Baufälliges Schulgebäude  Grundschule in Bingum ist gleich doppelt gestraft

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 24.05.2022 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Links das Ursprungsgebäude, rechts ein Anbau – weil die verschiedenen Teile der Schule unterschiedlich gegründet sind, gibt es nun zahlreiche Risse. Foto: Mielcarek
Links das Ursprungsgebäude, rechts ein Anbau – weil die verschiedenen Teile der Schule unterschiedlich gegründet sind, gibt es nun zahlreiche Risse. Foto: Mielcarek
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Risse, blinde Fenster, verschlissener Teppich – vom Bingumer Schulgebäude ist der Lack ab. Das wahre Problem ist aber deutlich gravierender.

Leer - Auf den ersten und auch noch auf den zweiten Blick wirkt das Bingumer Schulgebäude hübsch und einladend. Bei genauerem Hinsehen kann man aber schnell nachvollziehen, warum ihm bei der jüngsten Bauwerkprüfung nur die Note „ausreichend“ gegeben wurde.

In der Schule würde das den Schüler noch zur Versetzung zulassen, im Baubereich sei das knapp unter der Einsturzgefährdung hatte Alexandra Abraham vom Fachdienst Gebäude- und Energiemanagement in der Stadtverwaltung vor einigen Wochen den Mitgliedern des Schulausschusses gesagt.

Was und warum

Darum geht es: Weil das Gebäude marode ist, kann die Grundschule Bingum den Digitalpakt nicht auschöpfen.

Vor allem interessant für: Eltern, Schüler und Lehrer der Schule sowie die Kommunalpolitiker, die vehement die Digitalisierung aller Grundschulen gefordert haben

Deshalb berichten wir: Nachdem öffentlich wurde, dass das Schulgebäude so marode ist, dass ein Abriss in Frage kommt, wollten wir uns die Situation anschauen und die Folgen abschätzen.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Risse und blinde Fenster

Das Hauptproblem: Das ursprüngliche Gebäude und seine verschiedenen Anbauten wurden unterschiedlich gegründet. Das und der unter dem Gewicht nachgebende Boden haben zu zum Teil gravierenden Rissen im Gebäude geführt.

Hinzu kommt noch, dass Fenster, Teppiche und andere Teile mittlerweile bald 40 Jahre alt sind. Das merkt man. In einigen Bereichen habe jedes zweite Fenster Luft gezogen und sei deshalb dauerbeschlagen, sagt Schulleiter Gerrit Wille. Einige ließen sich nicht öffnen oder danach wieder schließen. Wille geht Ende des Schuljahrs in den Ruhestand und will bis dahin mit Nachdruck auf die Situation seiner Schule hinweisen.

In der Jungen-Toilette sind die Schäden im Gebäude besonders gut zu erkennen, zeigt Schulleiter Gerrit Wille. Foto: Mielcarek
In der Jungen-Toilette sind die Schäden im Gebäude besonders gut zu erkennen, zeigt Schulleiter Gerrit Wille. Foto: Mielcarek

Denn was zunächst womöglich im Wesentlichen als Schönheitsprobleme durchgehen könnte, hat weitreichendere Folgen. Die finanziell ziemlich angeschlagene Stadt muss sich nämlich überlegen, was sie mit dem Bingumer Schulgebäude macht: sanieren oder neu bauen. Erst recht, weil die Politik die Stadtverwaltung verpflichtet hat, bis 2026 alle Grundschulen zu Ganztagsschulen zu machen. In einem Zeitplan für den Umbau der städtischen Grundschulen, den die Stadtverwaltung dem Schulausschuss Mitte März vorgestellt hatte, rangiert die Bingumer Schule ganz hinten. Dies sei nur eine „grobe zeitliche Orientierung, wie die Verwaltung sich eine Umsetzung vorstellt“, schreibt Stadtsprecherin Sabine Dannen auf Anfrage.

Sanierung oder Abriss

Um für die Bingumer Grundschule die bestmögliche Lösung zu finden, „sind zuerst die Anforderungen an eine zukunftsorientierte Schule in Zusammenarbeit mit der Schulleitung der Grundschule Bingum darzustellen und zu prüfen“, so Dannen. Erst danach sei zu überlegen, ob die erforderlichen Räume im besehenden Gebäude vorhanden sind oder geschaffen werden könnten, und ob eine Sanierung oder ein Neubau die Wirtschaftlichere Lösung sei. Dies werde einige Zeit erfordern.

Das sei nachvollziehbar, für die Bingumer Schule allerdings auch ziemlich bitter, sagt der Schulleiter. Denn diese Situation schneidet sie bis auf Weiteres auch von einem Teil des Digitalpakts ab. Bund und Land fördern dabei die digitale Ausstattung der Schule. Unter anderem könnten Notebooks und Tablets angeschafft werden. Bedingung ist allerdings, dass die Stadt dafür sorgt, dass die Schule so ausgestattet ist, dass die Geräte auch sinnvoll nutzbar sind. Konkret sollen in allen Klassenräumen so genannte Accesspoints eingerichtet werden. Ein Accesspoint ist eine Schnittstelle zwischen den Geräten und dem Internet. Solange aber nicht klar sei, ob das Gebäude überhaupt erhalten bleibe, werde die Stadt natürlich kein Geld in die Infrastruktur für den Digitalpakt stecken, sagt Wille.

Welche Rolle kann das Dorfgemeinschaftshaus spielen?

Offen bleibt auch, welche Rolle das benachbarte Dorfgemeinschaftshaus in den Plänen für die Zukunft der Bingumer Grundschule spielen kann. Die Stadtverwaltung habe deren Nutzung vor einiger Zeit ins Gespräch gebracht, sagt Wille. Aus seiner Sicht sei das Gebäude gut geeignet, um die zusätzlichen Räume für die Ganztagsschule unterzubringen: Mensa, Küche sowie Gruppen- und Bewegungsräume. Auch für eine Umbau- oder Neubauphase könnte das Dorfgemeinschaftsraum eine Entlastung sein. Das allerdings wäre mit erheblichen Umbau- und Sanierungsarbeiten dort verbunden, schreibt Dannen. Auch das werde Bestandteil der Wirtschaftlichkeitsberechnungen sein.

„Wir wollen es natürlich den Bingumern nicht wegnehmen, wenn es für sie eine wichtige Rolle spielt“, sagt Wille. Eine gemeinsame Nutzung sei aus seiner Sicht schwierig. „Ich kann mir schlecht vorstellen, wie wir beispielsweise im Mensa- oder auch Sanitärbereich die notwendige Hygiene sicherstellen wollen, wenn am Abend vorher dort eine Hochzeit oder ein Geburtstag gefeiert wurde“, sagt der scheidende Schulleiter.

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