Berlin Wird Boris Pistorius neuer Verteidigungsminister in Berlin?
Viele halten Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) für nicht länger tragbar. Aber wer könnte übernehmen? Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius scharrt mit den Hufen. Ein Alleinstellungsmerkmal brächte er mit.
Hubschrauber-Affäre, Stöckelschuhe im Wüstensand, Reibereien mit einer Ministerkollegin, irrlichternde Ukraine-Politik: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist das große Sorgenkind im Kabinett von Kanzler Olaf Scholz. Hinter den Kulissen wird daher heftig spekuliert, ob der Kanzler bald die Reißleine zieht. Scholz’ Problem: Wen könnte er in Kriegszeiten zum neuen Verteidigungsminister berufen, wenn er Lambrecht feuert?
Einer, der sich schon immer für einen harten Hund hielt und gerne in Berlin ganz vorn mitmischen würde, ist Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius. Beim SPD-Landesparteitag vor einer Woche überraschte der „rote Scherriff“ die Genossen mit einem knackigen Redebeitrag: Nicht um Parteibefindlichkeiten ging es da, sondern um den Krieg, um die Ukraine, um Russland, um das große Ganze. Manch einer in der Hildesheimer „Halle 39“ wunderte sich: Das klang ja fast wie eine Bewerbungsrede fürs Wehrressort. Und weist nicht auch sein lautes Rufen nach einem „Heimatregiment“ für Niedersachsen in diese Richtung?
Nun wäre es nicht das erste Mal, dass der frühere Bürgermeister von Osnabrück nach vorne strebt: Im Wahlkampf von Kanzlerkandidat Martin Schulz war er der Schatteninnenminister. Als die SPD eine neue Spitze suchte, nachdem Andrea Nahles das Handtuch geworfen hatte, stieg Pistorius in den Ring. Weil in Niedersachsen Stephan Weil das Ministerpräsidentenamt gepachtet hat, geht es in Hannover ja auch nicht weiter nach oben.
Schlägt jetzt die Stunde des Boris Pistorius? Die stets gut informierten Insider des niedersächsischen Polit-Mediums „Rundblick“ halten das für gar nicht abwegig. Sollte Scholz die Spitzen von Innen- und Verteidigungsministerium umbesetzen, käme Pistorius „für beide Ämter in Betracht“, schreiben sie. „Manche sagen, sein Aufstieg liege dann sogar sehr nah.“
Gegen Pistorius spricht, dass er ein Mann ist und die Frauenquote im Ampelkabinett kippen würde. Da wir zweifelsohne in Krisenzeiten leben, wäre das womöglich hinnehmbar. In der Berliner Polit-Blase wird eigentlich SPD-Chef Lars Klingbeil - auch er ein Niedersachse - als Top-Nachfolger für Lambrecht gehandelt. Allerdings hat Klingbeil als Parteivorsitzender schon alle Hände voll zu tun.
Es gibt da noch ein Detail, das für Pistorius sprechen könnte: Anders als Klingbeil kennt er sich mit Waffen aus, denn er hat 1980 bis 1981 in der Steuben-Kaserne in Achim seinen Wehrdienst geleistet. Die Kaserne gibt es zwar nicht mehr. Aber die Quote der Minister mit Militärerfahrung im Scholz-Kabinett würde Pistorius verdoppeln. Er wäre neben Christian Linder dann schon der zweite.