EWE prüft Zusammenarbeit  Bald kein Ökostrom aus Wittmund mehr fürs „Kliemannsland“?

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 10.05.2022 14:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Influencer Fynn Kliemann sitzt mit seinem Hund auf dem Hof „Kliemannsland“ im Kreis Rotenburg (Wümme). Die Kreativstätte des Unternehmers wird von der EWE mit grünem Strom aus Ostfriesland versorgt. Foto: Dittrich/DPA
Der Influencer Fynn Kliemann sitzt mit seinem Hund auf dem Hof „Kliemannsland“ im Kreis Rotenburg (Wümme). Die Kreativstätte des Unternehmers wird von der EWE mit grünem Strom aus Ostfriesland versorgt. Foto: Dittrich/DPA
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Fynn Kliemann werden dubiose Geschäfte mit Corona-Schutzmasken vorgeworfen. Jetzt überprüft auch die EWE die bisherige Kooperation mit dem Influencer.

Berlin/Oldenburg - Der wegen angeblichen Maskenbetrugs in die Kritik geratene Fynn Kliemann ändert seine Strategie und will sich erstmal nicht weiter äußern. Nachdem sich Kliemann über das Wochenende in einer Video-Botschaft auf Instagram sowie in zwei Interviews zu den Vorwürfen des „ZDF Magazin Royale“ geäußert hatte, zieht er sich nun vorerst aus der Öffentlichkeit zurück. Das gab der 34-Jährige auf seinem Instagram-Kanal bekannt. Unterdessen reagieren weitere Geschäftspartner von Kliemann und beenden die Zusammenarbeit.

„Guten Tag, mein Name ist Fynn Kliemann und die meisten von euch mochten mich vor vier Tagen mehr als heute“, leitete Kliemann sein Instagram-Statement ein. Er habe einen „riesigen Knoten im Kopf“ und alle Leute würden „zu Recht“ Aufklärung erwarten.

Influencer will sich erst einmal aus der Öffentlichkeit zurückziehen

„Diesmal nicht wieder mit einer überhitzten Aussage, nachdem ich frisch überrollt wurde“, kündigte der Youtuber an. Er versprach, dass er antworten könne und wolle. „Aber ich brauche Zeit, bis ich Klarheit über die Details habe“, so Kliemann. Mit „Bis bald“ schloss er sein Statement.

Damit ändert Kliemann seine Kommunikationsstrategie: Noch über das Wochenende hatte der Influencer sich in einem Instagram-Video und in zwei Interviews mit dem „Spiegel“ und dem „Stern“ offensiv verteidigt. Dabei wurde ihm unter anderem auf Twitter vorgeworfen, sich „rauszureden“. Im „Spiegel“-Interview sagte Kliemann etwa: „Ich habe nie dementiert, dass Masken von Global Tactics in Bangladesch produziert werden. Ich wurde nur nie danach gefragt.“

Die EWE betont, nichts mit den Masken-Geschäften zu tun zu haben

Derweil kündigen mehrere Partner ihre Zusammenarbeit mit Kliemann auf – oder denken zumindest darüber nach, so wie die EWE. Der Oldenburger Energieversorger wolle die bestehende Kooperation mit dem Influencer überprüfen, bestätigte ein Konzernsprecher am Dienstag einen entsprechenden Bericht des NDR.

Die EWE hatte im vergangenen Jahr einen Vertrag mit Kliemann geschlossen, um das „Kliemannsland“ – die Kreativstätte des Influencers im Landkreis Rotenburg (Wümme) – mit grüner Energie zu versorgen. Man sei Energie-Partner des „Kliemannslandes“ und begleite die Einrichtung auf dem Weg in die Klimaneutralität, teilte die EWE auf Anfrage unserer Redaktion mit. Die Vorwürfe gegen Kliemann hätten den Konzern „sehr überrascht und betroffen gemacht“. Zugleich betonte die EWE, nicht an den dem Influencer vorgeworfenen Geschäftsaktivitäten mit Corona-Schutzmasken beteiligt zu sein.

„Ostfriesischer Strom liefert die Energie für kreative Leistungen in der Zevener Geest“

Vertragspartner der EWE sei das „Kliemannsland“, hieß es am Dienstag vom Konzern. Der Strom für den Hof komme von einer Photovoltaikanlage im Wittmunder Ortsteil Burhafe, wie die EWE im August 2021 mitteilte. „Ostfriesischer Strom liefert die Energie für kreative Leistungen in der Zevener Geest“, sagte EWE-Kundenbetreuer Günter Schmees damals laut Mitteilung.

Am Dienstag hat außerdem die Non-Profit-Organisation „Viva con Agua“ mitgeteilt, die Zusammenarbeit mit Kliemann zu beenden. „Die geschilderten Vorgänge stehen in krassem Gegensatz zu unseren Werten und unserer Vorstellung von gemeinwohlorientiertem Unternehmertum“, schrieb die Wasserschutz-Organisation in einer Stellungnahme. Daher beende man alle Geschäftsbeziehungen mit Kliemann inklusive aller angegliederten Unternehmen.

Trigema-Chef teilt nach Kritik des Youtuber nun gegen Kliemann aus

Die Causa Kliemann hat nun auch Trigema-Chef Wolfgang Grupp kommentiert, der im Frühjahr 2020 von Kliemann beschuldigt worden war, sich mit der Produktion von Masken zu bereichern. Auf Anfrage des „Schwarzwälder Boten“ sagte Grupp: „Es wundert mich, dass wir über eine solche naive, um Aufmerksamkeit heischende Person überhaupt sprechen oder berichten. Es bewahrheitet sich hier wieder der Satz: ‚Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.‘“

Am Freitag hatte das „ZDF Magazin Royale“ Recherchen veröffentlicht, in denen dem Youtuber und Unternehmer Kliemann sowie seinem Geschäftspartner Tom Illbruck Maskenbetrug vorgeworfen wird. Konkret ging es darum, dass die beiden Masken aus Asien beschafft haben sollen, diese dann aber teurer und als Masken aus Europa deklariert weiterverkauft haben sollen. Außerdem steht die Anschuldigung im Raum, dass Kliemann und Illbruck minderwertige Masken an ein Flüchtlingslager gespendet haben.

Schon früher hatte Kliemann Ärger mit der Tafel Deutschland

Nach Bekanntwerden der Enthüllungen brach eine Welle der Empörung los. Fans und Prominente wandten sich von Kliemann ab, aber auch Geschäftspartner beendeten die Kooperation. Der Online-Modehändler About You nahm etwa die Masken von Kliemanns Label „Oderso“ aus dem Sortiment. Zudem erkannte die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis dem Influencer einen 2020 erhaltenen Sonderpreis ab.

Schon bevor die ZDF-Enthüllungen bekannt wurden, kündigte die Tafel Deutschland die Zusammenarbeit mit Kliemann und seiner Ferienhausvermietung LDGG auf. Grund war der offenbar chaotische Umgang mit Spendengeldern, die der Unternehmer bei der Vermietung von Ferienwohnungen eingesammelt hatte. „Für uns als gemeinnützige Organisation ist damit das Vertrauen für die Zusammenarbeit beschädigt und wir sehen keine ausreichende Transparenz denjenigen Menschen gegenüber, die freiwillig mehr Geld für ihre Urlaube bezahlt hatten“, schrieb die Tafel in einer Stellungnahme.

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