Osnabrück  Jux, Ulk, Posse: Schnurrpfeiferei - das lustigste der alten Wörter?

Stefan Lueddemann
|
Von Stefan Lueddemann
| 12.05.2022 15:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Wort im Narrenkleid: Die Schnurrpfeiferei ist der kleine Spaß - wie bei diesem als Waldkircher „Bajaß“ verkleideten Narren in Endingen in Baden-Württemberg. Foto: Foto: Patrick Seeger dpa/lsw (Symbolfoto)
Ein Wort im Narrenkleid: Die Schnurrpfeiferei ist der kleine Spaß - wie bei diesem als Waldkircher „Bajaß“ verkleideten Narren in Endingen in Baden-Württemberg. Foto: Foto: Patrick Seeger dpa/lsw (Symbolfoto)
Artikel teilen:

Alte Wörter: In der Sprachkolumne „Wortklauber“ geht es um Sprachschätze, die in Gefahr sind, verloren zu gehen uns aber noch viel zu sagen haben. Das Wort heute: Schnurrpfeiferei.

Jetzt machen wir uns einmal einen Jux, reißen eine Posse dazu – und widmen uns für ein paar Zeilchen dem Wort Schnurrpfeiferei. Gibt das einen Schildbürgerstreich in Worten?

Vielleicht, denn dieses alte Wort scheint ganz im Bodensatz des historischen Wortschatzes verschwunden zu sein. Auf der anderen Seite ist es kein Ulk, sondern purer Ernst, wenn wir gerade diese Vokabel aus tiefster Vergessenheit heraufholen. Das Wort wirkt, als hätte es das Schellenkleid des Narren übergeworfen, so sehr klingt und tönt es. Schnurrpfeiferei, das ist der Sprache gewordene Witz selbst, ein Sprung über zwei, drei Oktaven der Vokalklänge des Deutschen, Wortgeklingel im besten Sinne.

Wer es einfacher als Schnurrpfeiferei haben möchte, spricht schlicht von einer Kuriosität und hat doch nicht ganz eingefangen, was dieses Wort wirklich meint. Der Begriff bezeichnet, kauzig genug, Einfälle wie Sachen. Eine Schnurrpfeiferei kann einem Menschen durch den Kopf gehen oder bei ihm daheim im Regal stehen. Das Eine wäre eine Idee, das Andere ein Nippes. Geht nicht? Geht doch – mit diesem eigentümlichen Wort, das ja schon zwei akustische Wirkungen in eins presst. Was schnurrt, pfeift eigentlich nicht – und umgekehrt. Wir hören es schon: Schnurrpfeiferei, diese Vokabel ist der wahre Harlekin unter den alten Wörtern.

In der Schnurrpfeiferei steckt die Schnurre. Sie war früher einmal ein simples Blasinstrument der Kinder oder der Bettelmusikanten. In der übertragenen Bedeutung meint das Wort alles, was eigentlich unnütz und überflüssig scheint. Aber bereitet nicht gerade die Schnurre auch Vergnügen? Redakteure sprachen früher von der Schnurre, wenn sie eine kleine Kuriosität bezeichnen wollten, amüsant, aber ohne nachrichtlichen Wert. Die Schnurrpfeiferei ist die kurze Pause von der Normalität, die winzige Unterbrechung im Rauschen der Routine. Dieser Text möge genau das sein – ein kleines Nichts, also eine Schnurrpfeiferei im besten Sinne. Dem Verfasser wäre dieses alte Wort ein Ehrentitel.

Ähnliche Artikel