Landwirtschaft in Großwolde  Spargel und Erdbeeren haben gerade Hochsaison – doch es gibt Probleme

Geertje Wehry
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Von Geertje Wehry
| 25.05.2022 08:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Janno Schmid wiegt frisch geernteten Spargel ab. Er setzt überwiegend auf Direktvermarktung. Foto: Wehry
Janno Schmid wiegt frisch geernteten Spargel ab. Er setzt überwiegend auf Direktvermarktung. Foto: Wehry
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Die Spargelzeit läuft bereits seit einigen Wochen, doch dieses Jahr gibt es einige Herausforderungen für die Landwirte. Außerdem kritisiert die Bundesfachgruppe Gemüsebau den Lebensmittelhandel.

Großwolde - „Die Saison ging schleppend los“, sagt Janno Schmid, Landwirt aus Großwolde. Er baut Spargel an und als im April die ersten Stangen gestochen wurden, waren Verbraucher noch verhalten. Fast 16 Euro kostet das Kilo des Gemüses zum Saisonstart. Inzwischen sind es, je nach Qualität, bis zu neun Euro weniger. Trotzdem: Ein einfaches Jahr ist es für Spargelbauern nicht.

„Wir verzeichnen durch die krisenbedingte Verunsicherung der Verbraucher eine bisher nicht gekannte Kaufzurückhaltung bei Obst und Gemüse. Und trotz aller Lippenbekenntnisse zur heimischen Produktion setzen die Einkäufer des Lebensmitteleinzelhandels offensichtlich gerade zur Hochsaison der deutschen Ware lieber auf billige Importe“, kritisieren Christian Ufen und Jens Stechmann, Vorsitzende der Bundesfachgruppe Obst- und Gemüsebau. Auch Schmid hat deutliche Zurückhaltung beim Kauf des Luxusgemüses bemerkt. „Die Leute sind anscheinend vorsichtiger beim Geldausgeben, aber die Feinschmecker kaufen dann trotzdem noch Spargel“, sagt er. Doch dass Spargel ein Luxusgut sei, für das nicht immer das Geld locker sei, ist ihm klar. „Wie es in der Zukunft langfristig mit dem Spargel weitergeht, wird man sehen“, so Schmid. Doch derzeit fahre er mit seiner Strategie gut. Während die Bundesfachgruppe kritisiert, dass insbesondere im Lebensmittelhandel mit günstigem Stangengemüse aus dem Ausland geworben wird, merkt er einen Trend zu Regionalität. „Es ist eine der wenigen Sachen, wo die Leute noch auf die Herkunft achten und Wert darauf legen, dass der Spargel aus Deutschland kommt“, hat er beobachtet. Allerdings werde in der Saison Spargel nicht mehr auch wochentags aufgetischt, sondern eher zum Wochenende zubereitet.

Witterung gerade gut genug für Ernte

Schmid setzt zu großen Teilen auf Direktvermarktung. „Bei jeder Stange, die ich selbst verkaufe, bleibt mehr für mich übrig, als beim Verkauf über den Großmarkt“, sagt der Landwirt. Neben dem Hofladen wird sein Gemüse an Verkaufsständen und bei Multi in Leer angeboten.

Die trockene Witterung der vergangenen Wochen hätte den Pflanzen nichts anhaben können. „Auf den Bestandsflächen wurzelt der Spargel bis zu zwei Meter tief, da macht die Trockenheit nichts“, sagt er. Anders wäre es gewesen, wenn er eine neue Fläche angelegt hätte, denn dann benötigen die Pflanzen auch in den oberen Schichten Wasser. Und auch für die Erdbeerernte sieht die Witterung derzeit gut aus. Der Regen der vergangenen Tage komme genau zum richtigen Zeitpunkt, so Schmid. „Das ging gerade so gut. Die ersten grünen Früchte hängen nun an den Pflanzen und dann brauchen sie richtig Wasser.“ Geerntet und gestochen wird auf dem Hof von Erntehelfern. Dieses Jahr ist die Situation angespannt, denn kurz vor Beginn der Ernte hätten noch zwei abgesagt. „Durch den Krieg in der Ukraine kommen viele Saisonarbeiter nicht nach Polen und damit bleiben die Saisonarbeiter, die normalerweise herkommen, dann in Polen“, sagt Schmid.

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