Energiepreise steigen  EWE erhöht Gaspreis noch mal um 30 Prozent

| | 10.05.2022 11:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Gaspreise kennen nur eine Richtung. Foto: Murat/dpa
Die Gaspreise kennen nur eine Richtung. Foto: Murat/dpa
Artikel teilen:

Der Oldenburger Energiedienstleister hat schlechte Nachrichten. Die Gaspreise steigen erneut. Betroffen sind 100.000 Kunden – auch in Ostfriesland.

Ostfriesland/Oldenburg - Die Gaspreise kennen zurzeit nur eine Richtung: nach oben. Davon sind nun erneut auch die EWE-Kunden in Ostfriesland betroffen. Wie die Oldenburger EWE am Dienstag bekannt gab, steigen die Gaspreise zum 1. Juli dieses Jahres im Vergleich zum aktuellen Tarif um satte 30 Prozent. Für einen Durchschnittshaushalt mit etwa zwei Erwachsenen und einem Kind und einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet dies 52 Euro mehr pro Monat als heute.

Der neuerliche Preisschock kommt nicht ganz unerwartet. Erst bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns im April hatte EWE-Chef Stefan Dohler weitere Preiserhöhungen nicht ausgeschlossen.

Erhöhung im Vierteljahrestakt?

Bereits zum 1. April hatte die EWE ihre Gaspreise im Vorjahresvergleich um mehr als 40 Prozent erhöht. Strom wurde fast zehn Prozent teurer. Weitere „Preisanpassungen“ im Verlauf dieses Jahres waren schon Anfang Februar nicht ausgeschlossen worden. Für Hunderttausende Menschen auch in Ostfriesland stiegen die Energiekosten damit empfindlich an.

Wie die EWE damals in einer Online-Pressekonferenz verkündete, waren zunächst 460.000 Kunden in der Grundversorgung betroffen – also jene, die die Tarife „EWE Erdgas Comfort“ und „EWE Strom Comfort“ gebucht hatten. Die bezahlten nach Berechnungen der EWE im Schnitt ab April im Vergleich zum Vorjahr insgesamt etwa 740 Euro mehr pro Jahr. Genauer: Ein sogenannter Standardhaushalt mit zwei bis drei Personen und einem Stromverbrauch von 2800 Kilowattstunden im Jahr bezahlt seit April 95,50 Euro mehr; bei Gaskunden mit einem Verbrauch von 17.500 Kilowattstunden im Jahr sind es 644 Euro mehr. Wer von den insgesamt 1,5 Millionen EWE-Kunden einen sogenannten Laufzeitvertrag mit festen Preisen gebucht hat, war von der Preiserhöhung zum 1. April zunächst einmal nicht betroffen. Wenn deren Verträge verlängert werden, trifft aber auch sie eine Preisanpassung.

Nur Kunden mit Grundversorgung betroffen

Auch bei der jetzigen Preiserhöhung sind nicht alle Kunden der EWE betroffen, sondern erneut nur jene, die die Grundversorgung gebucht haben. Die Gründe für die erneute Gaspreisanhebung erläutert Oliver Bolay, Geschäftsführer der EWE Vertrieb GmbH, wie folgt: „Die Preisdynamik auf dem Energiemarkt ist ungebrochen. Bereits zum 1. April war EWE gezwungen die Preise zu erhöhen, da Energieanbieter Insolvenz anmelden mussten oder ihre Lieferung eingestellt haben. Für diese unerwarteten Neukunden musste EWE zu teuren Konditionen Mengen nachbeschaffen. EWE verzeichnet weiterhin Kundenzugänge und kaum Kundenverluste, da viele Kunden ganz offensichtlich auf Sicherheit und damit auf etablierte Grundversorger setzten und die Preise der EWE vergleichsweis günstig sind. Die Folge ist, das EWE weiterhin auch für diese Kunden zu aktuellen hohen Kosten am Markt einkaufen muss. Dies müssen wir in unseren Preisen berücksichtigen“, sagte Bolay laut einer Pressemitteilung

Als Grund für das Rekordniveau der Gasbezugskosten nannte Bolay neben der hohen Nachfrage nach Gas die angespannte geopolitische Situation aufgrund des Kriegs in der Ukraine. Bolay betonte, dass er die erneute Preisanhebung beim Erdgas bedauere, dass EWE als Einkäufer von Erdgas aber leider keine andere Wahl habe, als aufgrund des Gaseinkaufes zu Rekordpreisen Kunden mit einer weiteren Gaspreisanhebung zu belasten. In dem Zusammenhang empfiehlt EWE den betroffenen Kunden, ihren Abschlagsbetrag zu erhöhen, um dadurch eine Nachzahlung in der nächsten Rechnung zu vermeiden.

Strom wird günstiger

Die EWE hatte am Dienstag aber auch gute Nachrichten. „Die einzig positive Nachricht für Energiekunden ist derzeit, dass der Strompreis ab dem 1. Juli um netto 3,723 Cent pro Kilowattstunde sinkt, da die EEG-Umlage genau um den Betrag gesenkt und auf 0 gesetzt wird“, so Bolay. Für EWE-Kunden bestehe keine Notwendigkeit, die Absenkung aktiv einzufordern, da diese automatisch an alle Stromkunden in gleichem Maße weitergegeben werde. Die Änderung sei dann erstmals in der nächsten Abrechnung nach dem 1. Juli 2022 ersichtlich.

Auch eine Meldung des Zählerstandes ist EWE zufolge nicht erforderlich. EWE berücksichtige die Preisanpassung bei der nächsten Abrechnung, indem EWE die Verbrauchsmengen nach den alten und neuen Preisen anhand von statistisch erfassten Verbrauchsdaten aufteile. Kunden, die EWE dennoch ihren Strom-Zählerstand mitteilen möchten, sollten nach Firmenangaben dafür die digitalen Möglichkeiten nutzen, die EWE bietet.

Ähnliche Artikel