Kolumne: Digital total Berufliche Paranoia
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Dienstags geht es um Digitales.
Ich habe an dieser Stelle schon einmal davon berichtet, wie kritisch ich den alltäglichen Umgang mit QR-Codes sehe. Wo man nur hinschaut, nutzen Menschen diese kleinen quadratischen Muster, um Infos in ihr Handy zu bekommen. Sie scannen Codes bei der Kontrolle von Impfpässen, im Restaurant, vor dem Fernseher und von Werbeplakaten, ohne zu verstehen, was da im Hintergrund eigentlich passiert.
Als jemand, der nun seit fast einem Jahrzehnt über IT-Sicherheit schreibt, habe ich viel von dieser Zeit damit verbracht, zu versuchen, Leuten beizubringen, nicht auf Links in E-Mails zu klicken. Denn ohne viel Vorwissen kann man nie sicher sein, wo der Link hinführt und ob da nicht vielleicht etwas Böses am anderen Ende lauert.
Wenn Sie in der Zeitung lesen, dass Hacker den Bundestag, eine Riesen-Pipeline in den USA oder ein Kraftwerk in der Ukraine angegriffen haben oder Geheimdienste die Telefone von Politikern oder Journalisten mit Malware ausspioniert haben, dann ist genau das passiert: Jemand hat den falschen Link in einer E-Mail geklickt.
Ein QR-Code ist nichts anderes als ein Link. Allerdings einer, bei dem es noch schwerer – und in vielen Fällen unmöglich – ist, herauszufinden, wo er hinführt. Ob am anderen Ende etwas Böses lauert, weiß man erst, wenn es schon zu spät ist.
Und genau deswegen hat es mich so geängstigt, als ich die Tage gesehen habe, wie meine Frau einen QR-Code auf einer Rechnung gescannt hat, um Überweisungsdaten in ihre Banking-App zu bekommen. Die Banking-App! Mit diesem QR-Code hätte alles Mögliche in diese App gelangen können. Im schlimmsten Fall enthält das kleine schwarz-weiße Kästchen direkt Schadcode, der die Banking-App kapert und unser Konto leerräumt.
Wenn ich auf so etwas hinweise, hält mich mein Umfeld immer für paranoid oder gar verrückt. Leider weiß ich halt zu viel darüber, wie Dinge in unserem digitalen Alltag funktionieren, um mich der Glückseligkeit der Unschuld hinzugeben.
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