Musiker im Gespräch  Antikriegs-Festival in Emden wäre „natürlich Spitzensache“

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 11.05.2022 11:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Emder Band „Black Dog Experience“ probt jetzt wieder regelmäßig in ihrem Bunkerraum an der Fletumer Straße. Foto: Hanssen
Die Emder Band „Black Dog Experience“ probt jetzt wieder regelmäßig in ihrem Bunkerraum an der Fletumer Straße. Foto: Hanssen
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In einem Emder Bunker werden Lieder für den Frieden gespielt. Wir waren bei einer Band-Probe dabei. Ein Festival für die Ukraine würde nicht nur der Gruppe gefallen.

Emden - Es ist laut im Bunker. Das Licht flackert mal grün, mal rot. Ein leichter Rauchgeruch liegt in der Luft. In Emden werden Rock-Lieder für den Frieden im Bunker an der Fletumer Straße gespielt. Torsten Meinders gibt einen eingängigen Rhythmus am Schlagzeug vor. Gregor Wresch am Bass steuert die tiefen Grundtöne bei. An der E-Gitarre ist Stefan Golobow, der gemeinsam mit seiner Frau Anja das rockige Friedenslied anstimmt. Durch die Enge des Raums und die Größe der Verstärker vibriert der Song bis in die Knochen.

Was und warum

Darum geht es: Die Emder Musikszene will sich für die Opfer des Kriegs in der Ukraine stark machen und sich mit ihren Songs für den Frieden einsetzen.

Vor allem interessant für: Musikfans in Emden, Musikerinnen und Musiker, andere Kulturschaffende sowie Menschen, die sich Frieden wünschen

Deshalb berichten wir: Unabhängig voneinander hatten sich sowohl die Band „Black Dog Experience“ als auch der Musiker Siemen Conrads an diese Zeitung mit Friendessongs gewandt. Wir waren bei einer Band-Probe im Bunker dabei.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

„Can you hear the guns, can you see the pain? Do you really want that, again and again?“, fragen die Musiker. Könnt ihr die Schüsse hören, könnt ihr den Schmerz sehen? Wollt ihr das wirklich, wieder und wieder? Was Stefan Golobow als Liedtexter der Band „Black Dog Experience“ letztes Jahr eigentlich über vergangene Kriege schrieb, wurde am 24. Februar durch die Invasion Russlands in die Ukraine plötzlich wieder aktueller denn je.

Anja und Stefan Golobow singen nur die selbst geschriebene Songs. Foto: Hanssen
Anja und Stefan Golobow singen nur die selbst geschriebene Songs. Foto: Hanssen

Musik als Gefühlsverstärker

Während Torsten Meinders sich an eine ältere Dame erinnert, die einmal den Bunker besuchen wollte, weil sie es als Mädchen im Zweiten Weltkrieg bei der Bombardierung gerade noch in die dortigen Schutzräume geschafft hat, ist der Krieg uns heute wieder so nah wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Jetzt rücken die Emder Bunker wieder in den Fokus - und mit ihm die Erkenntnis, dass sie allesamt nicht mehr für den Ernstfall gerüstet sind.

Stefan Golobow schreibt die Songtexte der Band. Sie handeln von dem Alltäglichen, das uns alle beschäftigt: mal Herzschmerz, mal Neubeginn, mal Krieg. Foto: Hanssen
Stefan Golobow schreibt die Songtexte der Band. Sie handeln von dem Alltäglichen, das uns alle beschäftigt: mal Herzschmerz, mal Neubeginn, mal Krieg. Foto: Hanssen

Um so absurder - aber vielleicht auch passender - ist es, dass in einem dieser Bunker, in dem nach Einschätzung der Musiker knapp 30 Räume von Bands genutzt werden, ein Friedenssong gespielt wird. Das Lied „Behind the Wall“ soll insbesondere jetzt eine Mahnung sein, sagt Stefan Golobow. „Die Leute müssen aufwachen“, sagt Gregor Wresch. Es sei wichtig, nicht die Augen vor dem Krieg zu verschließen, sondern das Bewusstsein am Leben zu halten, meint Anja Golobow. Der Frieden wurde für selbstverständlich gehalten, umso mehr schmerzt jetzt die Realität. Für sie persönlich sei die Musik und das nun wieder zweimal wöchentliche Proben im Bunker eine Art Stressabbau. „Der Wut über das, was passiert, kann hier Raum gegeben werden“, sagt Stefan Golobow. Für ihn sei es auch ein „Gefühlsverstärker“, so der 35-jährige Wresch, der noch in weiteren Bands spielt.

