Schülerreise nach Yad Vashem  Rhauderfehner Gymnasiasten wollen der Geschichte mehr Emotionalität geben

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 12.05.2022 11:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zum Abschluss des Austausches genossen alle die Sonne beim Lindenbaum, der zu Ehren von Albrecht Weinberg auf dem Schulgelände gepflanzt wurde. Foto: Scherzer
Zum Abschluss des Austausches genossen alle die Sonne beim Lindenbaum, der zu Ehren von Albrecht Weinberg auf dem Schulgelände gepflanzt wurde. Foto: Scherzer
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Schülerinnen und Schüler des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums wollen im Herbst die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen. Begleitet werden sie von Albrecht Weinberg.

Rhauderfehn - Schülerinnen und Schüler des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums Rhauderfehn planen für Oktober eine ganz besondere Reise. Im Rahmen ihres Seminarfachs „Auf den Spuren jüdischer Geschichte“ werden sie in das Land Israel zu reisen, um Yad Vashem zu besuchen

Anlässlich der geplanten Studienfahrt luden sie nun die CDU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe Gitta Connemann sowie Schulnamensgeber und Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg sowie Gerda Dänekas, seine Pflegerin und WG-Partnerin, zu einem Gespräch ein. „Hier gibt es an der Schule viele Orte, die mit Albrecht Weinberg zu tun haben und Erinnerungsarbeit leisten. Unsere Schüler genießen es auch, dass der Namensgeber unserer Schule so häufig bei uns ist“, sagte Seminarfachlehrerin Anke Chudzinski-Schubert zu den Gästen.

Schülerinnen und Schüler besuchen jüdische Orte in der Region

Seit über einem Jahr beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler des Seminarfachs mit Antisemitismus. In Leer besuchten sie die Ehemalige Jüdische Schule, die Synagogen-Gedenkstätte und den Jüdischen Friedhof, in Groningen die Synagoge und das ehemalige jüdische Viertel. Mit den verschiedenen Gedenkstätten in Ostfriesland setzten sie sich im Rahmen von Facharbeiten auseinander. Darüber hinaus leisteten sie einen aktiven Beitrag für die Erinnerungsarbeit in Rhauderfehn. So halfen sie im November letzten Jahres beim Rundgang zu den Stolpersteinen ebenso, wie bei der Gedenkveranstaltung in ihrer Schule. Demnächst steht also die Reise nach Israel und der Besuch von Yad Vashem an. Zudem strebe das Gymnasium an, Partnerschule der Internationalen Schule für Holocauststudien (ISHS) zu werden. Die ISHS wurde auf dem Gelände der internationalen Holocaustgedenkstätte gebaut.

Gitta Connemann, Albrecht Weinberg und Gerda Dänekas unterhielten sich angeregt mit Schülerinnen und Schülern des Seminarfaches „Auf den Spuren jüdischer Geschichte“. Foto: Scherzer
Gitta Connemann, Albrecht Weinberg und Gerda Dänekas unterhielten sich angeregt mit Schülerinnen und Schülern des Seminarfaches „Auf den Spuren jüdischer Geschichte“. Foto: Scherzer

So viel Interesse und Engagement seitens der Schule wünscht sich Gitta Connemann überall. „,Nie wieder!‘ Das macht sich fest in Montagshandeln, nicht in Sonntagsreden. Sonst ist es nicht ehrlich“, mahnt sie. „Ihr erfüllt ,Nie wieder‘ mit Leben, dafür danke ich euch!“ Sie selbst hat die israelische Holocaustgedenkstätte bereits besucht. Eines der Denkmale von dort machte sie besonders betroffen. Es ist das Kinderdenkmal. „Die Namen der ermordeten Kinder werden immer und immer wieder vorgelesen“, erzählt sie. Und sagt, Israel ist mehr als Yad Vashem. „Es ist ein ganz pulsierender Staat. Führend in Forschung, Innovation und Technologie. Sich Israel als Land anzusehen, ist sehr beeindruckend.“

Albrecht-Weinberg-Gymnasium verpflichtet sich zur Erinnerungskultur

Auch Albrecht Weinberg war bereits mehrmals in Israel, besuchte dort Familie. Er und Gerda Dänekas werden die Schülerinnen, Schüler und die Lehrerin im Herbst begleiten. Ziel der Projekttage ist die Partnerschaft mit Yad Vashem. „Auf Dauer und für die Zukunft verpflichtet sich das Albrecht-Weinberg-Gymnasium, sich mit Israel und seiner Geschichte auseinanderzusetzen“, betont die Gymnasiallehrerin. Und auch die Schülerinnen und Schüler knüpfen an die Reise klare Erwartungen. Sie möchten das Land und seine Leute kennenlernen, durch Yad Vashem weitere Bereiche und Möglichkeiten der Erinnerungskultur erfahren und mehr Emotionalität und Gefühle durch Erzählungen über persönliche Schicksale in die Geschichte hereinbringen. „Für uns ist das auch Aufarbeitung. Wir werden noch viel mehr erfahren, was man sich noch nicht vorstellen konnte“, antwortet eine Schülerin auf die Frage, was sie mit der Reise verbindet. „Ich hoffe, ich kann es emotional besser einordnen und an andere weitergeben.“

Der Kauf von Weinberg-Wein unterstützt die Israelfahrt der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Foto: Scherzer
Der Kauf von Weinberg-Wein unterstützt die Israelfahrt der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Foto: Scherzer

Das Programm der Reise sieht drei Tagesworkshops vor. Zusätzlich wollen sie das Land entdecken. Wie den See von Genezareth. „Das ist für uns der schönste Ort in Israel. Dort habe ich Katzen mit Fisch gefüttert“, erinnert sich Albrecht Weinberg. Er freut sich auf die anstehende Reise. „Da gibt es für einen alten Mann mit 97 keine Worte für, was wir hier in Rhauderfehn mit den jungen Leuten erleben. Sie können das schon verstehen“, sagt er.

Wein wird zur Finanzierung der Reise verkauft

Finanzielle Unterstützung für die Reise wurde bereits von der Axel-Springer Stiftung, Volksbank Westrhauderfehn und Raiffeisen-Bank Flachsmeer zugesagt. Derzeit verkauft die Schule die Sommerkollektion des Weinberg-Weins: Roséwein und Prosecco. Ein Teil des Erlöses geht in die Schulkasse. Wer die Israelfahrt unterstützen möchte, bekommt die Flaschen für 7,50 Euro bei „Die Floristen“ in Rhauderfehn, Untenende. Auch im kommenden Jahr wird es am Albrecht-Weinberg-Gymnasium weitere Projekttage zum Nationalsozialismus und der Shoah geben. Geplant ist, dass sich unterschiedliche Jahrgänge über das Jahr verteilt mit der Thematik auseinandersetzen.

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