Rom Papst Franziskus entlässt ehemaligen Pfarrer aus Merzen – Neffe reagiert
Seit 2018 läuft in Rom ein Verfahren gegen den 88-Jährigen. Jetzt hat Papst Franziskus den ehemaligen Pfarrer aus Merzen aus dem Klerikerstand entlassen. Gegenüber unser Redaktion äußert sich der Neffe des Beschuldigten.
Wegen sexualisierter Gewalt hat Papst Franziskus einen ehemaligen Pfarrer aus Merzen strafweise aus dem Klerikerstand entlassen. Das teilte das Bistum Osnabrück auf seiner Webseite mit. Die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen standen schon seit 2018 gegen den 88-Jährigen im Raum.
Mit der Entscheidung des Papstes verliert der ehemalige Pfarrer alle kirchlich relevanten Rechte, wie etwa eine Messe zu zelebrieren, Sakramente zu spenden oder sonstige Dienste in der Kirche auszuüben. Außerdem verliert der 88-Jährige alle Pensionsansprüche, die ihm zugestanden hätten. Das Bistum schreibt in seiner Mitteilung, dass seine künftige Altersversorgung derzeit durch das Bistum gemeinsam mit der Deutschen Rentenversicherung geprüft werde.
„Es ist gut, dass das seit Jahren laufende kirchenrechtliche Verfahren damit endlich zu einem Abschluss und zu einem klaren Schuldspruch kommt“, sagt Bischof Franz-Josef Bode in der Mitteilung des Bistums. „Die Entscheidung ist ein wichtiger Schritt der Aufarbeitung, und ich hoffe, dass es insbesondere den Betroffenen auch eine Hilfe sein kann.“
Der Neffe des Priesters, Andreas H., kritisierte im Gespräch mit unserer Redaktion mit Blick auf die Entscheidung allerdings fehlende Transparenz. Im Dekret der Glaubenskongregation finde sich kein Beleg dafür, dass der Papst tatsächlich wie erforderlich eine persönliche Entscheidung getroffen habe. Auch sei nicht klar, welche Unterlagen dem Papst gegebenenfalls vorgelegen hätten. H. kritisierte auch, dass es keinen kirchenrechtlichen Prozess gegeben habe.
Das Bistum, so H., vermeide damit auch die interne Aufarbeitung. „Es kann gut sein, dass diverse Taten meines Onkels nicht stattgefunden hätten, wenn früher Verantwortliche im Bistum anders reagiert hätten“, erklärte H.. „Entscheidungen und Urteile werden hinter verschlossenen Türen getroffen, wahrhafte Aufarbeitung findet nicht statt“ so H.. Die Entlassung seines Onkels aus dem Klerikerstand befürworte er, sagte H. - „aber den Weg dahin auf keinen Fall“.
2018 hatte das Bistum Osnabrück die Vorwürfe gegen den ehemaligen Pfarrer aus Merzen öffentlich gemacht. Anlass dazu waren mehrere Betroffene, die sich bei unabhängigen Ansprechpersonen des Bistums gemeldet hatten.
Nachdem damals das Verfahren gegen den 88-Jährigen eingeleitet wurde, wurde er jetzt von der zuständige Glaubenskongregation in Rom für schuldig befunden. Die zuständige Staatsanwaltschaft dagegen stellte fest, dass die Taten bereits verjährt sind und der 88-Jährige nicht mehr verurteilt werden kann.