Flusskreuzfahrtschiffe in Leer Die Ems soll viele Touristen in die Stadt spülen
Der Flusskreuzfahrt-Tourismus auf der Ems gewinnt an Bedeutung. Leer will die Schiffe nicht am eigenen Hafen vorbeifahren lassen.
Leer - Acht waren schon da, 19 weitere werden bis Ende Oktober noch erwartet: Flusskreuzfahrtschiffe. Die bis zu 110 Meter langen und mit bis zu 140 Passagieren besetzten Schiffe steuern seit einiger Zeit vermehrt auch die Stadt Leer an. Im Jahr 2019 hätten 24 von ihnen angelegt, 2020 seien sogar 27 angemeldet gewesen, sagt Edgar Behrendt, Pressesprecher der Leeraner Stadtwerke, die den Hafen betreiben. Diesen Rekord habe dann aber doch die Pandemie verhindert, es sei bei zehn Flusskreuzfahrtschiffen in 2020 geblieben. 2021 waren es wegen des Corona-Virus nur sechs.
Was und warum
Darum geht es: Leer setzt verstärkt auf Besucher, die mit Kreuzfahrtschiffen in die Stadt kommen. Deshalb will man sich auch mit anderen Städten an der Ems zusammentun.
Vor allem interessant für: diejenigen, die vom Tourismus profitieren und diejenigen, denen die nach zwei Jahren wieder häufiger auftauchenden Schiffe im Leeraner Hafen aufgefallen sind
Deshalb berichten wir: Es legen immer wieder Flusskreuzfahrtschiffe in Leer an. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Umso erfreuter schaut man bei den Stadtwerken auf die aktuellen Zahlen. „Wenn alles mitläuft, werden wir den Rekord mit 27 Schiffen, der sich schon 2020 abgezeichnet hatte, mit zweijähriger Verspätung erfreulicherweise doch noch realisieren können“, schreibt Behrendt. Auch im Rathaus hat man den positiven Trend im Blick und will ihn gerne noch verstärken, am liebsten durch die Aufnahme ins Flusskontor Ems, wie Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) bestätigt.
Dienstleister für Veranstalter
Dieses Projekt der Städte Emden, Papenburg und Lingen versteht sich als Ansprechpartner und Dienstleister für die Organisatoren von Flusskreuzfahrten – und sei nach gut zwei Jahren seiner Existenz nun auch bereit, weitere Städte an der Ems aufzunehmen, sagt Projektleiter Dennis Hillmer. Sie alle profitierten von den Erfahrungen, die die einzelnen Städte schon gemacht hätten, beispielsweise, wenn es um die Bereitstellung von Landstrom gehe. „Da muss nicht jede Stadt ein eigenes Gutachten in Auftrag geben.“
Außerdem berate das Flusskontor Ems die Reedereien und Reiseveranstalter bei der Gestaltung ihrer Reisen und bringe so zusätzliche Touristen in die Städte – und auch ins Umland. „Wir sind eine tolle touristische Region und dazu noch ein sehr sicheres Fahrgebiet. Bei uns muss niemand Angst haben, bei Niedrigwasser tagelang festzuliegen. Das müssen wir jetzt den Reedereien erklären.“ Das sei in den ersten zwei Jahren schon sehr gut angelaufen – noch ohne direkte Beteiligung der Stadt Leer.
Gespräche schon im vergangenen Jahr
Erste Gespräche über eine Aufnahme habe es schon im vergangenen Jahr gegeben, initiiert von der damaligen Bürgermeisterin Beatrix Kuhl und ihrem Nachfolger Horst, der damals noch Stadtwerke-Vorstand war. Damals hätten die drei Gründer-Städte aber noch unter sich bleiben wollen, sagt Hillmer. „Man wollte das Projekt erst einmal ans Laufen bringen.“ Das sei nun geschehen, es gebe neue Gespräche mit der Stadt Leer, die auf einem guten Weg seien.
„Wir peilen eine Aufnahme im Frühjahr 2023 an“, sagt Horst, wohl wissend, dass es noch Abstimmungsbedarf gibt – übrigens auch mit der Politik, denn eine Aufnahme ins Flusskontor Ems kostet auch etwas: Rund 30.000 Euro seien es derzeit im Jahr, nennt Hillmer eine Größenordnung. Wahrscheinlich werde man auch an der Anlagestelle gegenüber des Museumshafens noch Hand anlegen müssen, sagt Horst. „So richtig attraktiv ist das noch nicht. Da sind ja noch die alten Schienen im Boden.“ Dafür sei der Ausblick auf die Altstadt etwas ganz besonderes, lobt Hillmer. Aber auch er sieht noch Handlungsbedarf. Man brauche beispielsweise einen Parkplatz für Busse, die die Schiffs-Passagiere auch zu Zielen in der Umgebung bringen könnten.
Begrüßung durch den Bürgermeister
Auch von den Bürgermeistern erwartet der Projektleiter Engagement: „Für die Passagiere ist das etwas ganz Besonderes, wenn der Bürgermeister zur Begrüßung an Bord kommt oder sie im Rathaus empfangen werden. Herr Horst macht das sehr gut.“ Hillmer ist sich sicher, dass die Zusammenarbeit mit Leer sehr fruchtbar sein könne: „Ich gehe davon aus, dass die Zahl der Kreuzfahrtschiffe, die in Leer Halt machen, schnell die 30 überschreitet.“
Bei der Auswahl der Städte, die aufgenommen werde, gehe man strategisch vor. „Es macht ja keinen Sinn, wenn die einzelnen Stationen nur eine halbe Fahrstunde auseinanderliegen, es müssen sich schon sinnvolle Etappen ergeben.“ Dass Leer trotz seiner Nähe sowohl zu Emden als auch zu Papenburg in Frage komme, sei auch dem attraktiven Programm vor Ort zu verdanken: die Meyer-Werft in Papenburg oder Greetsiel in Emden. Da lohnten sich auch kurze Anfahrten.