Kritik bei Versammlung Auch Bauhofleiter ärgern sich über wilde Müllkippen
Autoreifen, Möbel, Grünschnitt, Bauschutt: Ganze Lkw-Ladungen Müll werden in der Pampa abgeladen, sagen Bauhofleiter bei einem Treffen in Ostrhauderfehn. Und im Lockdown war es noch schlimmer.
Ostrhauderfehn -Ganze Mülleimer mit Hundekotbeuteln leeren zu müssen, das sei für seine Mitarbeiter eine richtige „Schweinerei“. Das sagt Andreas Knehans, Leiter des Bauhofes Westoverledingen. Dazu kämen zusätzliche Kosten für den Einsatz und die Entsorgung, ärgert sich Knehans. Er blickt sich um, und 13 Kollegen und eine Kollegin aus Ostrhauderfehn, Saterland, Rhauderfehn, Moormerland, Uplengen, von der Sielacht Stickhausen, aus Bunde, Leer und Aurich nicken. Seit Jahren treffen sich Leiter und Mitarbeiter der Bauhöfe im Landkreis Leer und der Stadt Aurich regelmäßig, diesmal im neuen Vereins- und Gemeindezentrum an der Kirchstraße in Ostrhauderfehn.
Dumme Sprüche gibt‘s noch dazu
Nach einem Vortrag über Arbeitssicherheit sprechen alle über Themen, die sowohl die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bauhöfe als auch die Bürger oft aufregen: wilde Müllkippen, Vandalismus und Graffiti. Doch während die Leute sich nur in den sogenannten sozialen Medien aufregen, müssen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Städte und Gemeinden die Sauereien beseitigen – oft zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben, wie ihre Chefs betonen.
Tüten mit Hausmüll neben vollgestopften Mülleimern und die besagten Kotbeutel regen sie auf. Sprüche von Ertappten wie „Wo soll ich die Sachen denn sonst hintun, wenn die Mülleimer schon voll sind?“ sorgen zusätzlich für Unverständnis. „Die sollen die mit nach Hause nehmen und dort entsorgen“, stellt Dirk Buss, Leiter des Bauhofes in Ostrhauderfehn, klar.
Landkreis sieht das anders
Während des Lockdowns sei es sogar noch schlimmer mit den großen, wilden Müllkippen gewesen, sagen alle. Denn viele hätten Haus und Hof auf- und ausgeräumt. Statt Möbel, Schutt und Autoreifen zum Beispiel in Breinermoor kostenpflichtig zu entsorgen, sei alles auf Wiesen, Feldwegen und Wallhecken gekippt worden. Ein Grund dafür sei auch, dass der Landkreis Leer seine Sperrmüllgebühren im vergangenen Jahr angehoben hat, sind sich viele sicher. „Das sieht der Landkreis natürlich nicht so“, heißt es schmallippig. Inzwischen seien extra Mitarbeiter abgestellt worden, die mehrmals in der Woche bestimmte Orte abfahren, die gern als wilde Müllkippen genutzt würden, teilen die Bauhofleiter Andreas Knehans (Westoverledingen) und Frank Kappernagel (Rhauderfehn) mit. Der Baubetriebsleiter von Aurich, Jörg Iwwerks, kann sogar sagen, was die Entsorgung dieses Hausrats und Mülls die Stadt im vergangenen Jahr zusätzlich gekostet hat: 25.000 Euro.
Hamburger bekommen dicke Rechnung
Auch immer wieder ein Thema: Vandalismus und Graffiti. In Westoverledingen habe es der Bauhof oft mit kaputten Scheiben an Bushäuschen, Glas auf Kinderspielplätzen und besprühten Wänden zu tun, sagt Andreas Knehans.
Die Verursacher von Müllkippen und Vandalismus würden allerdings selten ausfindig gemacht, wissen er und seine Kollegen. Und wenn, wie vor knapp zwei Wochen in Leer, ein Verursacher gefunden wird, sorge das für großes Aufsehen, sagt Hans Peter Schnell, Werkstattleiter der Stadtwerke Leer. Dort hatte Weihnachten 2021 eine Hamburger Firma offensichtlich bei Nacht und Nebel Baustellenschutt und Dämmmaterial im Westerhammrich abgeladen. Sie bekommt nun eine dicke Rechnung.
Drei Einbrüche im März
Auch Einbrüche auf Bauhöfen wurden im März in Rhauderfehn, Bunde und Moormerland gemeldet. Unbekannte entwendeten handliche Geräte wie Laubbläser, Kettensägen und Motorsensen. Schaden allein in Rhauderfehn? 15.000 Euro, weiß Kappernagel. Obwohl die Geräte alle codiert seien, habe er noch nichts davon gehört, dass Tatverdächtige geschnappt wurden, fügt er hinzu.
„Die Ermittlungen laufen noch“, teilt dazu Frauke Bruhns, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, auf Nachfrage mit. Die Kollegen hätten auch die Gemeinsamkeiten - drei Einbrüche in wenigen Tagen eventuell von denselben Tätern - und natürlich Verkaufsplattformen wie Ebay im Blick.
Langes Warten auf Ersatz
Die gestohlenen Sachen wiederzubeschaffen, sei gar nicht so einfach, fügt Kappernagel hinzu. Wegen der Lieferverzögerungen könne es bis Anfang kommenden Jahres dauern, bis zum Beispiel Kettensägen wieder zu haben seien. „Die kommen nämlich meistens aus Fernost.“