Kolumne: Digital total  Trotz Technik: Wetter bleibt unvorhersehbar

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 31.05.2022 09:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Dienstags geht es um Digitales.

„Der April, der macht, was er will“, sagt meine Oma immer. Es scheint so, als ob der Mai sich da dieses Jahr anschließt. Hier bei uns im Rheinland ist es seit Wochen immer wieder abwechselnd schwülwarm, kalt und stürmisch – und dann kommt der Platzregen. Ich habe ja nichts gegen Sturm oder Regen. „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“, sagt meine Oma auch immer.

Aber vor allem, wenn man – wie ich – viel Motorrad fährt, will man diese Kleidung vor dem Verlassen des Hauses ja entsprechend auswählen. Dafür nutze ich, wie viele andere Leute auch, Wetter-Apps und Webseiten. Allerdings muss ich feststellen, dass wir trotz aller Technik nicht wirklich viel Fortschritte dabei gemacht haben, den nächsten Platzregen vorauszusagen.

Zur Person

Fabian Scherschel (37), geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

Aber warum eigentlich nicht? Wir haben Satelliten im Orbit, wir haben Laser, Radar und alle möglichen anderen Sensoren. Wir haben Supercomputer, Big Data Analytics und Künstliche Intelligenz. Und wir haben die Blockchain. Und trotzdem können wir im April immer noch nicht voraussagen, wann genau am Tag es regnen soll – und wie viel Regen dann runterkommt.

Die App sagt mir das erst, wenn ich schon die ersten Tropfen abbekomme. Wenn diese ganze Technik doch so fortschrittlich und smart ist, wie mir ständig in Artikeln und Videos weisgemacht werden soll, warum kann sie dann nicht solche einfachen Probleme lösen, die jeder von uns im Alltag hat?

Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk will auf den Mars – und wir haben nicht mal das Wetter auf der Erde im Griff. Vom Klima wollen wir erst gar nicht reden. Modelle, die nicht einmal das morgige Wetter im Ruhrgebiet oder in Ostfriesland akkurat voraussagen können, haben keine Chance, wenn sie prophezeien sollen, was in den kommenden zehn Jahren in der Arktis passiert. Das kann mir niemand erzählen. Aber vielleicht will Elon Musk ja genau deswegen auf den Mars? Weil es auf dem Roten Planeten kein Wetter gibt.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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