Russland und die Nato Besser keine neue Provokation
Raus aus der militärischen Neutralität und rein in die Militärallianz: Finnland und Schweden wollen aus Furcht vor Russland der Nato beitreten. Das stellt den Westen allerdings vor Probleme.
Natürlich ist es absolut verständlich, dass Finnland und Schweden aus Angst vor dem aggressiven russischen Nachbarn nun unter den Nato-Schutzschirm flüchten wollen – doch unproblematisch ist diese Zeitenwende nicht. Die Folgen sind weitreichend: Man mag argumentieren, dass gegenüber einem Kriegsherrn wie Wladimir Putin alles erlaubt ist, doch es ist als klare Demütigung für den russischen Präsidenten zu sehen, der stets gegen eine Nato-Erweiterung agitiert hat. Bei aller Freude über den Zusammenhalt des Westens darf daher die Frage erlaubt sein: Ist dies der richtige Moment für den Beitritt? Diese erneute Provokation macht es Putin nun noch schwieriger, im Ukraine-Krieg einen Rückzug ohne Gesichtsverlust zu vollziehen.
Zudem hat die Nato die Rechnung ohne die Türkei gemacht. Fakt ist: Neue Mitglieder können der Nato nur dann beitreten, wenn alle 30 Mitglieder dafür sind. Die Türkei ist es im Fall von Finnland und Schweden aber nicht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gefällt sich gerade in seiner Rolle als Vermittler im Russland-Ukraine-Krieg, diese Rolle will er nicht gefährden. Wann und ob Erdogan jemals einlenken wird, ist offen.
Welch Blamage wäre es, wenn die Nato den Antrag Schwedens und Finnlands ablehnen müsste. Falls sich die Nato doch einig wird, sollte sie sich jedenfalls Zeit lassen mit der Aufnahme.