Kolumne Intern  Nur der Inhalt zählt: Bilder dürfen groß und Texte dürfen lang sein

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 20.05.2022 10:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Joachim Braun
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Journalismus verändert sich seit Jahren sehr stark. Manchmal sind es nur Moden, die wieder vergehen, manche Trends aber bleiben, weil sie das Produkt tatsächlich verbessern.

Im Journalismus ist’s wie mit der Mode. Es gibt immer wieder neue Trends. Das betrifft die Zeitungsgestaltung: Mal trennen feine Linien die Artikel voneinander, mal werden Linien komplett verbannt – und alle zehn Jahre kehrt sich der Trend wieder um.

Oder die Länge von Texten: 80 Zeilen galten mal als das Maß aller Dinge. Kein Text sollte länger sein, davon ausgehend, dass sich die Leserinnen und Leser nicht mit zu viel Text herumplagen wollen. Dass das Quatsch ist, zeigen die Daten über die Onlinenutzung. Wenn das Thema spannend ist und gut erzählt wird, kann ein Artikel auch sehr lang sein. Selbst am Smartphone wird der Text dann gelesen.

Auch zu Überschriften gibt es viele Weisheiten. Eine, die ich in meiner Ausbildung lernte, war, Titelzeilen niemals als Frage zu formulieren. Denn: Leser wollen keine Fragen, sie wollen Antworten. Auch das ist Unsinn. Denn tatsächlich kann eine Frage in der Überschrift auch helfen, auf das Thema des Textes neugierig zu machen. Und mitunter gibt es eben auch keine Antworten auf offene Fragen.

Ein Trend, der sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht geändert hat, aber vor allem ältere Zeitungsleser bis heute irritiert oder gar verärgert, ist der zu immer größeren Bildern? Erinnern Sie sich noch an frühere Zeiten, mit verwaschenen Schwarz-Weiß-Fotos, die dank damaliger Drucktechnik so unscharf erschienen, dass nur der Bildtext deutlich machte, wer dort zu sehen ist? Die konnte man nicht breiter als zweispaltig bringen, ohne sich lächerlich zu machen.

Heute ist das völlig anders: Alles in Farbe, guter Druck und Mediennutzungs-Gewohnheiten, bei denen Bilder mitunter wichtiger sind als der zugehörige Artikel. Die kann, nein, die muss man groß bringen. Und, nein, bevor Sie jetzt protestieren, liebe Leserinnen, liebe Leser: Das machen wir nicht, um weniger schreiben zu müssen. Bilder sind längst nicht mehr Beiwerk zum Artikel, sie sind genauso wichtig wie das geschriebene Wort. Ein Trend, der bleiben wird.

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