Nordfriesland  Ferienwohnungen auf Nordstrand: Jetzt zerbricht Fynn Kliemanns Geschäftsmodell

Birger Bahlo
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Von Birger Bahlo
| 22.05.2022 10:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das ist Fynn Kliemanns Immobilie, wohl aus den sechziger Jahren, auf Nordstrand, in die er drei Ferienwohnungen einbauen ließ. Foto: imago images/Future Images/Birger Bahlo
Das ist Fynn Kliemanns Immobilie, wohl aus den sechziger Jahren, auf Nordstrand, in die er drei Ferienwohnungen einbauen ließ. Foto: imago images/Future Images/Birger Bahlo
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Wieder zerbricht ein Geschäft von Fynn Kliemann. Seine Ferienwohnungen auf Nordstrand wollte er subventionieren lassen, doch Partner springen ab.

Nur die Schafe blöken laut auf dem Deich, und Feriengäste in Fynn Kliemanns Haus auf Nordstrand müssen ihren kleinen Hund in der neuen Umgebung beruhigen. Ansonsten herrscht jene idyllische Ruhe, die die Nordstrander und ihre Stammgäste so lieben.

Plötzlich gerät dieses von außen unscheinbare Ferienquartier in die Schlagzeilen der bundesweiten Medien. Wie shz.de berichtet hatte, ist Kliemann just in diesen Wochen schweren Vorwürfen ausgesetzt. Der Influencer mit einer Million Fans bei Instagram und Youtube soll Corona-Schutzmasken in schlechter Qualität und zu überhöhtem Preis an Großhändler verkauft haben. Außerdem werden ihm Unregelmäßigkeiten bei Spenden für die Ukraine-Hilfe vorgeworfen.

Im Zuge der Kritik fallen nun Teile des Geschäftsmodells für die eben erst zum Saisonauftakt begonnene Vermietung auf Nordstrand in sich zusammen. Kliemann wollte gleich dreifach abkassieren: niedrige Mieten, Spenden der Gäste on top und letztlich alles „subventioniert von außergewöhnlichen Partnern“, wie auf seiner Webseite zu lesen ist. Damit meinte er die Erlöse aus dem Verkauf des Interieurs der Wohnungen über die Partnerfirmen.

Doch genau diese Partner kündigen ihm offenbar reihenweise die Freundschaft. Ein Beispiel: die Toom-Baumärkte, wie sie hier in der Region aus Heide (Kreis Dithmarschen) bekannt sind. Auf Nachfrage von shz.de bestätigt Toom-Sprecherin Daria Ezazi, dass sofort nach den Berichten von shz.de und anderen Medien „alle laufenden Kooperationsmaßnahmen umgehend ausgesetzt“ worden seien. Die Zusammenarbeit sei mittlerweile beendet. Daria Ezazi findet deutliche Worte: „Wir bei toom stehen für Respekt und einen respektvollen Umgang miteinander. Wir haben daher die Veröffentlichungen und Vorwürfe gegen Fynn Kliemann sehr ernst genommen.“

Toom hatte sich, wie es die Sprecherin formuliert, auf „eine zeitlich begrenzte Kooperation mit dem Kliemannsland“ eingelassen. Das ist in Rüspel in Niedersachen angesiedelt und versteht sich nach vollmundigen Worten des Influencers als „erster, bester und freiste Staat der Welt.“ Toom sei auf die Herstellung von Heimwerker-/Do-it-yourself-Videos fixiert.

Auch Logos und Links würden gelöscht, heißt es weiter von Toom, womit auch der Verkauf von Dekoartikeln, Leuchten und anderer Gegenstände aus der Inneneinrichtung des Nordstrander Gästehauses gleich kurz nach dem Start schon am Ende sein dürfte. Ohnehin sind die meisten Artikel im Online-Shop bereits mit „Ausverkauft“ markiert, wobei unklar bleibt, ob das auf die rasante Nachfrage seiner Fans zurückzuführen ist oder schlichtweg, weil die Partner nach der Veröffentlichungen der massiven Kritik den Stecker gezogen haben.

Sollten die Feriengäste den Whirlpool im Hause nutzen, erleben sie das Ende einer weiteren Partnerschaft sozusagen hautnah mit. Dessen Hersteller Nordpool hat laut eines Sprechers ebenfalls sein Aus für die Partnerschaft mit dem Youtuber angekündigt.

Die Familie, die zurzeit auf Nordstrand in einem der Appartements wohnt, ist nach eigenen Aussagen per Zufall auf das Angebot gestoßen. Schmunzelnd weist der Familienvater die Vermutung zurück, es handele sich bei ihnen etwa um Fans von Fynn Kliemann. Die Fans müssen sich nun ohnehin entscheiden, ob sie angesichts der über ihm hereinbrechenden Kritik zu ihm halten oder mit Liebesentzug reagieren.

Wie hat Kresche Paulsen Fynn Kliemann erlebt, fragt shz.de die Imkerin, die direkt nebenan im Haus Mitteldeich Nr. 1 lebt. Der „Zeit“ hatte sie erzählt, dass sie die „gute Seele und Ansprechpartnerin“ für die Gäste sei und nebenan nach dem Rechten sehe. Die Zeitung zitiert Kresche Paulsen mit dem Satz: „Das war vollkommen surreal, dass hier am Ende der Welt plötzlich Fynn Kliemann vorm Zaun stand.“ Aber heute will sie zu den Begegnungen mit dem Mann kein Wort mehr sagen. Nur ein leises „Schade“ kommt ihr über die Lippen.

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