Kolumne Digital total  Kommt Journalismus aus der Mode?

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 17.05.2022 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Unser Kolumnist Fabian Scherschel befasst sich an diesem Dienstag mit der Zukunft des Journalismus. Ein kontroverser Beitrag.

Der Artikel über Influencer und ihre Social-Media-Reichweite von Kollege Gordon Päschel in der vergangenen Woche hat mich ziemlich bewegt. Dass viele Influencer eine größere Reichweite als die meisten etablierten Verlage haben, frustriert mich seit langem. Meiner Meinung nach ist das ein Resultat davon, dass viele Entscheider in der Medienbranche seit nun fast 30 Jahren nicht gewillt sind, sich wirklich auf das Internet einzulassen.

Zur Person

Fabian Scherschel (37), geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

Statt nach vorne zu schauen, schauen Verleger und Intendanten in die Vergangenheit. Sie konzentrieren sich darauf, wo das Geld herkommt. Und verschlafen dabei komplett, wo das Geld in Zukunft herkommen soll. Und weil sie das Internet seit Jahrzehnten stiefmütterlich behandeln, statt ihre ganze Energie in neue Ideen zu stecken, die für eine hauptsächlich digital konsumierende Zielgruppe funktionieren, ist der Zug längst abgefahren. Sie haben diese Zielgruppe bereits verloren.

Man könnte das jetzt nüchtern betrachten und einfach feststellen, dass diese alte Art, Journalismus zu machen nun mal sterben muss, damit Neues entstehen kann. Momentan sieht es allerdings so aus, als ob der Journalismus gänzlich aus der Mode kommt. Denn das Problem mit Influencern ist, dass sie gar nicht den Anspruch haben, journalistisch zu arbeiten. Sie trennen Werbung nicht von redaktionellem Inhalt und Meinung nicht von Fakten. Das ist auch einer der Gründe, warum sie so erfolgreich sind, denn Werbetreibende können die Massen besser mit Hilfe solch einer unkritischen Berichterstattung manipulieren.

Nun ist Werbung allerdings nur eine Seite der Propaganda-Medaille. Die andere, viel ernstere, ist Öffentlichkeitsarbeit von Parteien und Regierungen. Wenn es keine Journalisten mehr gibt, die Propaganda kritisch hinterfragen, hat das verheerende Auswirkungen auf unser demokratisches System. Leider gräbt sich der Journalismus dieses Grab vor allem selbst.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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