Gartentipps Irgendwas ist immer im Garten zu tun
Jetzt geht es an die Aussaat. Thomas Harms ist Rhauderfehner Gärtnermeister und GA-Kolumnist und weiß, worauf es im Gemüsegarten zu achten gilt.
Oberledingerland - Im Moment geht man durch den Garten und sieht immer noch mehr Arbeiten, die nicht länger warten dürfen. Waren es im März und April die dicken Bohnen, Zwiebeln, Möhren und Spinat, die aus der Saattüte ins Gartenbeet wollten, waren jetzt in den letzten Wochen die Mangold, Pastinaken, Rübchen und noch einige andere Exoten an der Reihe. Dazu wollten die Kartoffeln in Töpfe gepflanzt und die Erdbeerbeete vorbereitet werden, und, und, und.
Das heißt dann neben den normalen Aktivitäten der Woche auch Beete vorbereiten und aussäen. In meinem Fall muss ich den Rat der Ärzte befolgen und mich vor Anstrengungen fernhalten, möchte aber andererseits auch nicht zu abhängig von helfenden Händen sein.
Dünger hängt von der jeweiligen Bepflanzung ab
Das heißt eine Abkehr von der althergebrachten Art der Bodenvorbereitung durch Umgraben oder auch Stallmist untergraben hin zu einer weniger bodenbewegenden Art der Beetvorbereitung. Dazu entferne ich zuerst gründlich sämtliche Gräser und Kräuter, die sich seit der Ernte des letzten Jahres angesiedelt haben. Ich bemühe mich dabei, auch die Wurzeln so weit wie möglich mitzuentfernen. Je nachdem welche Kultur auf dem jeweiligen Beet für dieses Jahr geplant sind, kommt jetzt eine Düngergabe - bei Starkzehrern eine Mischung aus getrocknetem Rinderdung, trockenem Taubenmist oder Hühnermist, Kalk und Hornspänen. Pflanzen, die nicht so starke Ansprüche an die Düngung haben, kommen mit etwas Rinderdung und Hornspänen aus. Dabei gilt zu beachten, welche Pflanzen im letzten Jahr auf dem Beet standen und kann dadurch den Düngerbedarf steuern.
Waren etwa im letzten Jahr Starkzehrer wie beispielsweise Kartoffeln, Kohlpflanzen, Porree, Kürbis, Sellerie oder Zucchini auf dem Beet, dann pflanze ich im nächsten Jahr Karotten, Kohlrabi, Pastinake, Radieschen, Rote Bete, Salat, Spinat, Stangenbohnen oder Zwiebeln. Im dritten Jahr folgen dann Buschbohnen, Erbsen, Feldsalat oder Kräuter. Nach der Düngung kommt als Sahnehäubchen noch eine zehn Zentimeter dicke Schicht Kompost auf die Beete. Bei mir fällt nicht genug eigener Kompost an, ich hole mir aber gerne den Breinermoorer Kompost in den Garten.
Pflanzplan anhand von Einteilung gemacht
Jetzt sind die Beete also aussaat - und pflanzfertig angelegt. Meinen Pflanzplan, was wo wachsen soll, habe ich mir anhand der Einteilung in Schwach-, Mittel- und Starkzehrer schon zeitig gemacht, auch welche Pflanzen gerne zusammen auf einem Beet stehen und welche Pflanzen sich nicht riechen können (die sogenannte Mischkultur) habe ich beachtet, jetzt gilt es nur noch den richtigen Termin zu bestimmen. Mir klappen sich ehrlich gesagt immer wieder die Fußnägel hoch, wenn selbsternannte Experten in den sozialen Medien über Gartenarbeiten philosophieren und beispielsweise Nachrichtensprecherinnen Gartenbücher herausgeben und bereits Ende Februar auf Instagram mit ihren sehr spireligen Tomatenpflanzen posieren, die aus Sicht des Fachmanns/-frau zu dem Zeitpunkt besser noch in der Saattüte geblieben wären. Merksatz: Alles wächst mit Wärme besser! Ich weite das noch aus und sage: Auch die Tageslänge spielt eine wichtige Rolle. Wärmeliebende Pflanzen aus ursprünglich südlichen Gefilden kommen mit nordischen Temperaturen und kurzen Tagen im März und April nicht so gut klar wie beispielsweise die deutsche dicke Bohne.
Zurück zum Thema. Bevor ich mich jetzt an die Saat oder Pflanzung mache, müssen die Beete durchdringend gewässert werden. Sie sammeln ja hoffentlich Regenwasser? Bei mir gehen jetzt für die Kohlrabi und Salate im Folientunnel, die in Eimer gepflanzten Kartoffeln, die in Töpfe pikierten Kohl- und Salatjungpflanzen in der Warteschleife und die Aussaaten von dicken Bohnen, Zwiebeln, Schalotten, Möhren täglich 100 – 120 Liter Regenwasser durch die Gießkannentülle.
Pflanzen brauchen genug Abstand
Wenn die Beete feucht genug sind, ist jetzt endlich der Zeitpunkt für die Aussaat gekommen. Ich mache mir schon die Mühe in gerade gezogene Pflanzreihen die Saatkörner mit dem richtigen Abstand abzulegen. Das gehört zu meiner Verantwortung als Gärtner meinen Schützlingen gegenüber, die ich jetzt für die nächsten 10 bis 20 Wochen zu behüten habe, ihnen einen perfekten Start zu geben. Nicht zu dick mit Erde überdeckt, nicht zu dicht neben ihrer Nachbarpflanze, aber auch nicht zu weit entfernt voneinander. So wollen die Pflanzen es haben und bedanken sich bei mir dafür mit einem kräftigen Wuchs und einer reichhaltigen Ernte.
Das sollte jetzt an Ratschlägen erst einmal reichen, neben all diesen Arbeiten muss ja immer auch noch Zeit sein, um sich an den jetzt wachsenden Frühjahrsblühern und der erwachenden Natur zu erfreuen. Und ein gelegentliches Feierabendbier nach getaner Arbeit schmeckt im Garten gleich viel besser! Viel Spaß im Garten, bis zum nächsten Mal.