Kunst in Ostfriesland  „Wie eine Perlenkette in der Landschaft“

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 01.06.2022 13:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Freuen sich auf die Biennale: Organisatorin Ina Grätz und Künstler Jan Pleitner beim Arrangieren der Bilder in der Norder Ludgerikirche. Dort wird die Ausstellung am Sonnabend ab 15 Uhr eröffnet. Foto: Hillebrand
Freuen sich auf die Biennale: Organisatorin Ina Grätz und Künstler Jan Pleitner beim Arrangieren der Bilder in der Norder Ludgerikirche. Dort wird die Ausstellung am Sonnabend ab 15 Uhr eröffnet. Foto: Hillebrand
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Zum ersten Mal findet die Ostfriesland Biennale statt. An 30 Orten in der Ems-Dollart-Region stellen international bekannte Künstler aus. Organisiert haben das Kulturliebhaber aus Ostfriesland.

Leer - Biennale – ein großes Wort, eine Verpflichtung. Denn eine Biennale findet alle zwei Jahre statt. Doch die Begeisterung für die Kunst und für die Landschaft und die Menschen in Ostfriesland ist bei Kunsthistorikerin und Kuratorin Ina Grätz, Museumsmanagerin Silke Oldenburg und Künstler und Justiziar Willem Müller so groß, dass sie diese Verpflichtung nicht scheuen. Sie haben die Ostfriesland Biennale aus der Taufe gehoben. Und mit dem Namen bei der Premiere gleich das Versprechen für eine Fortsetzung gegeben.

Die kunstbegeisterten Butenostfriesen – Ina Grätz etwa stammt aus Aurich, Silke Oldenburg aus Leer – haben jetzt 30 international bekannte Künstler in die Ems-Dollart-Region geholt, die an rund 20 Orten in Ostfriesland und der Provinz Groningen ihre Werke von diesem Freitag an bis zum 4. September zeigen. Die Ausstellungsorte liegen auf einer Route von insgesamt rund 250 Kilometern und sind auch gut mit dem Fahrrad zu erreichen. „Wir hoffen, dass wir sehr viele Besucher von Ostfriesland und der Provinz Groningen begeistern können.“

Finanzielle Unterstützung aus EU-Mitteln

Dass schon gleich die erste Ausstellung in Ostfriesland so groß werden würde, damit hatten die Organisatoren anfangs nicht gerechnet. „Wir haben so an fünf Orte und fünf Künstler gedacht. Je mehr wir über das Projekt gesprochen haben, je mehr Unterstützung und Begeisterung wir erfahren haben, desto größer wurde es“, erklärt Ina Grätz.

Informationen

Weitere Informationen zur Ostfriesland Biennale – Ausstellungsorte, teilnehmende Künstler, Öffnungszeiten – finden sich im Internet unter www.ostfrieslandbiennale.de.

„Die Planung hat auch so viel Spaß gemacht, dass wir uns gar nicht vorstellen wollten, dass wir nach dieser ersten Ausstellung aufhören. Wir haben einfach weitergedacht – dann war klar, dass wir eine Biennale machen.“ Das nötige Geld für das Projekt kam durch Förderer, Kooperationspartner und vor allem durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung zusammen.

Ostfrieslands Landschaft ist großartige Kulisse

Ostfriesland biete ein unglaublich tolles Landschaftsbild und wunderbare Orte – eine großartige Kulisse für eine Biennale. „Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, welche Kunstwerke wir an welchen Orten präsentieren. Sie sollen für die Besucher immer eine neue Perspektive auf den Ort erschließen“, erklärt Grätz.

Zu den Ausstellungsorten gehören neben Museen etwa auch die Osterburg Groothusen, die Ludgerikirche Norden, die Leeraner Evenburg oder das Rosarium in Winschoten. „Wir wollten Orte finden, die auch die unterschiedlichen Landschaftsbilder präsentieren – von der Nordsee bis hin zu den Wäldern. Besucher sollten aber auch die Möglichkeit haben, die Biennale in Ruhe zu erleben und durch sie die Landschaft zu entdecken. Und das hat dazu geführt, dass wir mit den Kunstwerken jetzt quasi eine Perlenkette durch die Landschaft gelegt haben.“

Die Veranstalter der Ostfriesland Biennale wünschen sich, dass die Besucher Kunst und Landschaft in der Region gleichermaßen erleben können. „Eigentlich war auch die Landschaft der Ausgangspunkt für die Idee zur Biennale. Die ostfriesische Landschaft ist ein großer Teil unserer Kindheitserinnerungen und zugleich Inspiration“, sagt Ina Grätz über sich und ihre kunstbegeisterten Mitorganisatoren aus Ostfriesland.

Künstler zeigen Werke zu aktuellen Themen

Mindestens so unterschiedlich wie die Ausstellungsorte sind auch die Künstler, die dort ihre Werke ausstellen. „Wir haben eine Auswahl an etablierten, international renommierten aber auch vielversprechenden jungen Künstlern. Es ist ein sehr generationsübergreifendes Projekt geworden“, freut sich Grätz. Die Themen sind dabei durchaus aktuell gewählt. In dem Werk der Berliner Künstlerin Monika Goetz, das im Schlosspark Lütetsburg gezeigt wird, geht es beispielsweise um den Klimawandel und den ansteigenden Meeresspiegel. „Ein anderes Beispiel sind Tattoos von Künstler Marc Brandenburg. Die Zeichnungen bekommen in Ostfriesland noch mal eine ganz andere Bedeutung, weil sie natürlich sehr mit der Kulturgeschichte der Seefahrt verbunden sind.“

In der Ludgerikirche in Norden stellt Jan Pleitner aus. Er hat seine Werke schon in London und Tokio präsentiert – und nun also in Norden. „Die Kirche passt als Ort sehr gut zu meinen Bildern. Man hat oft gesagt, dass meine Bilder Assoziationen zu Kirchenfenstern wecken. Hier können sie richtig atmen, sie bekommen wunderbares Licht“, freut er sich.

„Neue Dimension für die Kunst in Ostfriesland“

Pleitner ist übrigens der einzige Biennale-Künstler, der auch in Ostfriesland lebt. Vor einem Jahr ist er aus Düsseldorf zurück in seine alte Heimat gezogen. „Ich bin teilweise auf Borkum aufgewachsen. Die Natur und die Landschaft, vor allem das Meer – ich glaube, so ein Herzenswunsch, wieder hierher zurückzukommen, steckt immer in einem“, sagt er.

Die Organisatoren der Biennale sind überzeugt, dass sich die Menschen – auch gerade nach der Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen – wieder nach Kunst und Kultur sehnen. „Wir haben darauf geachtet, dass die Ausstellungsorte einfach zu erreichen und wirklich für viele Menschen attraktiv sind.“

Die offizielle Eröffnung findet am Freitagabend in der Kunsthalle Emden statt. Pressesprecherin Ilka Erdwiens freut sich sehr darüber: „Diese Biennale ist wirklich eine ganz neue Dimension für die Kunst in Ostfriesland. Es ist großartig, was für international bedeutende Künstler die Exil-Ostfriesen hierhergelockt haben.“

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