Berlin Fynn Kliemann taucht ab: So begründet er seinen Rückzug
Der wegen angeblichen Maskenbetrugs in die Kritik geratene Fynn Kliemann ändert seine Strategie und will sich erstmal nicht weiter äußern. Unterdessen ziehen weitere Partner des Influencers Konsequenzen.
Nachdem sich Fynn Kliemann über das Wochenende in einer Video-Botschaft auf Instagram sowie in zwei Interviews zu den Maskenvorwürfen des ZDF Magazin Royale um Jan Böhmermann geäußert hatte, zieht er sich nun vorerst aus der Öffentlichkeit zurück. Das gab der 34-Jährige auf seinem Instagram-Kanal bekannt. Unterdessen reagieren weitere Geschäftspartner von Kliemann und beendeten die Zusammenarbeit.
„Guten Tag, mein Name ist Fynn Kliemann und die meisten von euch mochten mich vor 4 Tagen mehr als heute“, leitete Kliemann sein Instagram-Statement ein. Er habe einen „riesigen Knoten im Knopf“ und alle Leute würden „zu Recht“ Aufklärung erwarten.
„Diesmal nicht wieder mit einer überhitzten Aussage, nachdem ich frisch überrollt wurde“, kündigte der Youtuber an. Er versprach, dass er antworten könne und wolle. „Aber ich brauche Zeit bis ich Klarheit über die Details habe“, so Kliemann. Mit „Bis bald“ schloss er sein Statement.
Damit ändert Kliemann seine Kommunikationsstrategie: Noch über das Wochenende hatte der Influencer sich in einer Instagram-Videobotschaft und in zwei Interviews mit dem „Spiegel“ und dem „Stern“ offensiv verteidigt. Dabei wurde ihm unter anderem auf Twitter vorgeworfen, sich „rauszureden“. Im Spiegel-Interview sagte Kliemann etwa: „Ich habe nie dementiert, dass Masken von GlobalTactics in Bangladesch produziert werden. Ich wurde nur nie danach gefragt.“
Am Dienstag hat außerdem die Non-Profit-Organisation „Viva con Agua“ mitgeteilt, die Zusammenarbeit mit Kliemann zu beenden. „Die geschilderten Vorgänge stehen in krassem Gegensatz zu unseren Werten und unserer Vorstellung von gemeinwohlorientiertem Unternehmertum“, schrieb die Wasserschutz-Organisation in einer Stellungnahme. Daher beende man alle Geschäftsbeziehungen mit Fynn Kliemann inklusive aller angegliederten Unternehmen.
Die Causa Kliemann hat nun auch Trigema-Chef Wolfgang Grupp kommentiert, der im Frühjahr 2020 von Kliemann beschuldigt wurde, sich mit der Produktion von Masken zu bereichern. Auf Anfrage des „Schwarzwälder Boten“ sagte Grupp: „Es wundert mich, dass wir über eine solche naive, um Aufmerksamkeit heischende Person überhaupt sprechen oder berichten. Es bewahrheitet sich hier wieder der Satz: ‘Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.’“
Am Freitag hatte das ZDF Magazin Royale Recherchen um Moderator Jan Böhmermann veröffentlicht, in denen dem Youtuber und Unternehmer Fynn Kliemann sowie seinem Geschäftspartner Tom Illbruck Maskenbetrug vorgeworfen wird.
Hier sehen Sie, welche Konsequenzen der Fall Kliemann bisher hatte:
Nach Bekanntwerden der Enthüllungen brach eine Welle der Empörung los. Fans und Prominente wandten sich von Kliemann ab, aber auch Geschäftspartner beendeten die Zusammenarbeit. Der Online-Modehändler „About You“ nahm etwa die Masken von Kliemanns Label „Oderso“ aus dem Sortiment. Zudem erkannte die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis dem Influencer einen 2020 erhaltenen Sonderpreis ab.
Schon bevor die ZDF-Enthüllungen bekannt wurden, kündigte die Tafel Deutschland die Zusammenarbeit mit Kliemann und seiner Ferienhausvermietung „LDGG“ auf. Grund war der offenbar chaotische Umgang mit Spendengeldern, die der Unternehmer bei der Vermietung von Ferienwohnungen eingesammelt hatte. „Für uns als gemeinnützige Organisation ist damit das Vertrauen für die Zusammenarbeit beschädigt und wir sehen keine ausreichende Transparenz denjenigen Menschen gegenüber, die freiwillig mehr Geld für ihre Urlaube bezahlt hatten“, schrieb die Tafel in einer Stellungnahme.