Höfe im Kreis Leer gesucht Mit dem Camper auf den Bauernhof – Wo geht das?
Auf Bauernhöfen im Kreis Leer sollen bald Wohnmobile stehen dürfen, der Anstoß kommt aus Jemgum. Nun können sich Landwirte melden. Welche Angebote gibt es sonst für den Urlaub auf dem Hof?
Jemgum - Kuh trifft Camper: Nachdem Orte wie das Fischerdorf Ditzum von Touristen mit Wohnmobil gerade während der Pandemie überrollt worden sind, ist eine Idee gereift: Auf Bauernhöfen sollen Stellplätze entstehen dürfen. Treibende Kraft hinter diesem Ansatz ist Annegret Bommelmann, Vorsitzende des Verkehrsvereins Ems-Dollart, die sich schon seit Jahren dafür einsetzt. „Von Ditzum aus kann man Urlauber nicht einfach weiterschicken, hier ist eben das ‚Entje van de Welt‘“, erklärt Bommelmann, vielleicht sei deswegen die Motivation besonders groß, eine Lösung zu finden.
Was und warum
Darum geht es: Eine Flut von Wohnmobilen überrollten seit 2020 gerade kleinere Orte wie Ditzum. Nun nimmt eine Idee Formen an, die die Spitzen abfedern könnte.
Vor allem interessant für: Wohnmobilfans und Landwirte
Deshalb berichten wir: Jetzt können interessierte Landwirte die ersten Schritte zum Gastgeber gehen. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Allein 2020 erreichten die Neuzulassungen von Reisemobilen mit 78.055 Fahrzeugen bundesweit einen neuen Bestwert, teilt die Gemeinde Jemgum mit – eine Steigerung von 44,8 Prozent. Das führt im Kreis Leer dazu, dass der Zahl der Reisemobile bei Spitzen nicht mehr ausreichend Stellplätze gegenüberstehen. Bis zu drei Plätze auf Höfen sollen diese Spitzen abfangen und gleichzeitig Touristen und Landwirtschaft zusammenbringen. Der nächste Schritt dafür ist gemacht.
Wer kann seinen Hof anbieten?
1 Eine „landwirtschaftsfremde Betätigung“ wie Stellplätze müsse eine Nebensache bleiben. „Klassische Beispiele hierfür können Ferienwohnungen, Käseherstellung, Fleischveredelung, (Direkt-)Vermarktung eigens erzeugter Produkte oder Hofcafés sein“, heißt es auf der Seite der Gemeinde Jemgum.
2 Die Plätze dürfen nicht irgendwo liegen, sondern müssen im Zusammenhang mit dem Hof stehen und zwar funktional, aber auch von der Entfernung her.
3 Die Stellplätze dürfen nicht dazu führen, dass man annehmen könnte, dass es gar kein Hof mehr ist.
4 Das Erscheinungsbild des Betriebes muss unverändert bleiben.
Es ist etwas Papierkram nötig, um das nachzuweisen: Baugenehmigung und/oder eine Stellungnahme der Landwirtschaftskammer, ein Lageplan mit den vorgesehenen Plätzen und eine Beschreibung, wie die Stellplätze betrieben werden sollen.
Was soll das bringen?
Es soll, so erklärt Bommelmann, nicht nur darum gehen, dass die Touristen einen Platz bekommen und so zum Beispiel der Verkehr entlastet wird. „Es hätte zudem den Charme, dass Landwirtschaft von heute sehr unmittelbar vor Ort auch Urlaubern erklärt werden könnte“, sagt sie. Rückendeckung habe sie schon früh von Klaus Borde erhalten, dem Vorsitzenden des Kreisverbandes Leer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland, so Bommelmann. Es gebe durchaus Landwirte, die sich vorstellen könnten, Plätze zur Verfügung zu stellen.
„Landwirtschaft und Tourismus gehören eng zusammen“, zeigte sich Kurt Radtke, Chef der Touristik-GmbH Südliches Ostfriesland bereits im März überzeugt von der Idee. Die Bauern schafften als Kulturkünstler mit ihrer Arbeit das, was die Region so attraktiv mache. „Die Stellplätze geben die Möglichkeit, die Landwirtschaft kennenzulernen. Gleichzeitig haben Landwirte, die das möchten, Menschen um sich“, so Radtke. Außerdem könnten sie sich etwas dazuverdienen, die Teilnahme stehe jedem offen, das sei das Schöne.
Wo kann ich das schon machen?
Bommelmann ist selbst passionierte Wohnmobilistin und hat unterschiedlichste Höfe zum Beispiel in Frankreich besucht, die Stellplätze anboten, wie sie schildert: „Einen Honigbauern oder ein Weingut. Das war über ‚Landvergnügen‘. Das ist ein Konzept für Wohnmobilübernachtungen auf Bauernhöfen. Dieses und andere gibt es auch in Deutschland“, sagt sie. In „Landvergnügen“ – einem Stellplatzführer – sind nach Angaben des Unternehmens mehr als 1300 Reiseziele für Wohnmobil, Wohnwagen oder Campingbus zu finden. Das Prinzip ist, dass man mit dem Katalog eine Jahresvignette für rund 50 Euro kauft.
Je 24 Stunden kann man damit auf einem der Höfe bleiben, die dabei sind. Profitieren sollen die Landwirte vor allem durch steigenden Verkauf ihrer Produkte an die Urlauber. Diesen soll ein naher Kontakt zum Betrieb möglich sein.
Es gibt auch andere Anbieter wie zum Beispiel My Cabin (zu deutsch „Meine Hütte“). Über diese Vermittlungsplattform im Internet können ebenfalls naturnahe Übernachtungsmöglichkeiten bei privaten Gastgebern gebucht werden – Plätze für Reisende mit Rucksack, Zelt oder Camper. Landwirtschaftliche Betriebe, aber auch Vereine, Verbände oder andere Grundstücksbesitzer können sich anmelden.
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