen hat. Dann kann man sich ein paar Tage herunterfahren, sich darüber freuen und es genießen. Aber sobald die neue Saison losgeht, gilt es, sich wieder zu fokussieren und weiter an sich zu arbeiten, um wieder so erfolgreich zu sein. Wir spielen in der Champions League und am Anfang der Saison den Supercup. Das sind natürlich große Ereignisse, die wir so erfolgreich wie möglich abschließen wollen. Da brauchen wir alles, was wir haben.
Frage: Wo wollen sie Sich verbessern?
Antwort: Es gibt viele Bereiche, in denen ich mich noch verbessern muss. Das ist bei jedem Spieler so. Bei mir ist es das Defensivspiel, da bin ich auf einem sehr guten Weg. Trotzdem gibt es immer noch Luft nach oben. Und offensiv kann ich am Torabschluss mit meinem linken Fuß arbeiten.
Frage: Was ist Ihre größte Stärke?
Antwort: Ich habe ein gutes Tempo. Ich gehe relativ unbekümmert in die Spiele rein, versuche ins Dribbling und ins Eins-gegen-Eins zu gehen. Da sehe ich meine größte Stärke.
Frage: Haben Sie ein Vorbild?
Antwort: Direkt nicht. Für mich ist es Kylian Mbappé. Er ist im Moment auf einem echten Toplevel. Er ist für mich einer der besten, wenn nicht sogar der beste Spieler der Welt.
Frage: Sie sind mit der zweiten Mannschaft des BVB 2021 Regionalliga-Meister geworden und zwischen Bundesliga und 3. Liga gependelt. Konnten Sie diesen Wechsel zwischen den Ligen gut verkraften?
Antwort: Wenn ich sehe, dass ich auf der Bank sitze oder wenig gespielt habe, dann ich habe die Chance ergriffen, in der zweiten Mannschaft Spielpraxis zu sammeln. Ich will immer spielen und entwickle mich mit jedem Spiel weiter – egal ob es in der Bundesliga, 3. Liga oder wie im letzten Jahr noch in der Regionalliga ist. Ich habe viele Regionalliga-Spiele gemacht, die mir in meiner Entwicklung geholfen haben. Das ist eine andere Art von Fußball. Je mehr Spiele man in unterschiedlichen Ligen macht, desto mehr bringt es einen weiter. Man kann überall für sich selbst etwas herausziehen.
Frage: Gab es eigentlich Kontakt zu Ihrem alten Trainer Edin Terzic nach dessen Rückkehr als BVB-Trainer?
Antwort: Er hat mich nach dem Europapokal-Sieg angerufen und hat mir gratuliert. Das hat mich sehr gefreut. Wir sind in einem guten Austausch. Aber ich habe wie geplant eine anderthalbjährige Leihe und spiele die nächste Saison noch in Frankfurt. Daran hat sich auch nichts geändert.
Frage: Was ist das Faszinierende an Eintracht Frankfurt?
Antwort: Man hat es an der gesamten Europapokal-Reise gesehen, wie viele Fans und Leute einfach mit dem Verein mitfiebern und den Club unterstützen – egal ob es in Frankfurt oder in Spanien oder England ist. Sie sind immer mit so vielen wie möglich dabei und besorgen sich Tickets. Sie erzeugen alle zusammen mit dieser Unterstützung und dieser Stimmung das Gefühl, dass wir etwas Außergewöhnliches erreichen können. Umso schöner ist, dass wir am Ende der Saison mit einem Titel dastehen, mit dem die Mannschaft den Fans etwas zurückgibt. Ich freue mich nun extrem auf das nächste Jahr, auf die Champions League mit Frankfurt mit diesen Fans.
Frage: Können Sie sich vorstellen, dauerhaft in Frankfurt zu spielen?
Antwort: Da kann ich jetzt noch nichts zu sagen. Ich bin jetzt noch ein Jahr ausgeliehen und habe danach noch ein Jahr Vertrag in Dortmund. Das ist mein Stand. Über alles andere mache ich mir noch gar keine Gedanken.
Frage: Sie sind nun mit der U21 unterwegs. Hat sich Ihr Standing nach dem Gewinn der Europa League innerhalb des Teams verändert?
Antwort: Nein, das Standing hat sich nicht verändert. Ich kenne die Jungs ja schon lange. Natürlich beglückwünscht jeder einen oder ab und zu macht mal einer einen Spruch. Es ist einfach ein schönes Gefühl. Ich freue mich, bei der U21 zu sein und die Jungs wiederzusehen. Wir gehen jetzt die letzten Spiele an und wollen uns qualifizieren. Wir wollen damit – auch für mich persönlich – eine sehr schöne und eine sehr erfolgreiche Saison mit einem guten Abschluss zu Ende bringen.
Frage: Für wie stark halten Sie den U-21-Jahrgang?
Antwort: Die Mannschaft hat eine extrem hohe Qualität. Das hat man an den letzten Spielen und an den Ergebnissen gesehen. Wir brauchen zwei Spieltage vor Schluss noch einen Punkt für die Qualifikation. Die Gruppe war nicht sehr einfach mit starken Gegnern wie Polen und Israel. Sie haben uns viel abverlangt in intensiven Spielen. Es ist umso schöner, dass wir so gut durchgekommen sind.
Frage: Was haben Sie sich für die letzten beiden Spiele vorgenommen?
Antwort: Jetzt wollen wir die letzten beiden Spiele auch noch so klar angehen und den Gruppensieg nach Hause holen. Dann bin ich mir sicher, dass wir mit dem Talent, das wir in der Mannschaft haben, bei der Europameisterschaft gute Karten haben.