Mobilfunk im Kreis Leer Mit Müllfahrzeugen im Kampf gegen Funklöcher
Noch immer gibt es im Kreis Leer Lücken im Mobilfunknetz. Nun will die Verwaltung herausfinden, wo genau die Lücken sind. Dann soll alles besser werden – hoffentlich.
Landkreis Leer - Der Landkreis Coesfeld hat es vorgemacht, der Landkreis Aurich macht es nach und nun schickt auch der Landkreis Leer seine Müllfahrzeug-Flotte auf eine Aufklärungsmission gegen die Funklöcher im Kreisgebiet. Die Idee: Der Landkreis will möglichst genau erfahren, wo es derzeit noch weiße Flecken im Mobilfunknetz gibt. „Die Müllfahrzeuge fahren an jedes Haus“, erklärte Landrat Matthias Groote (SPD) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Handwerk, Tourismus und Digitalisierung. Sie werden mit Technik ausgestattet, die die Mobilfunkleistung kontinuierlich misst.
Was und warum
Darum geht es: Im Landkreis Leer gibt es noch immer einige Funklöcher.
Vor allem interessant für: Menschen, die in Randlagen wohnen
Deshalb berichten wir: Der Landkreis will nun Daten sammeln, um Funklöcher genau lokalisieren zu können. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Zwar gebe es Landkarten der Bundesnetzagentur, die Funklöcher aufzeigen, doch diese fußten auf Angaben der Netzbetreiber, heißt es von der Kreisverwaltung. „Diese Daten basieren auf großräumigen Gebieten. Sie können somit nur bedingt die lokale Situation darstellen.“ Eine verlässliche Datengrundlage zur tatsächlichen Mobilfunknetzversorgung der einzelnen Anbieter gebe es für den Landkreis Leer folglich nicht. Durch den Einsatz der Müllfahrzeuge, die ja ohnehin ihre Routen abfahren müssen, kann kostengünstig eine solide Datengrundlage gesammelt werden. Die Kreisverwaltung geht von Gesamtkosten in Höhe von etwa 20.000 Euro aus.
Wo gibt es im Landkreis Funklöcher?
Noch immer ist es den Mobilfunkanbietern nicht gelungen, das gesamte Kreisgebiet mit Mobilfunk zu versorgen. Landrat Matthias Groote spricht in diesem Zusammenhang gar von einem „eklatanten Marktversagen“. Eigentlich hatte die Bundesregierung die drei großen Netzanbieter Telekom, Vodafone und Telefonica dazu verpflichtet, bis 2021 99 Prozent Netzabdeckung zu erreichen. Doch zwischen den einzelenen Anbietern gibt es deutliche Unterschiede. Telekom-Sprecherin Stefanie Halle verkündete im Februar stolz: „Die Telekom betreibt im Landkreis Leer jetzt 50 Standorte. Die Bevölkerungsabdeckung liegt bei rund 99 Prozent.“ Doch bei Vodafone und Telefonica zeigt schon ein Blick auf die Landkarte der Bundesnetzagentur die Problemstellen im Landkreis auf.
Beispiel Telefonica: Nutzerinnen und Nutzer im Telefonica-Netz müssen an einigen Orten im Landkreis mit Verbindungsproblemen rechnen. Weiße Flecken gibt es vor allem im Norden der Gemeinde Uplengen (etwa rund um Neufirrel, Oltmannsfehn und Stapel), aber auch in der Samtgemeinde Hesel, Jemgum und sogar im Norden des Leeraner Stadtgebiets. Besonders bitter: Ausgerechnet in Hesel und Uplengen zeigt auch das Vodafone-Netz seine größten Lücken.
Ist Besserung in Sicht?
Auf Nachfrage der Redaktion beteuerten erst im März alle Anbieter, ihr Netz im Landkreis Leer weiter ausbauen zu wollen. Telekom-Sprecherin Halle versprach bis 2023 16 neue Funkanlagen. Ein Telefonica-Sprecher kündigte an, dass in den kommenden Monaten die ersten Kunden im Landkreis einen modernen 5G-Zugriff bekommen. Laut Kreissprecher Philipp Koenen laufen derzeit im Kreisgebiet sieben Bauvorhaben für neue Funkmasten.
In einem Jahr soll durch die Müllfahrzeuge eine Argumentationsgrundlage für die Kreisverwaltung geschaffen worden sein. „Wir sind in ständigem Kontakt mit den Mobilfunkbetreibern“, erklärte Matthias Groote. Durch die neuen detaillierten Funkloch-Daten hofft man, Druck aufbauen zu können, damit die Netzbetreiber nachbessern.
Ob dann wirklich das Mobilfunknetz besser wird? Daran wurden aus den Reihen der Ausschussmitglieder Zweifel geäußert. Kein Wunder: Seit Jahren sind Probleme in der Netzabdeckung bekannt. Schon oft wurde Besserung gelobt. So sagte etwa Carl Friedrich Brüggemann (FDP): „Das Wissen allein bringt uns nicht weiter. Das Wissen ist ohnehin schon da.“