Berlin  Bericht: Interne AfD-Chats veröffentlicht - Merkel als „Ratte“ bezeichnet

Kim Patrick von Harling
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Von Kim Patrick von Harling
| 20.05.2022 17:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
In einer Chatgruppe der AfD taten sich verbale Abgründe auf. Foto: imago images/Future Image
In einer Chatgruppe der AfD taten sich verbale Abgründe auf. Foto: imago images/Future Image
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Durch Recherchen des NDR und WDR wurden nun interne Chatverläufe von AfD-Politikern öffentlich. Darin hagelt es zahlreiche Beschimpfungen von Politikern, massive Kritik an die eigene Führung und radikales Gedankengut.

 „Wir sind die letzte Chance die dieses Land hat, und das meine ich bitter ernst!!!“, heißt es in einem nun von NDR und WDR veröffentlichten Chat-Verlauf der AfD. Es ist nur einer von vielen dramatisch anmutenden Sätzen, die die Furcht vor dem „Untergang“ Deutschlands ausdrücken. Die Öffentlich-Rechtlichen haben nach eigener Recherche und eigenen Angaben über 40.000 interne Chat-Nachrichten von AfD-Abgeordneten gesichtet - das Ergebnis: Mit Beschimpfungen in alle Richtungen halten die Chat-Teilnehmer nicht hinterm Berg.

„Die Ratte Merkel an der Spitze! Diese Volksverräterin gehört lebenslang in den Knast!“, heißt es unter anderem im Chat. Besonders homophob und beleidigend zeigten sich die AfD-Abgeordneten im Sommer 2019, als Jens Spahn als möglicher Verteidigungsminister gehandelt wurden. „Oh gut, wieder eine Verteidigungsministerin“ oder „Bei Spahn hätte die Bundeswehr wieder auf Hinterlader umgestellt...“ sind nur zwei diffamierende Nachrichten in Richtung des homosexuellen Politikers. SPD-Politiker Johannes Kahrs sei darüber hinaus eine „radikal böse Afteröffnung“, der damalige Staatsminister Michael Roth ein „ekelhafter Wicht“.

Angesprochen auf die Beleidigungen reagierte Alice Weidel, stellvertretende Bundessprecherin der AfD, mit Empörung. Solche Nachrichten seien inakzeptabel, sagte sie im Interview mit dem NDR und WDR. Bei entsprechender Kenntnis hätte Weidel laut eigener Aussage reagiert.

Doch auch die eigene Führung bekam in der Chatgruppe „Quasselgruppe“ ihr Fett weg. Wie das Rechercheteam zeigt, zeigten sich die jahrelangen internen Lagerkämpfe der AfD auch in den Nachrichten untereinander. „Wir brauchen eine Richtungsentscheidung. Wollen wir eine National-sozialistische oder eine freiheitlich-konservative Partei sein….“, schrieb ein Chat-Teilnehmer. „Da müssen wir uns SELBST die Frage stellen, ob wir erwiesene Nazis in der Partei und dann auch noch in führenden Positionen haben wollen. Ich will das nicht. Die Ideologie und den Führerkult, die Höcke und Kalbitz vertreten, lehne ich zutiefst ab“, sagte ein anderer AfD-Abgeordneter im Frühjahr 2020.

Auch Weidel wurde angegriffen. Unter anderem wäre sich durchaus in der Lage, Prioritäten zu setzen, „aber nur wenn es um ihren eigenen Kopf geht“, schrieb ein Chat-Teilnehmer. Im Interview mit dem NDR und WDR reagierte die Politikerin gelassen: „Wenn Sie in der AfD in der ersten Reihe stehen, ist das völlig normal. Das berührt mich nicht.“

Wie der NDR und WDR berichten, hätten 76 der 92 AfD-Abgeordneten bis nach der Bundestagswahl 2021 regelmäßig im Chat „Quasselgruppe“ geschrieben - Weidel selbst war nicht in der Gruppe.

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