Gregor Wresch ist in mehreren Bands gleichzeitig aktiv. Für den Bassisten ist es wichtig, kreativ zu sein.
Gregor Wresch ist in mehreren Bands gleichzeitig aktiv. Für den Bassisten ist es wichtig, kreativ zu sein.

„Die Band-Dichte in Emden ist gewaltig“

Gerne würden sie ihre Musik und ihre Botschaft auf größerer Bühne mit anderen Menschen teilen. Vor der Pandemie hatten sie ihre Songs schon in der Alten Post gespielt, in der Alten Molkerei oder dem Irish Pub „Jameson‘s“. „Jetzt arbeiten wir wieder auf Auftritte hin“, sagt Torsten Meinders. „Ein Festival wäre natürlich Spitzensache“, meint er auf Nachfrage dieser Zeitung, ob man nicht ein Benefiz-Konzert für die Ukraine spielen könnte.

An Musikerinnen und Musikern mangele es in Emden nicht: „Die Band-Dichte hier ist gewaltig“. „Wir sollten einfach einen Aufruf starten“, so Meinders. Er könne sich gut vorstellen, dass sich einige Bands finden würden, die beispielsweise in der Nordseehalle oder irgendwo auf einer Bühne im Freien gerne auftreten würden für den guten Zweck. „Da gibt es bestimmt auch Fördermittel“, meint er.

Festivals schon für Sommer geplant

Der städtische Betrieb Kulturevents hat auf Nachfrage dieser Zeitung, ob ein solches Konzert mit ihrer Unterstützung möglich wäre, noch nicht geantwortet. Stadtsprecher Eduard Dinkela sagte eine Antwort für Mittwoch zu. Nach Information dieser Zeitung wird im Hintergrund aber bereits zusammen mit Emder Kulturschaffenden geplant. Spruchreif ist davon aber noch nichts. Fakt ist: Für diesen Sommer sollen in Emden so einige Kultur- und Musikveranstaltungen stattfinden, nicht nur im Rahmen der Stadtfeste wie etwa an den Matjestagen. Zuletzt hatte diese Zeitung beispielsweise über Planungen für ein Festival der Regionalkultur auf vier Bühnen im Stadtzentrum sowie von Open-Air-Events auf der Teufelsinsel im Emder Außenhafen berichtet. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Kulturschaffende Johannes „Urmel“ Meyering. Im Gespräch am Dienstag kündigte er Konkreteres dazu für die kommende Woche an.

Siemen Conrads ist ein Emder Musik-Urgestein. Foto: Privat
Siemen Conrads ist ein Emder Musik-Urgestein. Foto: Privat

Indes hat sich ein weiterer Emder Musiker mit einem Friedenssong an diese Redaktion gewandt. Auch Siemen Conrads haben die aktuellen Geschehnisse in der Ukraine eingeholt, als er gerade seine neue CD produzieren wollte, schreibt er. Der Song „Fremde brauchen Freunde“, den er schon in den 1990ern geschrieben hatte und mit dem er sich eigentlich beim Eurovision-Song-Contest bewerben wollte, landete auf dem Album. Er richtet sich gegen Fremdenfeindlichkeit. Aus aktuellem Anlass drehte Siemen Conrads gemeinsam mit Jörg „Josch“ Janssen ein Musikvideo dazu. Das Lied „ist ein Appell, mehr Toleranz, Verständnis und Mitgefühl für die Menschen in Not zu zeigen und ihnen Schutz und Geborgenheit zukommen zu lassen“, schreibt er dazu.

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